Klimaschutz: Empfehlungen für die Politik

Dossier

Um unabsehbare negative Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme und die Gesellschaft zu vermeiden, ist es erforderlich, die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen einschneidend zu reduzieren. Hier ist die Politik gefordert, Klimaschutzstrategien zu erstellen und umzusetzen. Für ihre Entscheidungen benötigt die Politik wissenschaftliche Expertise.


Das Thünen-Institut kommt seinem Beratungsauftrag auf diesem Gebiet in vielfältiger Weise nach. So hat es bereits 2012 die Studie zur Vorbereitung einer effizienten und gut abgestimmten Klimaschutzpolitik für den Agrarsektor für das Land Niedersachsen erstellt. Am Beispiel von Niedersachsen wurden Maßnahmen zur Emissionsminderung von Treibhausgasen aus dem Agrarsektor regional differenziert analysiert, quantifiziert und bewertet. Korrespondierend dazu wurden die Kosteneffizienz der Klimaschutzmaßnahmen ermittelt und Politikmaßnahmen abgeleitet. Die Studie ist  als Sonderheft 361 der Zeitschrift Landbauforschung erschienen.

Im Thünen Report 11 wurden 2013 Handlungsoptionen für den Klimaschutz in der deutschen Agrar- und Forstwirtschaft vorgestellt.

Übergabe des Klimaschutz-Gutachtens an Bundesminister Christian Schmidt (© BMEL)

Im September 2016 haben die Wissenschaftlichen Beiräte für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) und für Waldpolitik (WBW) beim BMEL Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ihr gemeinsames Gutachten Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung überreicht. An der Erstellung des Gutachtens haben mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts mitgewirkt: zwei als Mitglieder des WBAE, darunter einer als einer der beiden federführenden Autoren des Gutachtens, einer als Mitglied des WBW und fünf weitere als externe Mitautoren.

Treibhausgasemissionen um 80 - 95 % reduzieren

Deutschland hat sich ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt: Es will bis 2050 seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um mindestens 80 - 95 % reduzieren.  Das Gutachten weist darauf hin, dass diese Klimaschutzziele nur erreichbar sind, wenn auch Land-, Forst- und Holzwirtschaft sowie die Konsumenten von Lebensmitteln einen erheblichen Beitrag leisten. Zugleich zeigt das Gutachten, dass dies gelingen kann, ohne die Substanz der nationalen Land-, Forst- und Holzwirtschaft zu gefährden. Von selbst werden die Klimaschutzziele aber nicht erreicht werden. Hier ist die Politik gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, damit Land- und Ernährungswirtschaft sowie Forst- und Holzwirtschaft Treibhausgasemissionen mindern und die Kohlenstoffbindung erhöhen. Gefordert sind aber auch die Konsumenten, sich klimafreundlicher zu ernähren.

Nach den Berechnungen der Wissenschaftlichen Beiräte haben folgende Ansatzstellen die höchsten Klimaschutzpotenziale (in absteigender Reihenfolge):

  • Produktive Nutzung des Waldes (erfordert u.a. eine Erhöhung des Nadelbaumanteils in der Verjüngung),
  • Schutz von derzeit landwirtschaftlich genutzten Mooren,
  • Reduzierung des Konsums tierischer Produkte,
  • Nutzung schnellwachsender Baumarten aus landwirtschaftlicher Produktion,
  • Erhöhung der stofflichen Nutzung von Holz in langlebigen Produkten,
  • Verbesserung der Stickstoffeffizienz der Düngung.

Die Wissenschaftlichen Beiräte betonen, dass die empfohlenen Klimaschutzanstrengungen in sektorübergreifende nationale und europäische Klimaschutzstrategien eingebunden sein sollten. Zudem sollten sie in internationale Klimaschutzabkommen eingebettet sein, ohne die ein wirksamer Klimaschutz kaum möglich ist.