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Die Bedeutung der Meeresangelfischerei

Bootsangler (© Thünen-Institut/Harry Strehlow)

Neben der kommerziellen Fischerei entnimmt die Freizeitfischerei, insbesondere die Angelfischerei, eine bedeutende Menge von Biomasse aus den Fischbeständen. Bei einzelnen marinen und diadromen – also in wechselnden Gewässern beheimateten – Arten können Angler einen signifikanten Anteil der Gesamtfänge anlanden. Gleichzeitig besitzt die Freizeitfischerei auch eine große sozioökonomische Bedeutung. Insbesondere für die Küstengebiete und strukturarme Regionen ist nämlich Angeltourismus eine beachtliche Einkommensquelle.

Erstaunlicherweise wird in Europa die Freizeitfischerei trotzdem in relativ geringem Umfang erforscht. In Deutschland beschränkte sich die Forschung zur Angelfischerei bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich auf Binnengewässer. Für die marinen Gewässer Europas fehlten lange Zeit solche systematischen und flächendeckenden Untersuchungen völlig. Die regelmäßige Erhebung von Freizeitfischereidaten in Europa begann 2001 mit der Einführung der Verordnung (EG) Nr. 1639/2001. Mehr zur historischen Entwicklung im "Hintergrund".

Erste Untersuchungen zeigen, dass Freizeitfischer in der westlichen Ostsee beispielsweise reichlich  Dorschfänge und -rückwürfe aufweisen. Tatsächlich wurde geschätzt, dass sie in den Jahren 2005 bis 2010 jährlich im Mittel knapp 50 Prozent der Biomasse entnommen haben, die zur selben Zeit  von der deutschen kommerziellen Fischerei aus demselben Gebiet angelandet wurde. Auch Studien anderer Ostsee-Anrainer wie zum Beispiel Dänemark und Schweden zeigen, dass die Dorschentnahme durch die Freizeitfischerei in der Ostsee nicht vernachlässigbar ist. Die Evaluation des Umfangs und der Fänge der Freizeitfischerei ist allerdings eine komplexe Aufgabe und mit einer Vielzahl von Problemen verbunden. Lesen Sie mehr zur Erhebungsmethodik in der "Expertise".

Obwohl Freizeitangler und kommerzielle Fischer prinzipiell dieselben Fische fangen, konkurrieren sie nicht um die derzeitige Quote. Die Quote wird auf der Basis der entnommenen Biomasse berechnet. Die Fänge der Freizeitfischerei sind bisher nicht berücksichtigt worden, weil sie ja nicht bekannt waren. Wenn die Fänge aus der Freizeitfischerei zukünftig in die Bestandsberechnungen einbezogen werden, erhöht sich die wahrgenommene Produktivität des Bestands proportional, und die entnehmbare Fangmenge steigt ungefähr um die Menge der Anglerfänge. Die Höchstfangmengen der kommerziellen Fischer müssen also nicht sinken, die höhere neue Quote muss nur anders aufgeteilt werden. Ein geeignetes Management sollte für einen Ausgleich der Interessen der Freizeit- und der kommerziellen Fischerei sorgen und die große sozioökonomische Bedeutung der Freizeitfischerei berücksichtigen.

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 4

  1. Eero M, Strehlow HV, Adams CM, Vinther M (2015) Does recreational catch impact the TAC for commercial fisheries? ICES J Mar Sci 72(2):450-457, DOI:10.1093/icesjms/fsu121
  2. Weltersbach MS, Strehlow HV (2013) Dead or alive - estimating post-release mortality of Atlantic cod in the recreational fishery. ICES J Mar Sci 70(4):864-872, doi:10.1093/icesjms/fst038
  3. Ferter K, Weltersbach MS, Strehlow HV, Volstad JH, Asos J, Arlinghaus R, Armstrong M, Dorow M, Graaf M de, Hammen T van der, Hyder K, Levrel H, Paulrud A, Radtke K, Rocklin D, Sparrevohn CR, Veiga P (2013) Unexpectedly high catch-and-release rates in European marine recreational fisheries: implications for science and management. ICES J Mar Sci 70(7):1319-1329, doi:10.1093/icesjms/fst104
  4. Strehlow HV, Schultz N, Zimmermann C, Hammer C (2012) Cod catches taken by the German recreational fishery in the Western Baltic Sea, 2005-2010: implications for stock assessment and management. ICES J Mar Sci 69(10):1769-1780