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Von der Nahrung bis zum Ei – Neue Erkenntnisse aus der Kabeljauforschung in Grönland

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Wie beeinflusst die Umwelt bzw. das Habitat die Kondition und das Reproduktionspotential von geschlechtsreifen Kabeljauweibchen? Diese Frage stellte sich Ina Stoltenberg in ihrer Masterarbeit.

Ina Stoltenberg bei der Arbeit im Labor (© Thünen-Institut/ K. Hünerlage)

Wie beeinflusst die Umwelt bzw. das Habitat die Kondition und das Reproduktionspotential von geschlechtsreifen Kabeljauweibchen? Dieser Frage stellte sich Ina Stoltenberg vom GEOMAR Kiel in ihrer Masterarbeit im Zuge des CLIMA-Projekts und einer kooperativen Studie mit dem Thünen-Institut für Seefischerei. Betreut von Dr. Heino Fock und Karl-Michael Werner wurden die Ergebnisse hierzu am 22. Januar 2019 am GEOMAR in Kiel vorgestellt und mit der Bestnote 1.0 ausgezeichnet.

Für ihre Beprobungen fuhr Ina Stoltenberg als wissenschaftliche Teilnehmerin an Bord der Walther Herwig III im Herbst 2017 nach Grönland. Um ihre Hypothese, dass heterogene Habitat- und Umweltstrukturen die Biologie eines Kabeljauweibchens beeinflussen, zu testen, sammelte sie während der Reise eine komplette Bandbreite wichtiger Daten um verschiedene Individuen zu durchleuchten: Muskelproben für die Untersuchung stabiler Isotopen, Mägen für die Untersuchung des aktuellen Fraßspektrums und Gonaden- und Leberproben für die Untersuchung des Fettgehalts und der Fettsäurezusammensetzung. In den darauffolgenden Monaten wurden die gesammelten Proben am Thünen-Institut in Bremerhaven und am GEOMAR Kiel analysiert und ausgewertet.

Inas Ergebnisse zeigen, dass die Kabeljaukondition in Form von Fettgehalten der Lebern und Gonaden und der Fettsäurezusammensetzung in den Gonaden stark mit der räumlichen Variabilität und der Nahrungszusammensetzung in den verschiedenen Habitaten zusammenhängen. Kabeljauweibchen aus tiefen Bereichen vor Ostgrönland, die an der Kante zur Irmingersee leben, ernährten sich hauptsächlich von mesopelagischen Fischen und pelagischen Krebstieren und zeigten höchste Werte an Fettspeichern und essentiellen Fettsäuren, die sich sehr positiv auf die Reproduktion auswirken. Im Kontrast zu diesen gesunden und wohlgenährten Fischen standen Kabeljauweibchen aus flacheren Schelfregionen in Südgrönland, die sich hauptsächlich von Organismen vom Meeresboden ernährten, wie zum Beispiel Seegurken, Schlangensternen oder Seespinnen. Solche Kabeljauweibchen hatten durchweg niedrigere Fettreserven und geringere Quantitäten essentieller Fettsäuren. Zudem fiel auf, dass viele von ihnen durch starken Parasitenbefall in der Leber geschwächt waren.

Diese Studie gibt neuen Aufschluss darüber, wie wichtig die Unterschiede zwischen einzelnen Individuen, die in verschiedenen Habitaten leben, sind. Die Ergebnisse werfen zum Beispiel die neue Frage auf, ob weniger erfolgreiche Strategien, wie die der schlecht konditionierten Kabeljauweibchen, evolutionär stabil sind, oder irgendwann aussterben. Die Ergebnisse sollen im Laufe des Jahres in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie im CLIMA-Projekt.