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Den Fischen auf der Spur - sehen alle das Gleiche?

Aktuell

Für eine genaue Bestandsabschätzung von pelagischen Fischen ist es von großer Bedeutung, dass die gemessenen hydroakustischen Werte gleich interpretiert werden.

Ein typischer Datensatz aus dem Deutschen Beitrag zum internationalen HERAS-Survey: Dichte Sprottenschwärme südlich von Helgoland. A „typical“ example dataset from the German participation in the HERAS survey. Dense schools of sprat are visible on the echogram recorded south of Helgoland Island. (© M. Schaber, TI-SF)

Vom 7.-11. September fand ein Workshop der ICES Arbeitsgruppe WKSCRUT (Workshop on Scrutinisation Procedures for Pelagic Ecosystem Surveys) unter der Leitung von Dr. Matthias Schaber am Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg statt. Am Workshop nahmen insgesamt 13 Wissenschaftler aus den Niederlanden, Schottland, Dänemark, Norwegen, Irland und Spanien teil. Die Arbeitsgruppe wurde von der ICES Working Group of International Pelagic Surveys (WGIPS) ins Leben gerufen, die für die Koordination, Planung und Auswertung verschiedener pelagischer Ökosystemsurveys zuständig ist.

Unter „scrutinisation“ versteht man die Nachbearbeitung von Echogrammen (siehe Bild oben), die im Rahmen diverser Forschungsreisen zur Erfassung von Bestandsparametern pelagischer Schwarmfische erhoben werden. Bei der Nachbearbeitung und Auswertung entsprechender Daten aus diesen Hydroakustiksurveys werden charakteristische Echos von Fischschwärmen und anderen marinen Organismen zum Teil automatisch, oft aber auch manuell markiert und einer Fischart oder Gruppe von Fischen zugeordnet. Anhand der Verteilung sowie der insgesamt gemessenen Echos einzelner Fischarten oder –gruppen kann dann im weiteren Verlauf zusammen mit, während der Seereisen, gesammelten Informationen zu Fangzusammensetzung, mittlerer Länge, Alter und Gewicht der jeweiligen Fischarten ein Abundanz- und Biomassenindex erzeugt werden, der direkt in die Bestandsberechnung und weitere Fangempfehlung für die entsprechenden Fischarten einfließt.

Die Nachbearbeitung von Echogrammen, das heißt die Zuordnung gemessener Echos zu Fischarten, ist oftmals subjektiv und stark von der Erfahrung und Einschätzung der bearbeitenden Person abhängig. Dennoch wird das Ergebnis und folglich die Abundanzabschätzung vieler Fischarten direkt durch die Nachbearbeitung und Interpretation von akustischen Daten beeinflusst. Entsprechend wichtig ist, dass alle Wissenschaftler, die Echogramme nachbearbeiten, die gleichen generellen Prozeduren und Arbeitsschritte anwenden.

Ziel des Workshops in Hamburg war, durch die vergleichende Auswertung von Echogrammen, Unterschiede in der Herangehensweise bzw. Interpretation von akustischen Daten zwischen den Nachbearbeitern der verschiedenen Forschungsreisen herauszuarbeiten. Hierzu wurden von allen Teilnehmern Beispieldatensätze (akustische Rohdaten) sowie Fangdaten aus Forschungsfängen bereitgestellt. Die Datensätze entstammten diversen von der WGIPS koordinierten Surveys, z.B. dem North Sea, West of Scotland and Malin Shelf Summer Acoustic Survey (HERAS), dem International Blue Whiting Spawning Stock Survey (IBWSS). Die Datensätze wurden klassifiziert in „typisch“ und „herausfordernd“ und zusammen mit den Fangdaten von allen Teilnehmern mit deren standardmäßig angewandten Methoden ausgewertet. Insgesamt wurden von 92 zur Verfügung stehenden Datensätzen 25 ausgewählt und bearbeitet. Die Ergebnisse zeigten große Übereinstimmungen bei allen Bearbeitern bezüglich der Zuordnung von Fischschwärmen. Unterschiede bestanden teilweise in der Interpretation von Fischschwärmen, die sehr dicht am Meeresgrund schwammen und von einzelnen Sachbearbeitern nicht als Schwarm sondern als Teil des Meeresbodens interpretiert wurden. Weitere Unterschiede zeigten sich bezüglich der Erfahrung mit Datensätzen aus einzelnen Surveys und daraus resultierendem Expertenwissen: Kenntnisse über die Verhaltensweisen einzelner Fischarten sowie deren Fangbarkeit mit den eingesetzten Netzen bei Vergleichsfängen führten zu unterschiedlich starker Wichtung einzelner Fischarten bei der Auswertung.

Im Großen und Ganzen waren die Unterschiede jedoch bezogen auf das Gesamtergebnis der ausgewerteten Datensätze als nicht gravierend einzuschätzen. Weiterhin wurden beobachtete Unterschiede diskutiert und entsprechend angepasste Auswerteroutinen werden aktuell in entsprechende Survey-Handbücher übernommen, um künftig ein noch größeres Maß an Harmonisierung und Übereinstimmung bei der Auswertung von Akustikdaten aus Forschungsreisen zu erhalten.

Für Fragen steht Ihnen unser Kollege, Dr. Matthias Schaber, gerne zur Verfügung.