Die deutsche Fischereiflotte: Wenige Große und viele Kleine

Dossier

Voller Steert
Voller Steert (© Rüdiger Schöne)

Fischer ist nicht gleich Fischer. So heterogen wie ihre Ausstattung – von modernen Ozeanriesen bis zu traditionellen Kuttern mit handwerklicher Fangtechnik –, so vielfältig sind auch ihre wirtschaftliche Lage und ihre Perspektiven.


Die deutschen Meeresfischer landen jährlich Fisch in der Größenordnung von 200.000 Tonnen an -  das ist etwa ein Sechstel des deutschen Verbrauchs. Gemessen an der Präsenz in den Medien ist die deutsche Flotte mit rund 1.500 Fahrzeugen erstaunlich klein. Rund eine Handvoll Hochseetrawler, die weltweit operieren und internationalen Wirtschaftsunternehmen gehören, landet allein schon überschlägig die Hälfte der deutschen Fänge an. Das Gros der deutschen Fischereiflotte hingegen besteht aus rund 1.100 kleinen Stellnetzkuttern von 4 bis 10m Länge, die in Sichtweite der Ostseeküste operieren und nicht einmal 4% der deutschen Fänge beisteuern. Dazwischen gibt es noch gut 200 Nordsee-Krabbenkutter von 9 bis 27m sowie 70 Kutter von 10 bis 45m Länge, die mit Grundschleppnetzen in Nord- und Ostsee unter anderem Dorsch und Seelachs fangen.

Welche Strukturen sind nun für die verschiedenen Fraktionen der deutschen Fischereiflotte charakteristisch, und wie steht es um ihre Wettbewerbsfähigkeit? Interessante Basisinformationen dazu haben wir nachfolgend zusammengestellt:

Hochseefischerei – gut aufgestellt im globalen Wettbewerb

Fischverarbeitungsfabrik unter Deck: In Hochseetrawlern wird der gefangene Fisch direkt verarbeitet und in Frostern aufbewahrt.
Fischverarbeitung unter Deck: In Hochseetrawlern wird der gefangene Fisch direkt verarbeitet und in Frostern gelagert. (© Thünen-Institut)

Die Hochseetrawler landen nur einen geringen Teil ihrer Fänge in Deutschland an und operieren vom Nordatlantik bis nach Westafrika sowie zeitweise im Südpazifik. Sie sind sehr modern ausgerüstet und stehen im Wettbewerb mit anderen global operierenden Unternehmen. Der hohe Kapitaleinsatz erfordert  hinreichend Fangmöglichkeiten (Quoten) und eine hohe Auslastung, damit der Betrieb wirtschaftlich ist. Ein Strukturwandel war in den 90er-Jahren zu erkennen: Damals hat sich die Zahl der Hochseetrawler deutlich verringert, da keine hinreichenden Fangmöglichkeiten mehr für alle Schiffe gegeben waren und die einzelnen Schiffe zudem effizienter wurden. Ausgehend vom Durchschnitt der letzten Jahre, gilt die deutsche Hochseefischerei gegenwärtig als profitabel.

Stellnetzfischerei – traditionelles Handwerk mit schwieriger Zukunft

Rückkehr eines Stellnetzkutters.
Stellnetzkutter – typisch für die Ostsee. (© Daniel Stepputtis)

Im Vergleich zur Hochseefischerei sieht die Situation bei den Stellnetzkuttern ganz anders aus. Sie operieren fast ausschließlich in der Ostsee. Ihre Zahl hat in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel abgenommen. Ein wesentlicher Grund war, dass die Quoten und Erlöse für die wichtige Zielart Dorsch substanziell gesunken waren – von 2003 bis 2013 um über die Hälfte. Am Gesamterlös dieser Fischerei (2003: 6,4 Millionen Euro - 2013: 5,3 Millionen Euro) kann man die geringe gesamtwirtschaftliche Bedeutung ableiten, betrachtet man lediglich den Wert der Anlandungen. Nur ein kleiner Teil dieser Schiffe wird im Haupterwerb betrieben. Häufig leben die Fischer maßgeblich von anderen Tätigkeiten oder betreiben die Fischerei lediglich als Hobby. Ein Fischer besitzt in vielen Fällen auch mehrere Fahrzeuge, die zum Teil für unterschiedliche Einsatzzwecke konzipiert sind.

Bislang wird der Fang der Stellnetzkutter nur in Ausnahmefällen als regionale Spezialität vermarktet, mit den entsprechenden Möglichkeiten, daraus einen Mehrwert zu generieren. Der Fisch aus Stellnetzen konkurriert daher am Markt zum Teil mit dem anderer Herkünfte (Nordsee, Barentssee) oder anderer Fangmethoden (Schleppnetze), welcher oft zu geringeren Kosten gefangen und somit zu niedrigeren Preisen angeboten werden kann.

Die wirtschaftliche Lage der Stellnetzkutter ist seit Jahren angespannt, und angesichts der derzeitigen Situation ist in naher Zukunft auch keine Besserung abzusehen: Die Investitionen in dem Sektor sind niedrig, und für Fischer, die aus Altersgründen aus dem Beruf ausscheiden, finden sich nur selten Betriebsnachfolger. Es ist abzusehen, dass die Zahl der Häfen abnehmen wird, in denen Stellnetzkutter liegen.

Krabbenfischerei – profitables Geschäft mit betagten Fahrzeugen

Krabbenkutter in Accumersiel.
Krabbenkutter in Accumersiel. (© Thünen-Institut)

Die Krabbenkutter werden fast ausschließlich als Familienbetriebe geführt – ein Schiff je Eigner. Die vermarkteten Fänge bestehen fast ausschließlich aus der Nordseegarnele („Nordseekrabbe”), einer Art, für die keine Quote als Höchstfangmenge existiert und die in bedeutenden Mengen nur in der Deutschen Bucht zu fangen ist. Die Nordseekrabbe ist ein einzigartiges Produkt, das nicht durch andere Waren substituiert werden kann. Allerdings ist die vermarktbare Menge auch begrenzt. Außerdem ist der Großhandel quasi monopolistisch organisiert, und die Macht der Fischer am Markt ist trotz des Trends, sich in Erzeugergemeinschaften zu organisieren, weiter nur gering. Mangels Quoten können Krabbenfischer in der Regel nicht auf andere Fischarten ausweichen, wenn der Krabbenfang gerade unwirtschaftlich ist. Umgekehrt haben jedoch bestimmte Schleppnetzkutter die Möglichkeit, zeitweise der Krabbenfischerei nachzugehen, da die Art ja nicht quotiert ist.

Die Krabbenfischerei hat sich über die Jahre bei starken Schwankungen als profitabel dargestellt. Jedoch sinkt auch hier die Zahl der Betriebe. Die Fahrzeuge fischen zunehmend effizienter, während das Absatzpotenzial gleich bleibt. Mittlerweile beträgt das Durchschnittsalter der Krabbenkutter 35 Jahre. Seit 2004 gab es im Schnitt jährlich weniger als einen Neubau. Motoren oder Bordgeräte werden modernisiert. Die Summe von über einer Million Euro für einen Neubau wagt jedoch kaum ein Betrieb zu investieren, weil die Aussichten als zu unsicher angesehen werden.

Fischerei mit Grundschleppnetzen – effizienter Mittelstand mit starker Konkurrenz

Grundschleppnetzkutter Susanne.
Spezialisiert auf Fischarten wie Dorsch und Seelachs: Grundschleppnetzkutter Susanne. (© Sakis Kroupis)

Auch die Zahl der Grundschleppnetzkutter ist rückläufig. Wichtige Zielarten sind Dorsch/Kabeljau und Seelachs. Mit diesen Arten steht die Schleppnetzfischerei im Wettbewerb sowohl mit Betrieben anderer Nationen, die in den gleichen Fanggründen von Nord- und Ostsee unterwegs sind, als auch mit jenem Fisch, der aus anderen Fanggebieten stammt.

Bei der Grundschleppnetzfischerei ist eine Konzentration in wenigen Erzeugergemeinschaften zu beobachten, in denen die Fischer ihre Interessen gebündelt vertreten können. So ließen sich einzelne Fischereien, die zum Beispiel durch die Fokussierung auf bestimmte Fischarten, die Nutzung derselben Fanggeräte und -gebiete charakterisiert sind, mit dem Nachhaltigkeitssiegel MSC (Marine Stewardship Council) zertifizieren, was für die Vermarktung der Ware zunehmend bedeutsam wird.  Durch modernes Management werden die verfügbaren Quoten effizient intern verteilt und ausgefischt. Darüber hinaus verarbeiten und vermarkten diese Organisationen ihre Fänge teilweise selbst und generieren so zusätzlichen Mehrwert.

Durch diese Maßnahmen haben die Grundschleppnetzfischer ihre Marktposition und ihre Kostenstruktur verbessern können. Zudem wurde in größerem Umfang in die Modernisierung investiert. Es ist zu erwarten, dass diese Fischerei auch in der näheren Zukunft wirtschaftlich erfolgreich ausgeübt werden kann.