Verringerung unerwünschter Fisch-Beifänge

Expertise

Schleppnetze fangen im Prinzip alle auf die gleiche Weise: Sie treiben die im Wasser schwimmenden und vor der herannahenden Gefahr fliehenden Fische so lange zusammen, bis sie sich erschöpft in das trichterförmige Netz fallen lassen. Am Ende sammeln sich die Fische im hintersten Netzteil, dem Steert oder Netzbeutel. An dieser Stelle versuchen die Tiere nicht mehr, den Kontakt mit dem Netz zu vermeiden, sie werden gefangen. Kleine Fische schlüpfen durch die Maschen, wenn diese groß genug sind. Die Maschengröße und -form wird häufig (aber keineswegs immer) an die gewünschte Größe der Zielart angepasst.

Bisherige Entwicklungsansätze konzentrierten sich darauf, die Selektion für eine Art, zum Beispiel für Dorsch in der Grundschleppnetzfischerei in der Ostsee zu verbessern. Dadurch war es kaum möglich, andere Fischarten wie Plattfische fern zu halten. Fast unvermeidlich werden sie mitgefangen.

Ein Hauptproblem hierbei: die sehr unterschiedlichen Körperformen. Mit ihnen verbinden sich entsprechend verschiedene Selektionseigenschaften der einzelnen Fischarten. Innovative Lösungen zur Arttrennung sind erforderlich. Wir können uns dafür das unterschiedliche Verhalten von Fischen zunutze machen: Dorsche zum Beispiel fliehen in der Regel nach oben, Plattfische nach unten. Werden ihnen spezifische Fluchtmöglichkeiten angeboten – zum Beispiel größere Maschen im Vornetz oder artspezifische Fluchtgitter – teilen sie sich entsprechend auf. Wie effizient solche Lösungen sind, hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die unerwünschten Fische und anderen Lebewesen diese Fluchtmöglichkeiten auch nutzen.

Wir haben Fische unter Wasser beobachtet, ihr Verhalten im Netz und die Eigenschaften des Netzes beim Fischen untersucht und die Erfahrungen genutzt, die Netzselektion zu verbessern. Ergebnis war "Freswind", ein Netz für den Dorschfang. Es erhielt den "Smart Gear"-Preis des WWF. Unser von den Medien stark beachtetes Video zeigt Entwicklingsschritte.