MSRL und der „gute Umweltzustand“

Hintergrund

Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie – kurz MSRL – ist ein europäisches Regelwerk zum Schutz der Meere. Übergeordnetes Ziel dieser 2008 in Kraft getretenen Richtlinie ist, den „guten Umweltzustand“ in den Meeren Europas zu erreichen. Aber was ist der gute Umweltzustand? Die Richtlinie gibt 11 Themenbereiche – die Deskriptoren – vor, die bei der Beurteilung des Umweltzustands zu berücksichtigen sind:

  • D1        Biologische Vielfalt        
  • D2        Nicht einheimische Arten    
  • D3        Fischerei     
  • D4        Stabilität der Nahrungsnetze      
  • D5        Eutrophierung der Meere     
  • D6        Integrität des Meeresgrundes     
  • D7        Hydrografische Bedingungen       
  • D8        Schadstoffe im Meer
  • D9        Schadstoffe in Meeresfrüchten für den menschlichen Verzehr   
  • D10      Müll im Meer
  • D11      Lärm- und Energieeinleitungen

Ein Verdienst der MSRL ist es, dass sie hier auch relativ neue Problemfelder wie Lärm und Müll im Meer anspricht. Die Nennung in der Liste der MSRL-Deskriptoren hat diese Themen stärker ins Blickfeld der europäischen Forschung gerückt.  

Eine weitere Vorgabe dieser Richtlinie ist der ökosystembasierte Ansatz und die integrierte Betrachtung der Ergebnisse. Damit ist gemeint, dass aus den verschiedenen Eingangsdaten im Idealfall eine einzige Antwort destilliert werden soll, die dann den Umweltzustand beschreibt. Im Unterschied zur verwandten  Wasserrahmenrichtlinie verzichtet die MSRL auf ein Klassensystem bei der Beschreibung des Zustands. Vielmehr konzentriert sie sich auf den Unterschied zwischen „gut“ und „nicht gut“. Das Verfahren zur Integrierten Bewertung bleibt weitgehend offen, aber das ist durchaus beabsichtigt. Das detaillierte Verfahren zu erarbeiten überlässt die MSRL den internationalen Meereschutz-Konventionen und den Staaten.  

Deutschlands Aufgabe ist es, eine Meeresstrategie für die Nord- und Ostsee zu entwickeln. Dafür gibt es einen konkreten Zeitplan, der Schritte  wie Angangsbewertung, Definition von Umweltzielen, Erstellen und Durchführung von Überwachungsprogrammen und Maßnahmenprogramme enthält.  Im Jahr 2020 schließlich soll der gute Umweltzustand erreicht sein. Thünen-Experten sind in diesen Prozess eng eingebunden. Sie erheben Daten, forschen, entwickeln Indikatoren, Schwellenwerte und Integrationskonzepte, diskutieren in Expertengremien über deren Umsetzung und erfüllen auf nationaler Ebene die zeitlich vorgegebenen Verpflichtungen für die Umsetzung der MSRL. Das ist eine große Aufgabe, die uns auch in den nächsten Jahren weiter fordern wird.

Auf dem Weg zur integrierten Bewertung

Wie macht man aus den vielen verschiedenen Überwachungsdaten die eine übergreifende Umweltbewertung? Die MSRL gibt zwar das Ziel vor – den „guten Umweltzustand in allen Meeren Europas bis 2020“ – und definiert einige Randbedingungen, aber den Weg der Daten-Integration lässt sie offen. Die Daten sinnvoll zusammenzuführen und in ein ökosystembasiertes integrierendes Konzept einzupassen, bleibt also nach wie vor eine Herausforderung.  

In internationalen Gruppen diskutieren führende Experten – auch aus dem Thünen-Institut – wie dies geschehen kann. Die meisten bisher entwickelten Strategien haben Schwellenwerte oder ähnliche Parameter, welche die Grenzen zum guten Umweltzustand beschreiben. Wir arbeiten daran, diese Schwellenwerte zu erstellen und belastbare Konzepte zu ihrer Ableitung zu entwickeln. Wir stellen Indikatoren auf den Prüfstand und hinterfragen kritisch ihre Eignung für den Integrationsprozess. Im Zweifelsfall entwickeln wir neue Indikatoren auf der Basis unserer Daten. Wir schlagen eigene, z.B. risikobasierte Integrationsstrategien für einzelne Bereiche vor.  

Konkret haben wir einen Fischkrankheiten-Index entwickelt, der verschiedene Krankheiten und Parasiten in Meeresfischen integriert. Wir haben neue Indikatoren im Bereich Fischbestände erarbeitet und bestehende auf den Prüfstand gestellt.

Thünen und die MSRL

Wir erarbeiten zusammen mit Kollegen aus Deutschland und anderen Ländern Europas die Bausteine für die MSRL. In unseren drei Instituten für Seefischerei, Ostseefischerei und Fischereiökologie sind wir kompetent für mehrere der 11 MSRL- Deskriptoren und für zahlreiche Unterthemen, den Indikatoren. Deshalb ist hier die Zusammenarbeit nicht nur mit externen Partnern, sondern auch zwischen den drei Fachinstituten sehr eng.

Zum Teil erheben wir seit über 20 Jahren entsprechende Monitoringdaten. Wir arbeiten aktiv mit an der Implementierung der MSRL in Deutschland. Daher sind unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Experten in nationalen und internationalen Gremien gefragt.

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