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  • Dr. Sarah Simons
Beteiligte Institute

Aufwand, Fang, Erlöse

Blick nach vorn

Schema des Modells FishRent (© Thünen-Institut/SF)

Wie wirken sich wechselnde wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Lage der Fischerei aus? Im Rückblick können wir das anhand betriebswirtschaftlicher Daten der deutschen Fischereiflotte bestimmen, die das Thünen Institut  im Rahmen des EU-Datenerhebungsprogrammes (DCF) erhebt. Diese Daten ermöglichen es darüber hinaus, zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Anhand der Logbuch-, Anlande- und VMS-(Vessel Monitoring System)Daten können wir Aufwand, Fang und Erlöse der Fischereiflotten und verschiedener Fanggebiete räumlich hochaufgelöst darstellen. In einem weiteren Schritt können wir diese Daten dazu nutzen, zukünftige Managementoptionen gegeneinander abzuwägen und sie zu evaluieren, wie es etwa im EU Projekt VECTORS oder in COEXIST durchgeführt wurde. In einem weiteren Schritt  integrieren wir biologische und ökonomische Komponenten eines Fischereisystems und modellieren die Flotten- und Fischbestandsdynamik sowie deren räumliches und zeitliches Zusammenspiel.

Wie sollen Managementpläne entwickelt und realisiert werden, die eine nachhaltige Fischerei sicherstellen?

Dazu wächst das Interesse an bio-ökonomischen Modellen zur Analyse des Fischereiverhaltens. Denn Auswirkungen alternativer Managementnaßnahmen auf den Fischbestand können nur abgeschätzt werden, wenn erfasst wird, wie Fischer womöglich  auf diese Maßnahmen sowie ökologische und ökonomische Veränderungen reagieren, die mitunter zeitgleich auftreten. FishRent ist ein solches Modell; es wurde innerhalb des Thünen Instituts um biologische Aspekte erweitert und gehört nun zu den am weitesten entwickelten Modellen für Evaluierungsprozesse des Fischereimanagements. Es ist ein Modellsystem, das

  • die Ökonomie mehrerer Flottensegmente
  • die Auswirkung von Fischerei auf die Bestandsentwicklung sowie
  • die räumliche und zeitliche Interaktion dieser beiden Komponenten berücksichtigt.

Das Modell bezieht darüber hinaus Treibstoff- und Fischpreise, Kosten und Fischereiverhalten (zum Beispiel die Aufwandsverteilung und das Investitionsverhalten einzelner Flottensegmente) ein. Das integrierte Populationsmodell berücksichtigt wichtige Aspekte der Bestandsdynamik.

Gewinner und Verlierer

Dass im Modell biologische und ökonomische Komponenten explizit und ausgeglichen repräsentiert sind, erlaubt nicht nur zu klären, wie sich ökologische Veränderungen auf den Fischbestand und den Fischereisektor bzw. verschiedenste Flottensegmente auswirken. Es erlaubt auch, Szenarien des Fischereimanagements auf ihre Effektivität hin zu bewerten.

Mit Blick auf den voranschreitenden Klimawandel wächst die Bedeutung solcher Themen für das Fischereimanagement. Zum Beispiel wurde das FishRent Modell angewendet, um die Folgen des geplanten Rückwurfverbots für Flotten und Fischbestände abzuschätzen. Ziel dieses Rückwurfverbots ist es, dass keine Fische mehr unnötig über Bord geworfen werden. Doch wer sind Gewinner und Verlierer eines solchen Verbots? Im Falle der Seelachsfischerei konnte gezeigt werden, dass durch das Vermeiden von Kabeljau-Beifängen und der resultierenden räumlichen und zeitlichen Aufwandsverschiebung sich der Kabeljaubestand erholt, jedoch die Laicherbiomasse des Seelachses sich langfristig reduziert. Die ökonomische Konsequenz des geringen Kabeljaufangs aufgrund von fehlenden Fangquoten sind bis zu 23%ige Verluste im Gewinn der Seelachsfischerei, verglichen zur heutigen Situation. Wer in Zukunft Gewinner oder Verlierer sein wird, hängt daher sehr stark von der Quotenausstattung der einzelnen Flottensegmente ab.