Bodenschutz: Gute fachliche Praxis

Dossier

Raupenschlepper und Scheibenegge auf einem Acker.
Mit Raupenschlepper und Scheibenegge lassen sich Agrarböden schonend bearbeiten. (© aid infodienst/P. Meyer)

Böden entstehen sehr langsam. Sie haben sich seit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren entwickelt. Auch heute noch bilden sich neue Böden, dennoch sollten wir sie als Ressource begreifen, die nicht vermehrbar und daher endlich ist.


Bis ein Bodenzentimeter entsteht, vergehen ungefähr 100 Jahre. Dagegen können starke Gewitterregen im Sommer und trockene Winde im Frühling an einem einzigen Tag viel Boden abtragen.

Die oberen Zentimeter sind für die Bodenlebewesen und für uns Menschen besonders wertvoll: Der dunkle Humus fühlt sich nicht nur gut an und riecht angenehm, sondern er enthält auch Nährstoffe und die Luft für die Wurzeln unserer Nahrungspflanzen. Humus fördert auch die Wasserhalte- und Aufnahmefähigkeit von Böden und beeinflusst damit großflächig den Wasserhaushalt von Landschaften. Gute fachliche Praxis bedeutet, diese fruchtbare Humusauflage zu pflegen und durch bodenschonendes Befahren und Düngen nachhaltig zu bewirtschaften. Dagegen besteht durch nicht angepasste Anbautechniken die Gefahr, dass der Boden irreversibel verdichtet und schleichend versauert – und so sinkt seine Produktivität.

Bodenverluste passieren oft unbemerkt. Der Verlust von einer Tonne Boden pro Hektar im Jahr entspricht gerade einmal 0,06 Millimeter Boden bezogen auf einen Hektar. So kann es zu einem schleichenden Verlust der fruchtbaren, oberen Krume unserer Böden kommen: schon Verluste von einer Tonne pro Hektar im Jahr können in 50 bis 100 Jahren nicht durch neuen Boden ausgeglichen werden. Eine Wiederherstellung beeinträchtigter Bodenfunktionen – also eine „Nachsorge“ – ist fast unmöglich.

Es gibt viele gute Gründe, warum das Bundes-Bodenschutzgesetz die Vorsorge besonders hervorhebt. Kurz: Gesunde Böden sind eine Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung. So vielfältig die Böden in Deutschland sind, genauso differenziert müssen auch  Konzepte für ihre Nutzung sein. Wie empfindlich sie auf bestimmte Beeinträchtigungen reagieren, ist je nach Boden, Region und Nutzung sehr unterschiedlich. Beeinträchtigungen können wir vermeiden – durch die von den Landwirtinnen und Landwirten angewendete gute fachliche Praxis. Unsere Aufgabe ist es, standortangepasste Nutzungskonzepte für Böden zu erarbeiten, die die Produktion von gesunden Nahrungsmitteln und Rohstoffen und zugleich ihren Schutz garantieren.

Die Grundsätze der guten fachlichen Praxis

  1. Standortangepasst bearbeiten
  2. Bodenstruktur erhalten oder verbessern
  3. Verdichtungen durch schlaues Befahren vermeiden
  4. Erosion durch Wasser und Wind durch Bodenbedeckung vermeiden
  5. Hecken und andere Strukturelemente erhalten
  6. Boden-Biodiversität durch Fruchtfolgen erhalten oder fördern
  7. Humus durch ausreichende Zufuhr an organischer Substanz oder durch reduzierte Bearbeitung erhalten
  8. Gewässer durch angemessene Abstände bei der Dünger- und Pflanzenschutzmittelanwendung schützen

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Brunotte J, Bach M, Brandhuber R, Breitschuh G, Bug J, Chappuis A von, Fröba N, Henke W, Honecker H, Höppner F, Mosimann T, Ortmeier B, Schmidt WA, Schrader S, Vorderbrügge T, Weyer T (2013) Gute Fachliche Praxis - Bodenbewirtschaftung und Bodenschutz. Bonn: AID, 116 p
  2. Duttmann R, Brunotte J, Bach M (2013) Evaluierung der schlaginternen Bodenbelastung durch Befahrung und Ableitung von Optimierungshilfen für den Praktiker. Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 63(2):171-190, DOI:10.3220/LBF_2013_171-190
    PDF Dokument 12208 KB
  3. Paulsen HM, Schrader S, Schnug E (2009) Eine kritische Analyse von Ruschs Theorien zur Bodenfruchtbarkeit als Grundlage für die Bodenbewirtschaftung im Ökologischen Landbau. Landbauforsch 59(3):253-268
    PDF Dokument 333 KB
  4. Capelle C van, Schrader S, Brunotte J (2012) Regenwurm & Co. - unverzichtbare Helfer in der Landwirtschaft : mit angepasster Bodenbearbeitung die biologische Vielfalt in Ackerböden erhalten und nutzen. Getreide Mag 17(6):30-33
  5. Duttmann R, Hassenpflug W, Bach M, Lungershausen U, Frank J-H (2012) Winderosion in Schleswig-Holstein : Kenntnisse und Erfahrungen über Bodenverwehungen und Windschutz. Flintbek: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, 110 p, SchrR Landesamt Landwirtsch Umwelt Ländl Räume SH 15