Institut für

Seefischerei

ICES-Fangempfehlungen: Was steckt dahinter?

Expertise

Jedes Jahr veröffentlicht der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) den wissenschaftlichen Ratschlag zum Zustand der Fischbestände im Nordostatlantik (ICES Advice) und schlägt nachhaltige Fangquoten für das nächste Jahr vor. Im Folgenden erläutern wir den Zustand der für deutsche Fischereien wichtigsten Fischbestände der Nordsee und des Nordostatlantiks und die darauf aufbauenden wissenschaftlichen Fangquoten-Empfehlungen.


Der Status vieler Fischbestände im Nordostatlantik und angrenzender Gebiete hat sich erfreulicherweise in den letzten Jahren verbessert. Durch das Absenken der Fangquoten und den daraus resultierenden Beschränkungen der Fischerei zeigt die Biomasse von vielen Beständen einen positiven Trend. Von 2003 bis 2016 nahm die Bestandsbiomasse im Nordostatlantik um durchschnittlich 39 % zu. Immer mehr Bestände werden nachhaltig nach dem Prinzip des maximalen Dauerertrages (MSY; Maximum Sustainable Yield) bewirtschaftet, auch wenn das MSY-Ziel nicht für alle Bestände erreicht ist.

2016 hatten 42 von 66 Beständen, für die entsprechende Referenzwerte vorliegen, das MSY-Kriterium erreicht. Dies entspricht 64 % der bewerteten Bestände, während es 2005 nur 24 % waren. Im Jahr 2020 sollen laut politischer Vorgaben alle Bestände nach dem MSY-Kriterium bewirtschaftet sein.

Die Erholung der Bestände hat auch positive ökonomische Effekte. So verzeichnete die EU-Fangflotte im Jahr 2016 Rekord-Nettogewinne in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Die Prognosen für 2018 sehen ebenfalls positiv aus.

Was bedeuten MSY und FMSY?

Unter dem maximalen Dauerertrag (englisch: Maximum Sustainable Yield, MSY) versteht man die optimale Fangmenge, die einem Fischbestand unter Ausschöpfung seines maximalen Wachstumspotenzials entnommen werden kann, ohne dass seine Fortpflanzungsfähigkeit in der Zukunft gefährdet ist.

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg 2002 sind die EU-Mitgliedstaaten, gemeinsam mit vielen anderen Ländern, die politische Verpflichtung für eine Bewirtschaftung ihrer Fischbestände auf Basis von MSY eingegangen und haben dieses Ziel in der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) verankert. Ein Hauptziel der GFP ist es, bis 2020 alle Bestände mit Fangbeschränkungen so zu bewirtschaften, dass sie den maximalen Dauerertrag liefern können. FMSY bezeichnet dabei die optimale Fischereiintensität, die den maximalen Dauerertrag ermöglicht. Werden Bestände über FMSY befischt, so wird ihr Wachstumspotenzial nicht mehr optimal ausgeschöpft und die Fischereien verlieren langfristig Ertrag.

Eine Gefährdung des Bestandes tritt aber erst ein, wenn über einen längeren Zeitraum mehr Fische entnommen werden als nachwachsen und eine kritische Elternbestands-Biomasse unterschritten wird, unterhalb derer das Risiko einer verminderten Nachwuchsproduktion rapide steigt. Der Bestand befindet sich dann außerhalb sicherer biologischer Grenzen.

Somit ist eine Überfischung in Bezug auf den maximalen Dauerertrag (Verlust an Ertrag) von einer Überfischung in Bezug auf sichere biologische Grenzen (verminderte Nachwuchsproduktion) zu unterscheiden.

Was ist die fischereiliche Sterblichkeit?

Die fischereiliche Sterblichkeit ist ein Maß für die Menge an Fisch oder anderen Meerestieren, die über einen bestimmten Zeitraum durch Fang vom fischereilich nutzbaren Anteil eines Bestandes entnommen wird.

Erläuterungen zu den einzelnen Empfehlungen

Kabeljau Nordsee

Kabeljau (© Thünen-Institut)

Für diesen Bestand nimmt die fischereiliche Sterblichkeit seit 2000 ab, ist aber immer noch über dem Referenzwert FMSY und in 2017 wieder leicht angestiegen. In den letzten Jahren hat sich die Laicherbestands-Biomasse etwas erholt und war 2018 über dem unteren Bestandslimit (Blim), aber außerhalb sicherer biologischer Grenzen (unter Berücksichtigung der Unsicherheiten in den Assessments).

Die Erholung beschränkt sich jedoch fast ausschließlich auf den nördlichen Bereich der Nordsee. Im südlichen Teil ist der Bestand auf einem sehr niedrigen Niveau mit Anzeichen einer weiteren Abnahme. Klimatische Veränderungen spielen hier neben der Fischerei eine Rolle, da die Nordsee die südliche Grenze des Verbreitungsgebietes von Kabeljau darstellt. Wissenschaftliche Studien lassen außerdem vermuten, dass eine Wiederbesiedlung der südlichen Gebiete durch Kabeljau aus dem Norden unwahrscheinlich ist, da Kabeljau meist zu seinen angestammten Laichgebieten zurückkehrt. Insgesamt ist die Produktivität des Nordseebestandes nach 1998 niedrig im Vergleich zu früheren Jahren. Nach einem etwas stärkeren Jahrgang 2016, wird für den Jahrgang 2017 der niedrigste Wert seit Beginn der Zeitserie berechnet. Informationen aus dem Sommersurvey 2018 müssen jedoch abgewartet werden, um dies zu bestätigen.

Basierend auf dem MSY-Ansatz empfiehlt der ICES eine Höchstfangmenge von 28.204 Tonnen für 2019. Die erlaubte Höchstfangmenge 2018 lag bei 52.844 Tonnen. Dies entspricht einer drastischen Reduzierung um 47 Prozent. Die Gründe dafür liegen zum einen in einer deutlich negativeren Einschätzung der aktuellen Bestandgröße. Insbesondere ältere Tiere wurden in den letzten Surveys deutlich weniger gefangen als zu erwarten war. Zum anderen muss bei einem Bestand außerhalb sicherer biologischer Grenzen die fischereiliche Sterblichkeit unter FMSY abgesenkt werden. Die resultierende niedrige fischereiliche Sterblichkeit kann nur durch drastische Quotenkürzungen innerhalb eines Jahres erreicht werden. Die sehr niedrige Nachwuchsproduktion im Jahr 2017 führt dann zusätzlich zu einer niedrigen Fangempfehlung.

Die Erläuterung zum Kabeljau in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Alexander Kempf

Seelachs Nordsee

Seelachs (© Thünen-Institut)

Der Bestand ist innerhalb sicherer biologischer Grenzen und wird seit 2013 unterhalb von FMSY befischt. Die Produktivität des Bestandes ist dennoch in den letzten 10 Jahren etwas geringer als in den Jahrzenten davor, was ungünstige Umwelteinflüsse vermuten lässt.

Der ICES empfiehlt für 2019 eine Höchstfangmenge von 135.035 Tonnen. Bezogen auf die erlaubte Höchstfangmenge in 2018, entspricht dies einer Erhöhung von 16,4 %. Insbesondere positive Signale aus dem wissenschaftlichen Survey sind für die Anhebung der Fangempfehlung verantwortlich. Die Informationen von den Fischereiflotten lassen einen geringeren Anstieg im Bestand vermuten, sind aber auch schwerer zu interpretieren, da hier stabilere Fänge aufgrund der gezielten Befischung zu erwarten sind und auch ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle spielen.

Da der wissenschaftliche Survey nicht gezielt auf Seelachs ausgerichtet ist, gilt das Assessment als unsicher. Alternativen fehlen aber momentan. Um die Unsicherheiten in Zukunft zu verringern, testen Norwegen und Deutschland gerade ein neues Survey-Design, das speziell auf Seelachs ausgerichtet ist.

Die Erläuterung zum Nordsee-Seelachs als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Alexander Kempf

Scholle Nordsee

Scholle (© Thünen-Institut)

Bedingt durch eine kontinuierliche Abnahme im Fischeraufwand der Hauptfangflotten für Plattfische seit Anfang der 2000er Jahre ist auch die fischereiliche Sterblichkeit (F) für Scholle in den letzten Jahren stetig gesunken. Seit 2009 liegt sie knapp um den Referenzwert FMSY. Während die ermittelte Rekrutierung seit Mitte der 1990er durchschnittlich ausfällt, ist die Laicherbiomasse der Scholle deutlich angestiegen und erreichte in den letzten Jahren die höchsten Werte seit Aufzeichnung der Daten.

Die Fangempfehlung des ICES nach dem MSY-Konzept beträgt für das Jahr 2019 für Scholle aus der Nordsee und dem Skagerrak zusammen (seit 2016 kombinierte Fangempfehlung für beide Gebiete) 142.217 Tonnen. Sie liegt damit knapp unter der Vorjahresempfehlung von 142.481 Tonnen (-0,19 Prozent). Allerdings lag der Gesamtfang in den beiden Vorjahren deutlich unter der empfohlenen Höchstfangmenge.

Eine leichte Absenkung der erlaubten Höchstfangmenge ist notwendig, wenn man den Bestand basierend auf den Vorhersagen weiterhin mit FMSY befischen möchte. Allerdings sieht man eine Tendenz zu einem niedrigeren Gewicht der Einzeltiere, was auf eine Nahrungslimitation hindeuten könnte.

Sollte sich das bestätigen, müsste der Referenzwert für FMSY überarbeitet werden, da der Bestand in diesem Fall trotz Bewirtschaftung auf FMSY-Niveau nicht seine maximale Produktivität entfaltet. Noch ist jedoch nicht abschließend geklärt, ob der Rückgang im mittleren Gewicht durch natürliche Schwankungen hervorgerufen wird oder aber anzeigt, dass Nahrungslimitation durch den hohen Bestand auftritt. Dies ist ein zentraler Punkt, der die Wissenschaft momentan beschäftigt, um das Management basierend auf dem MSY-Ansatz zu optimieren.

Die Erläuterung zur Scholle in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Holger Haslob

Seezunge Nordsee

Seezunge (© Thünen-Institut)

Die Laicherbestandsbiomasse der Seezunge in der Nordsee steigt seit 2007 an und liegt seit 2012 innerhalb sicherer biologischer Grenzen. Die fischereiliche Sterblichkeit (F) ist seit 1997 kontinuierlich gesunken und lag in 2016 und 2017 nur leicht über dem Referenzwert von FMSY. Die ermittelte Rekrutierung liegt seit Anfang der 1990er Jahre ohne erkennbaren Trend unter dem langjährigen Mittel.

Basierend auf dem gerade verabschiedeten EU-Management-Plan für die gemischten demersalen Fischereien der Nordsee berechnet der ICES Fangmengen im Bereich zwischen 7.451 und 21.644 Tonnen für 2019 in der Nordsee als konform nach dem Vorsorgeprinzip. Die auf FMSY bezogene empfohlene Höchstfangmenge liegt für 2019 bei 12.801 Tonnen. Die Vorjahresempfehlung lag basierend auf FMSY bei 15.726 Tonnen. Somit stellt die neue Fangempfehlung basierend auf FMSY eine Reduzierung um 18,6 Prozent dar. Grund für die niedrigere Fangempfehlung – wenn der Bestand weiterhin mit FMSY befischt werden soll – ist eine niedrige Produktivität in den letzten Jahren und eine moderat niedrigere Einschätzung des aktuellen Bestandes im Vergleich zu den Bestandsberechnungen vor einem Jahr.

Die Erläuterung zur Seezunge in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Holger Haslob

Hering Nordsee

Hering (© Thünen-Institut)

Die Laicherbestandsbiomasse des Nordseeherings schwankt seit Ende der 1990er Jahre zwischen 1,5 und 2,6 Millionen Tonnen. Ein starker Rückgang des Laicherbestandes Mitte der 1990er Jahre führte zu drastischen Fangbeschränkungen. Zusätzlich wurde ein Managementplan entwickelt und eingeführt. Im Ergebnis erholte sich der Bestand nachhaltig. Seit 1996 liegt die Laicherbestandsbiomasse innerhalb biologisch sicherer Grenzen und die fischereiliche Sterblichkeit beständig unterhalb von FMSY.

Trotz der guten Bestandsstärke ist das Aufkommen an Heringsnachwuchs seit 2003 nur unterdurchschnittlich. Einzig 2013 brachte einen stärkeren Nachwuchsjahrgang hervor. Aus Heringslarvenfängen auf den Laichplätzen ist ersichtlich, dass nach wie vor ausreichend Larven schlüpfen. Diese erreichen jedoch zumeist nicht das Jungheringsstadium. Die Gründe hierfür sind nicht abschließend geklärt. Die letzten wirklich starken Jahrgänge datieren aus den Jahren 1998 und 2000. Trotzdem reicht die schwache Nachwuchsproduktion (bei dem gegenwärtigen relativ geringen Fischereidruck) aus, um den Bestand bislang innerhalb sicherer biologischer Grenzen zu halten.

Die Referenzwerte für den Bestand änderten sich 2018 infolge neuer Abschätzungen zur natürlichen Sterblichkeit (FMSY (2-6) = 0.26). Basierend auf dem ICES-MSY-Ansatz ergibt sich eine Fangempfehlung von 311.572 Tonnen für 2019 (-39.8 % gegenüber der empfohlenen Höchstfangmenge für 2018). Da vorhergesagt wird, dass der Bestand unter MSY Btrigger sinkt, muss laut ICES-MSY-Ansatz die fischereiliche Sterblichkeit unter FMSY reduziert werden. Gegenwärtig besteht keine Übereinkunft zwischen der EU und Norwegen zur Anwendung des Managementplans. Die notwendigen Verhandlungen dazu finden erst im Laufe des Jahres statt.

Neben der Fischerei zur Humanernährung (A-Flotte) existiert in der Nordsee auch eine Industriefischerei zur Erzeugung von Fischmehlen und -ölen (B-Flotte). Da hier vornehmlich Jungheringe als Beifang auftreten, wird dieses Flottensegment mit einer eigenen Höchstmengenbegrenzung für Heringsbeifang versehen (2019 voraussichtlich 20.532 t). Außerdem vermischen sich vor der südlichen norwegischen Küste, im Skagerrak/Kattegat und in der westlichen Ostsee Heringsbestände aus Nord- und Ostsee und werden gemeinsam gefangen. In den entsprechenden Gebieten werden deshalb die jeweiligen Segmente (C, D, F) ebenfalls mit separaten Höchstfangmengen an Nordsee- und Ostseehering belegt, um einer Übernutzung einzelner Bestandskomponenten vorzubeugen. Da für Hering aus der westlichen Ostsee, Skagerrak und Kattegat ein Fangverbot empfohlen wird, sind auch die entsprechenden Fanganteile der Flotten auf Null gesetzt worden. Die eben beschriebenen Fanganteile an Nordseehering sind keine Extra-Quoten, sondern sind Teilquoten der erlaubten Höchstfangmenge.

Neben den Fangdaten und den biologischen Beprobungen aus der Fischerei werden bei den Bestandberechnungen auch verschiedene Zeitserien aus wissenschaftlichen Forschungsreisen verwendet (Heringslarven-Survey, Jungheringsaufkommen, Bodentrawl-Fänge). Dazu kommen akustische Messungen zur Anzahl und Stärke der Heringsschwärme. Damit ist die Menge und Qualität an Eingangsdaten im Vergleich zu vielen anderen Beständen sehr gut.

Die Erläuterung zum Hering in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Norbert Rohlf

Makrele Nordostatlantik

Makrele (© Thünen-Institut)

Die Biomasse des Laicherbestandes der nordostatlantischen Makrele ist seit den 2000er Jahren substantiell bis zu einem Maximum 2011 gestiegen, nimmt aber seitdem ab. 2018 ist das erste Jahr seit 2007, bei dem der Bestand unter MSY Btrigger eingeschätzt wird. Die fischereiliche Sterblichkeit ist seit Mitte der 2000er Jahre zurückgegangen, ist aber beständig höher als FMSY. Seit den frühen 2000er Jahren haben sich einige große Jahresklassen entwickelt, aber der 2015er und 2016er Jahrgang scheint unterdurchschnittlich. Als Resultat der gestiegenen Biomasse und klimatischer Veränderungen hatte sich der Bestand seit Ende der 2000er Jahre insbesondere während der weiten Fresswanderungen im Sommer stark in nordwestlicher Richtung ausgedehnt.

Für die Bestandsabschätzung wird ein altersbasiertes Modell angewendet. Dieses verwendet – neben den kommerziellen Daten – den alle drei Jahre stattfindenden Makreleneiersurvey, der auf die Laichansammlungen abzielt und seit mehreren Jahren auch einen nordischen „Swept area“ Survey, der den Bestand während der Fresswanderung erfasst. Außerdem wird der internationale Bodentrawl-Survey (IBTS) im 4. Quartal und 1. Quartal zur Abschätzung der Nachwuchssituation verwendet. Norwegische Markierungsdaten, bei denen über die Wiederfangraten die Bestandsgröße abgeschätzt wird, konnten ebenfalls in das Assessment integriert werden.

Die ICES-Empfehlung 2018 für die maximale Fangmenge 2019 lautet 318.400 Tonnen (Oktober 2018). Im Jahr zuvor betrug sie noch 551.000 Tonnen, was einer Reduzierung von 43 % entspricht. Das Assessment durchlief 2017 einen Benchmark-Prozess. Dabei wurden insbesondere die Berechnungen für die Survey-Indices auf den neuesten Stand gebracht und eine neue Zeitserie von Markierungsdaten, die auch die neuesten Jahre berücksichtigt, in die Berechnungen eingebracht. Dies führte dazu, dass die Bestandsentwicklung anders als zuvor eingeschätzt wird – die Laicherbiomasse der letzten Jahre auf niedrigerem Niveau bei einer höheren fischereilichen Sterblichkeit. Diese neue Einschätzung der Bestandsentwicklung und die angestrebte Absenkung der fischereilichen Sterblichkeit auf FMSY führten dazu, dass die Empfehlung für den Gesamtfang deutlich abnahm.

Nach dem Benchmark-Prozess besteht immer noch eine gewisse Unsicherheit in der Berechnung. Dies liegt zum einen an der Kürze einiger der verwendeten Zeitreihen und zum anderen an einigen widersprüchlichen Signalen von den verschiedenen im Assessment verwendeten Zeitserien. Insbesondere die Markierungsdaten beeinflussen das Ergebnis der Bestandsberechnungen erheblich. Ein aktuell initiierter Interbenchmark-Prozess wird diese bestehenden Unsicherheiten untersuchen.

Die Erläuterung zur Makrele im Nordostatlantik als PDF zum Download

Ansprechpartner: Jens Ulleweit

Kabeljau Nordostarktis

Kabeljau (© Thünen-Institut)

Dieser Bestand befindet sich derzeit in einem guten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse befindet sich seit 2002 innerhalb sicherer biologischer Grenzen (> MSY Btrigger) und erreichte 2013 ihren historischen Höchststand. Seitdem hat die Biomasse abgenommen, der Bestand wird aber weiterhin nachhaltig befischt, die fischereiliche Sterblichkeit (F) liegt seit 2008 unter dem Referenzwert FMSY.

Die Fangempfehlung des ICES von nicht mehr als 674.678 Tonnen in 2019 ist niedriger als die empfohlene Höchsfangmenge für 2017 von 712.000 Tonnen und basiert auf dem neuen Managementplan des JRNFC (Joint Norwegian-Russian Fishery Commission) von 2016 (ICES 2016). Die Absenkung der Höchstfangmenge trägt dem Abwärtstrend in der Laicherbestandsbiomasse Rechnung, auch in Anbetracht der Tatsache, dass seit den Jahrgängen von 2004 und 2005 kein starker Jahrgang mehr produziert wurde. Die empfohlene Fangmenge entspricht einem F von 0.46, welches über dem FMSY von 0.40 liegt. Laut Managementplan wird eine Befischung über FMSY angestrebt, wenn der Bestand mehr als doppelt so hoch ist als der Referenzwert Bpa (ab Bpa ist der Bestand innerhalb sicherer biologischer Grenzen) um z.B. negative Auswirkungen eines großen Kabeljaubestandes auf Beutebestände abzumildern. Die 674.678 Tonnen stellen einen Mittelwert an erlaubten Fängen über eine 3-Jahresprognose dar, wenn der Bestand – wie vorhergesagt – weiter abnimmt.

Die Erläuterung zum Kabeljau in der Nordostarktis als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Matthias Bernreuther

Rotbarsch Grönland/Irmingersee

Rotbarsch (© Thünen-Institut)

Die deutsche Flotte fischt Rotbarsch hauptsächlich am Grönlandschelf und in der Irmingersee. Dort kommen zwei Rotbarscharten, der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (S. norvegicus, ehemals S. marinus), in mehreren Beständen vor. Der Zustand dieser Bestände ist unterschiedlich. Am Ostgrönlandschelf werden außerdem die beiden Arten gemeinsam gefangen. Eine Unterscheidung zwischen S. norvegicus und S. mentella ist oft schwierig, so dass es zu Fehlmeldungen zwischen den gemeinsam vorkommenden Arten kommt bzw. beide Arten zusammen als „Rotbarsch“ gemeldet werden.

Der S. norvegicus-Bestand am Ostgrönlandschelf gehört zu dem größtenteils am Islandschelf vorkommenden Bestand und ist in einem guten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse befindet sich seit 2008 innerhalb sicherer biologischer Grenzen und wird seit 2010 annähernd nach dem MSY-Prinzip befischt, da die fischereiliche Sterblichkeit meist leicht über dem FMSY-Wert von 0.097 lag. Die Fangempfehlung des ICES von nicht mehr als 43.600 Tonnen für 2019 ist niedriger als die erlaubte Höchstfangmenge für 2018 von 50.800 Tonnen und basiert auf dem grönländisch-isländischen Managementplan für S. norvegicus. Durch diese Absenkung wird der Bestand laut Vorhersagen in 2019 gemäß FMSY befischt. Sorge bereitet die Rekrutierung von Jungfischen in den Elternbestand, da diese seit 2011 gering ausgefallen ist.

Der genaue Zustand des am Grönlandschelf vorkommenden S. mentella-Bestandes kann nicht genau eingeschätzt werden. Der Bestand hat seit 2010 abgenommen, und sich in den letzten 6 Jahren nicht verbessert. Die Empfehlung des ICES von nicht mehr als 914 Tonnen für 2019 fällt deshalb etwas niedriger als die Empfehlung für 2018 von 1.140 Tonnen aus. Ob die Fänge die empfohlene Höchstfangmenge in den vergangenen Jahren jeweils übertroffen haben, ist schwierig einzuschätzen, da bis 2017 eine gemeinsame Quote für die beiden Rotbarscharten am Grönlandschelf ausgegeben wurde und aufgrund der Artentrennungsproblematik eine genaue Einschätzung schwierig ist.

In der benachbarten Irmingersee kommen zwei weitere S. mentella-Bestände vor, die mit pelagischen Schleppnetzen gefangen werden. Diese beiden Bestände haben so stark abgenommen, dass der ICES empfahl, 2017 und 2018 keine Fänge zu tätigen. Der Zustand des flachen Bestandes (< 500 m Wassertiefe) kann nicht genau eingeschätzt werden, allerdings hat dieser Bestand gemäß einem wissenschaftlichen Survey-Index so stark abgenommen, dass er derzeit weniger als 5 % der ursprünglichen Bestandsgröße beträgt. Der tiefe Bestand (> 500 m Wassertiefe) weist eine verminderte Reproduktionsfähigkeit auf und wurde in den letzten Jahren mit einer fischereilichen Sterblichkeit von deutlich über FMSY befischt. Die Fangempfehlungen des ICES zu diesen beiden Beständen wurden in den vergangenen Jahren deutlich überschritten.

Die Erläuterung zum Rotbarsch Grönland/Irmingersee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Christoph Stransky

Rotbarsch Norwegensee/Barentssee

Rotbarsch (© Thünen-Institut)

Am norwegischen Schelf, in der Norwegensee und in der Barentssee sind ebenfalls die zwei Rotbarscharten von kommerzieller Bedeutung anzutreffen: der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (Sebastes norvegicus, ursprünglich Sebastes marinus).

Der Sebastes mentella-Bestand befindet sich derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem guten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse hat zwischen 1992 und 2005 stetig zugenommen und sich seitdem auf hohem Niveau stabilisiert. Die fischereiliche Sterblichkeit (F) ist seit 1997 relativ niedrig (F = 0.01 – 0.06), und seit 2006 werden wieder starke Nachwuchsjahrgänge beobachtet. Gemäß dem Vorsorgeansatz empfiehlt der ICES eine Höchstfangmenge von nicht mehr als 53.757 Tonnen für 2019 und 55.860 Tonnen für 2020. Diese Empfehlung liegt damit deutlich über der erlaubten Höchstfangmenge für 2018 von ≤ 32.658Tonnen.

Seit 2004 hat sich in der Norwegensee eine pelagische Fischerei auf diesen Bestand außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Norwegens entwickelt, die von der North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC) gemanagt wird. Da es kein internationales Abkommen über das Aufteilen der Höchstfangmenge zwischen den fischenden Nationen und zwischen nationalen und internationalen Gewässern gibt, lagen die Fänge 2016 und 2017 etwas über der erlaubten Höchstfangmenge. Es wird erwartet, dass dies auch in den nächsten Jahren der Fall sein könnte.

Der am norwegischen Schelf und in der Barentssee vorkommende Goldbarschbestand (S. norvegicus) befindet sich derzeit in einem schlechten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse hat seit den späten 1990er Jahren kontinuierlich abgenommen und befindet sich auf dem niedrigsten Stand in der Zeitserie der Bestandsabschätzungs-Ergebnisse. Daher empfiehlt der ICES, keine Fänge für die Jahre 2019 und 2020 zu tätigen. Zusätzlich empfiehlt er, die Beifänge an Goldbarsch in anderen Fischereien im gleichen Gebiet, wie z.B. auf Kabeljau und Seelachs, möglichst gering zu halten. Dennoch wurden in den letzten Jahren 3.000 bis 6.000 Tonnen jährlich gefangen.

Die Erläuterung zum Rotbarsch in der Norwegensee/Barentssee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Christoph Stransky

Kabeljau Grönland

Kabeljau (© Thünen-Institut)

Der Kabeljaubestands-Komplex vor Grönland gliedert sich nach gegenwärtigem Erkenntnisstand in drei Untereinheiten mit deutlichen ökologischen Unterschieden. Der inshore-Bestand lebt in den ausgedehnten Fjordsystemen der Westküste Grönlands, der offshore-Bestand gliedert sich in einen westlichen (West-Grönland) und einen östlichen (Südwest-Grönland bis Island). Der östliche Bestand steht in einem Austausch mit dem Kabeljaubestand vor Island. Historisch war die Hochzeit der Kabeljaufischerei vor Grönland mit einem sehr großen westlichen offshore-Bestand verbunden, während die Erholung seit 2000 auf ein Erstarken der östlichen offshore-Komponente zurückzuführen ist. Insgesamt vermischen sich die Bestände während der unterschiedlichen Lebensstadien. Daher können die Fänge nicht immer eindeutig zugeordnet werden.

Nach dem Zusammenbruch der Bestände Anfang 1990 erfolgte eine 10-jährige Periode mit sehr geringer Populationsdichte. Der Aufwärtstrend nach 2000 ist von erheblichen Schwankungen betroffen. Nach einem Moratorium bis 2005 wurde 2006 die Fischerei wieder eingeführt.

Obgleich die Surveytrends der letzten Jahre für den östlichen und südwestlichen offshore-Bestand rückläufig sind, wurde die Fangempfehlung für 2018 aufgrund eines neu gerechneten Assessmentmodelles nach oben korrigiert, womit sich das Assessment von 'datenarm' zu einem Kategorie 1 analytischem Assessment verändert hat. Damit änderte sich auch die Basis der Fangempfehlungen grundlegend. Ebenso wird der Bestand nun als innerhalb sicherer Grenzen eingestuft. Die fischereiliche Sterblichkeit liegt laut neuem Assessment seit 25 Jahren unterhalb von FMSY. Die Fangempfehlung für 2018 wurde neu festgesetzt auf 12.151 Tonnen (vorher 6.344 Tonnen), die entsprechende Empfehlung für 2019 ist 5.363 Tonnen und spiegelt den abnehmenden Trend der letzten Jahre im Bestand wider. In den letzten Jahren lagen die festgelegten Höchstfangmengen immer deutlich über den ICES-Fangempfehlungen.

Die Einschätzung für den westgrönländischen offshore-Bestand ist, dass er sich im historischen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau befindet und deshalb keine Fänge getätigt werden sollten. Es wird vermutet, dass der Anstieg in den Survey-Indices bis 2015 teilweise durch Juvenile von anderen Beständen in der Umgebung verursacht wurde. Der grönländische Index für 2016 zeigt wieder einen deutlichen Einbruch.

Der westgrönländische inshore-Bestand zeigt einen ansteigenden Trend im letzten Jahrzehnt und erreichte ein Hoch in 2015. Seitdem nimmt der Bestand aufgrund einer niedrigeren Produktivität (im Vergleich zum Jahrzehnt davor) wieder ab. Gleichwohl wurden die Fangempfehlungen aufgrund eines neu gerechneten Assessmentmodelles nach unten korrigiert. Die Fangempfehlung für 2018 betragen 8.858 Tonnen (vorher 13.952 Tonnen) und 6.806 Tonnen für 2019. Der Bestand gilt als innerhalb sicherer biologischer Grenzen, aber die fischereiliche Sterblichkeit liegt deutlich über FMSY. Um FMSY bei abnehmendem Bestand zu erreichen, sind Einschnitte in der empfohlenen Fangmenge erforderlich. Die offiziellen Fänge der letzten Jahre lagen deutlich höher als die ICES-Fangempfehlungen. Eine Vermischung unterschiedlicher Bestände in den Fanggebieten erschweren das Assessment und das Management zusätzlich.

Die Erläuterung für den Kabeljau vor Grönland als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Heino Fock

Schwarzer Heilbutt (Ostgrönland, Island, Färöer, westlich von Schottland)

Schwarzer Heilbutt (© Thünen-Institut)

Für den Schwarzen Heilbutt als Tiefenbestand liegt für das große Assessment-Gebiet von den Färöern, Island und Ost-Grönland kein einheitlicher wissenschaftlicher Survey vor. Entsprechend wird die Bestandsdynamik neben einem kombinierten Surveyindex zu einem größeren Teil aus kommerziellen Daten abgeschätzt, wobei die Ergebnisse von der Gewichtung der einzelnen Eingangsparameter abhängig sind.

Ein analytisches Assessment liegt vor, es weist jedoch größere Unsicherheiten auf. Der Trend zeigt eine stetige Erholung seit 2005, nachdem die Bestandsdichte 1994-1996 stark eingebrochen war und zwischenzeitlich den MSY-Btrigger-Wert erreicht hatte. Nach ICES-Empfehlungen für 2019 sollte die Jahresfangmenge 24.150 Tonnen nicht übersteigen. Dies entspricht nahezu einer unveränderten Empfehlung im Vergleich zum Vorjahr. Biomasse und Reproduktionspotenzial des Bestandes liegen oberhalb der Referenzwerte, die fischereiliche Sterblichkeit liegt etwas oberhalb von FMSY.

Die Erläuterung zum Schwarzen Heilbutt als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Heino Fock