MinimA - Viertelselektives Trockenstellen von Milchkühen

Projekt

Thünen-Institut/OL (c)

MinimA-Nachhaltige Minimierung des Antibiotikaeinsatzes durch viertelselektive Trockenstellbehandlung bei Milchkühen

Die Erhaltung der Therapiefähigkeit von Antibiotika in der Human- wie der Veterinärmedizin erfordert ihren strikt am Bedarf orientierten Einsatz. In unserem Projekt wenden wir diesen Grundsatz beim Trockenstellen von Milchkühen auf Praxisbetrieben an.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Erhaltung der Therapiefähigkeit von Antibiotika in der Human- wie der Veterinärmedizin erfordert ihren strikt am Bedarf orientierten Einsatz. In der Milchproduktion werden in der Trockenperiode antibiotikahaltige Medikamente eingesetzt, um Eutererkrankungen auszuheilen und Neuinfektionen zu verhindern. Das wissenschaftliche Arbeitsziel des Vorhabens besteht in der Erprobung einer konsequent am Nachweis von euterpathogenen Erregern orientierten Trockenstellbehandlung unter Praxisbedingungen, um den Antibiotikaeinsatz auf ein Mindestmaß zu reduzieren ohne die Tiergesundheit nachteilig zu beeinträchtigen. Es ist zu prüfen ob – die auf den beiden Versuchsstationen gemachten Beobachtungen – sich unter Praxisbedingungen bestätigen. Dabei sind insbesondere die folgenden Fragestellungen zu klären:

  • Kann die viertelselektive Anwendung anbiotikahaltiger Trockenstellpräparate empfohlen werden ohne das Risiko für Neuinfektionen bei solchen Kühen, bei denen nur in einem Teil der Euterviertel eutherpathogene Keime nachgewiesen wurden, zu erhöhen?
  • Bestehen Herdeneffekte, die den Erfolg des Verfahrens beeinflussen? Lassen sich diese beschreiben und ihre Auswirkungen quantifizieren?
  • In welchem Maße lässt sich der Einsatz der antibiotikahaltigen Trockenstellpräparate in den untersuchten Herden reduzieren?
  • Wie ist die Praxistauglichkeit des Verfahrens zu beurteilen? Welche Fehlerquellen und Hindernisse sind zu berücksichtigen, wenn das Verfahren in der breiten Praxis empfohlen werden soll?

Vorgehensweise

Entscheidungsbäume, welche die zu behandelnden Tiere aufgrund der Ergebnisse der Milchleistungskontrollen kombiniert mit einem Schnelltest auswählen, werden zwar zunehmend genutzt, beruhen allerdings oft auf Entzündungsparametern und nicht auf dem direkten Nachweis pathogener Keime. MinimA verfolgt einen anderen, konsequent auf den Erregernachweis orientierten Ansatz: nur infizierte Euterviertel der Kuh werden unter Antibiotikaschutz trocken gestellt. Alle anderen Viertel erhalten einen internen Zitzenversiegler, um Neuinfektionen zu verhindern. Dieses Vorgehen wurde bereits erfolgreich auf Versuchsbetrieben getestet und wird nun auf seine Praxistauglichkeit geprüft. Dies geschieht in einem Praxisnetzwerk von Milchviehbetrieben in Abstimmung mit den betreuenden Hoftierärzt*innen. Nach Abklärung des Infektionsstatus der Herden stellen die Betriebe die Euterviertel ihrer Kühe entsprechend des Erregernachweises trocken. Der Behandlungserfolg wird nach der Kalbung überprüft. In Workshops, die dem Stable School-Prinzip folgen, tauschen sich die Projektbetriebe über das Verfahren aus und melden in Feedback-Gesprächen den Wissenschaftler*innen direkt ihre Erfahrungen und Anregungen zurück. Basierend auf diesem wechselseitigen Wissenstransfer und den Versuchsergebnissen wird ein Handlungsleitfaden erstellt, der am Projektende frei zugänglich ist und es anderen Milchproduktionsbetrieben ermöglichen soll, das Verfahren bei ihren Kühen anzuwenden.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

9.2020 - 2.2023

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2819MDT211
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 0