Institut für

Ostseefischerei

N20-Rekrutierungsindex aus dem Rügen-Heringslarvensurvey

Stark vergrößerte Heringslarven unterschiedlicher Entwicklungsstadien.
Stark vergrößerte Herings-
larven unterschiedlicher Entwicklungsstadien. (© Thünen-Institut/D. Stephan)

Die bedeutendsten Laichgründe des frühjahrslaichenden Herings der westlichen Ostsee sind rund um die Insel Rügen zu finden, mit dem Greifswalder Bodden als dem Zentrum der Reproduktion. Aus dem Larvenaufkommens in diesem Gebiet kann daher die Entwicklung dieses wichtigen Heringsbestandes vorhergesagt werden, und das schon viele Jahre bevor die Jahrgänge in die Fischerei „einwachsen“. Das Thünen-Institut für Ostseefischerei bzw. seine Vorgänger untersuchen seit 1977 jährlich im Rahmen des Rügen-Heringslarvensurveys (RHLS) die räumliche und zeitliche Verteilung der Heringslarven im Greifswalder Bodden. Seit damals wurde sowohl die Messtechnik als auch das Monitoring-Design weiterentwickelt, sodass die für die Bestandsberechnung verwendete Zeitreihe heute bis zum Jahr 1992 zurückreicht. Während der gesamten Laichzeit, also von Anfang März bis Ende Juni, werden 36 Stationen im Strelasund/Greifswalder Bodden in wöchentlichen Abständen beprobt. Die Heringslarven werden dabei quantitativ mit Plankton-Bongonetzen gefangen. Das Bongonetz ist eine Standardmethode zur Erfassung von Zooplankton und besteht aus zwei parallel gezogenen Netzen, befestigt an einem Doppelrahmen. Zur Erfassung der Heringslarven unterschiedlicher Größenklassen werden im Bongonetz des RHLS unterschiedliche Maschenweiten (335 und 780 µm) verwendet. Über die Larvenbeprobung hinaus werden hydrographische Parameter wie Wassertemperatur, Salzgehalt, Secchi-Tiefe/Wassertrübung und Gehalt an gelöstem Sauerstoff aufgezeichnet. Die außerordentlich lange und hochaufgelöste Zeitserie des RHLS liefert eine einzigartige Datengrundlage zur Erforschung der Dynamik früher Stadien im Lebenszyklus des Herings.

Die wichtigste, praktische Anwendung findet der RHLS in der jährlichen Berechnung eines Rekrutierungs-Index, der als frühestes Prognose-Instrument zukünftiger Herings-Jahrgangsstärken in die Berechnung des ICES (International Council for the Exploration of the Sea) eingeht, und damit auch einen Beitrag zur Festsetzung nachhaltiger Fangmengen leistet. Das Konzept des N20-Rekrutierungs-Index basiert auf der guten Korrelation der Menge aller Heringslarven, die im Greifswalder Bodden eine Körperlänge von 20 mm erreichen, mit Monitoringdaten späterer juveniler Stadien (1wr und 2 wr Jahresklassen) aus den Akustiksurveys in der Arkona- und Beltsee. Diese guten Korrelationen deuten daraufhin, dass der Hauptanteil der natürlichen Sterblichkeit im Lebenszyklus des Herings stattfindet, bevor die Larve eine Körperlänge von 20 mm erreicht. Der N20-Rekrutierungs-Index wird jedes Jahr aus den Daten des RHLS erstellt, indem der wöchentliche Zuwachs der Larven über die gemessenen Wassertemperaturen korrigiert und die Summe der Larven, die in der jeweiligen Surveywoche 20 mm erreichen, gebildet wird. Auf der räumlichen Skala werden 36 Stationen in 5 Strata unterteilt und die Mittelwerte der relativen Larvendichte auf die Fläche des jeweiligen Stratums hochgerechnet. Die Summe der 20 mm langen Larven bezogen auf die Gesamtfläche aller Strata ergibt den N20-Rekrutierungs-Index für die Heringe, die etwa zwei bis drei Jahre später zur Fortpflanzung in die Gewässer zurückkehren.