Institut für

Ostseefischerei

Reproduktionsbiologie des Dorsches

Foto zweier erwachsener Dorschweibchen aus der Ostsee: Im Vordergrund ein Erstlaicher, ungefähr 38 cm lang und 3 Jahre alt, im Hintergrund ein erfahrenes Weibchen mit einem knappen Meter Länge und einem Alter von 8-10 Jahren. Rechts daneben sind die Ovarien (Eierstöcke) dieser beiden Tiere abgebildet, die eindrucksvoll zeigen, wie viel größer der Beitrag alter Tiere zur Nachwuchsproduktion ist: Das Ovar des älteren Tiers enthält ca 600 mal mehr Eier als das des jungen Weibchens.
Vergleich zweier erwachsener, laichreifer Dorschweibchen - das vordere Tier ist ca. 3 Jahre alt, das hintere 8-10 Jahre. Links Ansicht der Fische, rechts Ansicht der beiden Ovarien (Eierstöcke) dieser Tiere. (© Thünen-Institut/M. Bleil)

Alte, erfahrene Dorschweibchen legen die meisten und größten Eier mit den besten Startbedingungen für die Schlüpflinge. Der Großteil der erwachsenen Dorsche in der Ostsee ist aber klein, auch durch intensive Fischerei. Wie erholen sich Bestände unter diesen Bedingungen?

Vermutlich durch den hohen Fischereidruck in den letzten 20 Jahren laichen die Dorsche in der Ostsee in immer jüngeren Jahren: Inzwischen ist der größte Teil der Tiere schon mit 3 Jahren geschlechtsreif, fast drei Jahre früher als noch vor 20 Jahren. Der zugrunde liegende Mechanismus ist – zumindest theoretisch – relativ einfach zu erklären: Die Fischerei entfernt selektiv größere Tiere, so dass sich nur noch die früher laichenden durchsetzen können; für die verbliebenen Dorsche ist außerdem mehr Nahrung verfügbar, sie wachsen schneller und werden früher reif. Unklar ist noch, ob dieser Prozess genetisch festgelegt wird (fisheries-induced evolution) oder ob er reversibel ist, wenn der Fischereidruck nachlässt. Wir untersuchen die Auswirkungen dieser Entwicklung (z. B. Veränderungen in den Anzahlen, Größen und Gewichten der Eier) und versuchen, Management-Maßnahmen zu entwickeln, die diesen Trend umkehren können.

Fischbestände werden vor allem nach Zeitpunkt und Ort ihres Laichgeschäfts in Bestände unterteilt. In der Ostsee sind derzeit zwei Bestände definiert: der westliche (Gebiete 22-24) und der östliche Bestand (25-32). Beide Bestände haben sehr unterschiedliche Laichzeiten: Der westliche Dorsch ist ein Frühjahrslaicher: Die alten, erfahrenen Dorsche erscheinen im Februar als erste an den Laichplätzen. Ihnen folgen die kleineren Dorsche. Die Dorsche laichen dort in den tieferen Becken ab 20 m Wassertiefe. Tagsüber schwimmen Männchen und Weibchen getrennt, um sich dann in der Nacht zu paaren. Das Laichgeschäft zieht sich über mehrere Wochen bis in den April hin (Frühjahrslaicher), und der Laichvorgang findet um so später statt, je weiter östlich gelaicht wird. Der östliche Dorsch ist ein Sommerlaicher: Er laicht derzeit im Bornholmbecken zwischen Mai und August in einer Wassertiefe von 40 – bis 100 m, je nach Verfügbarkeit von Sauerstoff. Das genaue Verständnis des zeitversetzten Laichgeschäfts ist wichtig, um sinnvolle Schonzeiten empfehlen zu können, d.h. Zeiten und Gebiete, in denen keine Fischerei auf Dorsch stattfinden sollte.