Institut für

Ostseefischerei

Reproduktionsbiologie

Unterwasseraufnahme einer Ansammlung von ungefähr 3 cm langen Sprottenlarven aus der Ostsee
Sprottenlarven aus der Ostsee. (© Thünen-Institut/D. Stepputtis)

Extreme Schwankungen der Nachwuchsproduktion sind kennzeichnend für viele Fischbestände. Dies ist eine Anpassung an stark wechselnde Umweltbedingungen. Ein besseres Verständnis der natürlichen Mechanismen der Nachwuchsproduktion ist wichtig, um Fischbestände nachhaltig nutzen zu können.

Ein Dorschweibchen legt jedes Jahr mehr als 1 Million Eier, ein Hering rund 20.000. Von diesen enormen Mengen potentieller Nachkommen erreicht nur eine Handvoll das Erwachsenenalter. In guten Jahren können starke Jahrgänge Fischbestände stark anwachsen lassen, bleiben die „Rekruten“ genannten Jungtiere dagegen aus, müssen mittelfristig die Fangmengen gesenkt werden. Was verursacht diese starken Schwankungen der Jahrgangsstärken? Eier, Larven und Jungfische sind natürlicherweise einer hohen Sterblichkeit ausgesetzt, verursacht durch Umwelteinflüsse wie ungünstige klimatische oder hydrografische Bedingungen, knappes Futterangebot oder hohen Fraßdruck durch Räuber. Bereits ohne den Einfluss der Fischerei unterliegt die Nachwuchsproduktion der meisten Fischarten demnach starken jährlichen Schwankungen, die sich aus den variablen physikalischen und biologischen Bedingungen der Meeresumwelt ergeben. Diese Fluktuationen der Nachwuchsmengen werden in die Bestandsberechnungen einbezogen, um kommerziell genutzte Fischbestände möglichst nachhaltig bewirtschaften zu können. Das Thünen-Institut für Ostseefischerei verfolgt jährlich die Nachwuchsproduktion der beiden für die kommerzielle Fischerei wichtigsten Fischarten Dorsch und Hering, und liefert so ein wichtiges Vorhersageinstrument für die Bestandsentwicklung. So können Änderungen der Bestandsgröße – nach oben und unten – frühzeitig erkannt werden. Außerdem erforschen wir die Mechanismen der Reifung, den Einfluss der natürlichen Sterblichkeit, das Wachstum der Jungfische und ihre Nutzung potentieller Aufwuchsgebiete. So können wir immer besser verstehen, wie Klimaveränderungen, Räuber-Beute-Beziehungen, übermäßiger Nährstoffeintrag oder Lebensraumverluste die Nachwuchsstärke von Fischbeständen beeinflussen.