Institut für

Ostseefischerei

Nahrungsnetze und Habitatnutzung

Abgemagerter Dorsch aus der östlichen Ostsee.
Abgemagerter Dorsch der Bornholmsee zum Ende der Laichzeit (August 2012), gefangen in 80 m Wassertiefe. Die Fischer nennen sie „Dreikantfeilen“. (© Thünen-Institut/D. Stepputtis)

Nahrung bestimmt das Wachstum auch von Fischen – und hat damit unmittelbaren Einfluss auf die zukünftigen Fischereimöglichkeiten. Insbesondere in der Ostsee wird darüber hinaus die Habitatnutzung vor allem durch physikalische Parameter bestimmt.

Fische sind, je nach Lebensphase, Jäger oder Gejagte. Während Dorsche zum Beispiel vor allem Heringe und Sprotten fressen, revanchieren sich diese, indem sie während der Laichsaison Dorscheier fressen. Auch Kannibalismus ist beim Dorsch keine Seltenheit, insbesondere bei größerer Dorsch-Dichte. Magenuntersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse, wer wieviel von wem frisst – wichtige Informationen zum Verständnis der Räuber-Beute-Interaktionen in einem Ökosystem und essentielle Grundlage für die Berechnungen von Mehrarten- und trophischen Modellen.

Die regelmäßigen Wanderungen von Fischen zwischen Aufwuchs-, Laich und Fraßgebieten sind klassische Themen der Fischereibiologie. Dieses allgemeine Bewegungsmuster ist aber nicht nur bestandsspezifisch, sondern auch sehr variabel. Fischer sind naturgemäß an einem besseren Verständnis der Bewegungsmuster ihrer Zielfischarten interessiert, weil es ihnen ermöglicht, möglichst effektiv und damit auch ökonomisch nachhaltig zu fischen. Aber auch die Bestandstrennung und Rekrutierungsforschung profitiert davon, wenn wir ein klares Bild davon haben, warum Fische wann wohin schwimmen bzw. sich eher stationär verhalten.

Überschüssige Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und Industrie führen in Küstennähe und – wenn wie in der Ostsee die Belüftung fehlt – in den tiefen Becken zu sauerstoffarmen Bereichen. Bakterien am Meeresboden zersetzen die überschüssigen Nährstoffe, die zu Boden sinken, und verbrauchen dabei Sauerstoff, den sie aus dem bodennahen Wasser ziehen. Die Ostsee mit ihren tiefen Becken hält dabei den traurigen Rekord als größtes sauerstoffarmes Gebiet der Welt. Der Sauerstoffmangel beeinflusst auch die Fischbestände der Ostsee. Zum Beispiel wird durch Sauerstoffmangel in der zentralen Ostsee die Dicke der Schicht eingeschränkt, in dem die Dorscheier sich erfolgreich entwickeln können. Im Sommer treten auch in der westlichen Ostsee regelmäßig Sauerstoffmangel-Zonen auf, die Fische schwächen oder zu lokalem Fischsterben führen können. Diese Veränderungen erfassen wir mit unseren Monitoring-Fahrten und die Erforschung der Sauerstoffproblematik und ihrer Konsequenzen auf die Fischbestände und für die Fischereien hat hohe Priorität. Sie hilft uns auch herauszufinden, welche Erholungsmöglichkeiten ein Bestand unter den derzeitigen (und zukünftigen: Stichwort Klimawandel) abiotischen Limitationen hat.