Institut für

Ostseefischerei

Modellierung und Bestandsberechnung

Die Grafik zeigt, die Veränderungen des Anteils in den Jahrgangsstärken eines Fischbestandes über die Zeit.
Schwankungen in den Jahrgangsstärken bestimmen die Änderungen in der Größe von Fischbeständen. (© Thünen-Institut/A. Schütz)

Populationsmodelle sind unser wichtigstes Werkzeug für die Einschätzung des Zustandes von kommerziell genutzten Fischbeständen und für die Prognose der zukünftigen Entwicklung.

Jedes Frühjahr wird vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) für jeden kommerziell genutzten Fischbestand der Ostsee der aktuelle Bestandszustand berechnet, und daraus die Fangvorhersagen für das kommende Jahr abgeleitet, die wiederum die Basis für die Fangquoten bilden. Dafür müssen wir jedes Jahr wieder die Frage beantworten, wie viele Fische in welchem Alter es in einem Seegebiet im letzten Jahr gab. Wie viele werden davon bis nächstes Jahr überleben, wie viele junge Fische kommen hinzu? Und wie viel werden sie bis dahin wachsen? Da wir diese Parameter nicht direkt messen können, sind Populationsmodelle essentiell, um die Fangvorhersagen zu berechnen.

Die Ostsee besitzt ein verhältnismäßig einfach strukturiertes Ökosystem mit wenigen Arten. In der zentralen Ostsee gibt es enge trophische Beziehungen zwischen Dorschen, die Heringe und Sprotten fressen, die wiederum Dorscheier fressen. Die direkte Nutzung einer Art durch den Menschen hat daher auch mittelbare Auswirkungen auf andere Arten – positive oder negative. Wir unterstützen die Weiterentwicklung von Mehrartenmodellen (multispecies models), die dem aktuell verwendeten Einarten-Ansatz in der Bestandsberechnung wichtige Zusatzinformationen liefert.

Von den fünf Plattfischarten der Ostsee sind bisher nur die Anlandungen der Scholle durch eine Quote reglementiert. Die Fänge und Rückwürfe von Arten wie Flunder oder Kliesche unterliegen keiner Reglementierung, vor allem, weil uns wichtige Eingangsdaten für die Bestandberechnungen fehlen. Aber selbst für Scholle kann zurzeit noch kein altersbasiertes Populationsmodell gerechnet werden. Um den Zustand der Plattfischbestände besser einschätzen zu können, arbeiten wir zusammen mit unseren Partnern u.a. in Dänemark, Schweden und Polen an der Weiterentwicklung von Bestandsmodellen für die Plattfischbestände.

Fischbestände sind in ihrer Größe und Variabilität an das Ökosystems angepasst, in dem sie leben. Sogenannte „Referenzpunkte“ beschreiben wichtige Schwellenwerte in den Schwankungen der Größe eines Bestandes. Sie beeinflussen unsere Wahrnehmung des Zustandes eines Bestandes und sind wichtige Ziel- und Grenzwerte, auf deren Basis Managemententscheidungen getroffen werden. Die Ableitung und Interpretation der Referenzpunkte wird oft kontrovers diskutiert. Wir sind im Rahmen unserer Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) an der Bestimmung und kritischen Evaluation der Referenzpunkte von Fischbeständen der Ostsee beteiligt.