Institut für

Ostseefischerei

Andere Sterblichkeitsfaktoren

Unterwasseraufnahme: Dorsch entkommt durch die Maschen eines Schleppnetzes
Untermaßiger Dorsch entkommt durch T90-Masche im Netzbeutel eines Schleppnetzes. (© Thünen-Institut/D. Stepputtis)

In unseren Berechnungsmodellen unterscheiden wir natürliche und fischereiliche Sterblichkeit. Zu letzteren gehören vor allem die Anlandungen, aber auch Fische, die tot zurückgeworfen werden, oder solche, die zwar aus den Netzen entkommen, aber so verletzt sind, dass sie später sterben.

Wenn wir überhaupt quantitative Daten über Rückwürfe haben, nehmen wir an, dass diese Fische eine 100%ige Sterblichkeit haben. Für viele Rundfische wie Heringe und Dorsche insbesondere in der Schleppnetzfischerei kommt dies der Realität sehr nahe. Es gibt aber auch robustere Arten, die die Fang- und Rückwurfprozedur überleben können und so dem Bestand nicht verloren gehen. Wir versuchen herauszufinden, wie hoch die Überlebensraten unter welchen Bedingungen (z.B. Fanggerät, Wassertemperatur, Fangdauer, Fangzusammensetzung) tatsächlich sind, um unsere Abschätzung der fischereilichen Sterblichkeit weiter zu präzisieren. Diese Arbeiten fließen ferner unmittelbar in die Politikberatung ein, weil der Gesetzgeber in der EU mit Einführung des Anlandegebotes ab 2015 auch Ausnahmeregeln für Fische „mit hohen Überlebensraten“ vorgesehen hat, ohne dies jedoch näher zu spezifizieren.

Doch auch Fische, die gar nicht an Bord genommen und damit technisch nicht gefangen wurden, können noch der fischereilichen Sterblichkeit unterliegen – sie können sich z.B. beim Entkommen durch die Maschen eines Netzes so verletzen, dass sie erst Tage später sterben. Diese Sterblichkeit wird bislang nicht berücksichtigt. Wir versuchen, unsere Kenntnisse zu dieser „unaccounted mortality“ auszubauen (z.B. durch Unterwasserbeobachtung oder den Fang und Hälterung entkommener Fische) und die Bestandsberechnung dadurch zu verbessern.