Institut für

Ostseefischerei

Verringerung von unerwünschtem Beifang

Innenansicht eines Schleppnetzes mit Leinen unter dem Fluchtfenster im hintersten Teil eines Schleppnetzes (dem Steert) zur Stimulation einer Fluchtreaktion von Dorschen
Auftriebskörper unter dem Fluchtfenster leiten die Fische nach oben. (© Thünen-Institut/D. Stepputtis)

Ein aktueller Themenschwerpunkt ist die Verbesserung der Selektion von Schleppnetzen für mehrere Arten gleichzeitig (Mehrartenselektion). Dafür nutzen wir das Verhalten der Fische.

Bisherige Entwicklungsansätze konzentrierten sich auf die Verbesserung der Selektion für eine Art, zum Beispiel für Dorsch in der Grundschleppnetzfischerei in der Ostsee. Dadurch war es bisher kaum möglich andere Fischarten wie Plattfische, die fast unvermeidlich mitgefangen werden, selektiver zu fangen und somit unerwünschte Beifänge dieser Arten zu reduzieren. Ein Hauptproblem hierbei sind die durch die sehr unterschiedliche Körperform verursachten verschiedenen Selektionseigenschaften der einzelnen Fischarten, so dass innovative Lösungen zur Arttrennung erforderlich sind.

Wir können uns dafür das unterschiedliche Verhalten von Fischen zu Nutze machen – Dorsche fliehen z.B. in der Regel nach oben, Plattfische nach unten. Die Entwicklung geeigneter Fluchtmöglichkeiten, wie zum Beispiel größerer Maschen im Vornetz oder artspezifischer Fluchtgitter, ist daher von großer Wichtigkeit. Die Effizienz dieser Entwicklungen hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die unerwünschten Fische und anderen Lebewesen diese Fluchtmöglichkeiten auch nutzen. Mit Hilfe von Unterwasserbeobachtungen kann das Verhalten der Fische im Netz und die Eigenschaften des Netzes beim Fischen untersucht und für eine Verbesserung der Netzselektion genutzt werden.

Ein Beispiel: Es ist nicht möglich, in der Kaisergranat-Fischerei in der Nordsee Fluchtfenster mit großen Maschen im Steert (hinterer Teil des Schleppnetzes) einzubauen, um Fischarten wie Kabeljau und Wittling das Entkommen zu ermöglichen, ohne auch einen großen Teil des Fanges der kleineren Zielart zu verlieren. Installiert man solch ein Fluchtfenster im vorderen Teil des Netzes, entkommen zwar keine Kaisergranate – aber das Fenster wird von den Fischen auch kaum genutzt. Die Lösung könnte sein, die Fische vorn im Netz so zu stimulieren, dass sie die angebotenen Fluchtmöglichkeiten nutzen.

Wir haben sehr gute Erfolge erzielt, indem wir in der Nähe der Fluchtfenster Leinen mit Auftriebskörpern angebracht haben, die sich in der Strömung bewegen und so die Fische im Netz irritieren und sie nach oben zu den Fluchtfenstern lenken. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit des Entkommens der unerwünschten Fische deutlich erhöht.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben können. Und je kleiner die Kutter sind, desto dringender werden einfache, robuste, kostengünstige und effiziente Lösungen benötigt.

Hier sieht man den hinteren Teil eines Grundschleppnetzes mit einem Fluchtfenster, speziell entwickelt für Plattfische. Die Kamera blickt in Richtung Schiff.