Institut für

Ostseefischerei

Fangtechnische Optimierungen in der Krabbenfischerei

Blick auf einen Krabbenkutter, mit aufgetoppten Kurrbäumen – links hängt die Pulsbaumkurre, rechts die konventionelle Baumkurre
Direkter Vergleich - links Pulsbaumkurre, rechts die konventionelle Baumkurre. (© Thünen-Institut/D. Stepputtis)

Die Krabbenfischerei ist die derzeit wertvollste deutsche Fischerei. Da sie mit kleinmaschigen Netzen am Meeresgrund in ökologisch sensiblen Gebieten fischt, versuchen wir auch deren Fangmethoden zu verbessern.

Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Minimierung von Beifängen, des Energiebedarfs und der Umweltauswirkungen. Diese Arbeiten finden in zwei Projekten statt:

  • Im Drittmitelprojekt CRANNET wird – gemeinsam mit Kollegen des Thünen-Instituts für Seefischerei und der Uni-Hamburg - der Einsatz verschiedener Steerte (Endbeutel des Schleppnetzes) erprobt. In bisherigen Studien zur Selektion von Krabbennetzen wurde dabei vor allem auf eine Reduktion des Beifanges Wert gelegt. Dabei wurden Netze, bei denen die Gefahr besteht, auch vermarktbare Krabben durch die Maschen zu verlieren, nicht in Betracht gezogen. Dieser frühere Ansatz lässt jedoch außer Acht, dass Krabben sehr schnell wachsen und dadurch entkommene Krabben innerhalb kürzester Zeit enorm an Biomasse gewinnen. Diese Populationseffekte werden in CRANNET mit Hilfe eines Populationsmodells berechnet und im nächsten Schritt für eine ökonomische Optimierung genutzt. Die Arbeitsgruppe Fischerei- und Surveytechnik ist in dem Projekt für verschiedene Untersuchungen zur Selektion der Netze, als auch des Schleppwiderstandes verantwortlich.
  • In den Jahren 2012 bis 2013 wurde der Einsatz einer neuen Fangmethode in der Krabbenfischerei erprobt und verschiedene Anpassungen zur Verbesserung entwickelt. Diese Arbeiten fanden in dem von der EU, dem Land Schleswig-Holstein und der Krabbenfischerei geförderten Projekt „Pulsbaumkurre“ statt.

Bei herkömmlichen Krabbennetzen („Baumkurren“) werden die Krabben durch Rollen vor dem geschleppten Netz aufgescheucht und landen dadurch im Netz. Diese Rollen scheuchen jedoch auch andere Arten auf, die zum Teil als unerwünschter Beifang ebenfalls mitgefangen werden. Eine in Belgien entwickelte modifizierte Baumkurre nutzt Strompulse (relativ schwach, für Krabben optimiert, 4Hz) zum Aufscheuchen der Krabben, sodass die Anzahl der Rollen stark reduziert, bzw. ganz auf diese verzichtet werden kann. Dadurch kann der Beifang, aber auch der Energieverbrauch und der Meeresbodenkontakt reduziert werden. Dieses neuartige Fanggerät wurde auf einem Büsumer Kutter erstmals gründlich über ein ganzes Jahr im Feld getestet. Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen kann nun die Nutzbarkeit der Methode zur Verbesserung der deutschen Krabbenfischerei besser abgeschätzt werden. Tatsächlich ist die Forschung dadurch ein gutes Stück vorangekommen in dem Versuch, weniger unerwünschte Tiere zu fangen, gleichzeitig den Meeresboden wesentlich weniger zu belasten und weniger Energie zu verbrauchen. Auch nach dem Ende des ersten Projektes arbeitet die Arbeitsgruppe Fischerei- und Surveytechnik weiter an diesem Thema, wobei der Schwerpunkt nun hauptsächlich auf einer weiteren Optimierung des Fanggerätes liegt. Die Arbeiten im Jahr 2014 werden auch in Zusammenarbeit mit dem WWF durchgeführt.