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Wenn Regionen altern und schrumpfen: Anpassung und Bewältigung vor Ort (Harz-Studie)

Projekt

Das Vorhandensein und die Qualität von Daseinsvorsorgeeinrichtungen, wie Kindertagesstätten, sind mit entscheidend für die Lebensqualität in ländlichen Räumen (c) A. Tautz
Das Vorhandensein und die Qualität von Daseinsvorsorgeeinrichtungen, wie Kindertagesstätten, sind mit entscheidend für die Lebensqualität in ländlichen Räumen (© A. Tautz)

Strategien der Daseinsvorsorge unter Bedingungen von Alterung und Bevölkerungsrückgang: Fallstudien im Ost- und Westharz

Die wiederbelebte Debatte um die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse und die Sicherung der Daseinsvorsorge nimmt in Deutschland vorrangig dünn besiedelte periphere Räume in den Blick. Wo Infrastrukturen längst ausgedünnt wurden, muss sich die Bevölkerung mit der verschlechterten Ausstattung arrangieren und Nachfrager wie Anbieter haben höhere Kosten zu tragen. Doch stehen langfristig Probleme der Tragfähigkeit und Erreichbarkeit auch vor solchen ländlichen Regionen, in denen sich der demographische und soziale Wandel erst allmählich vollzieht und wo dessen Folgen weniger augenfällig sind. Eine solche Region ist der Harz.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Entscheidung für die Fallstudienregion Harz fiel aufgrund der ausgeprägten demographischen Alterung dieses Raumes: Ende 2008 war der Westharz (die Landkreise Osterode am Harz und Goslar) die ländliche Region in Deutschland mit dem höchsten Anteil an Hochbetagten im Alter von 75 Jahren und mehr. Das Projekt untersuchte je eine Kommune im Ost- und im Westharz: beides Kleinstädte mit mehreren dörflichen Ortsteilen, die seit längerem von Alterung und Schrumpfung (letztere stärker im Ostharz) gekennzeichnet sind.

Wir untersuchten, wie sich die Daseinsvorsorge in beiden Kommunen sowie den Landkreisen in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat und wie Entscheidungsträger und die ältere Bevölkerung die gegenwärtige Situation beurteilen. Die Betreuung von Kindern unter 6 Jahren, die schulische Bildung bis zur Sekundarstufe II, die medizinische Versorgung mit Haus- und Fachärzten, die Altenbetreuung und -pflege, die Internetanbindung, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und den Schülerverkehr, die Nahversorgung, den Brandschutz und technische Hilfeleistungen sowie das Freizeit- und Kulturangebot haben wir genauer untersucht.

Vorgehensweise

Das Projekt war explorativ ausgerichtet, das heißt, es war offen in Bezug darauf, welche Bereiche der Daseinsvorsorge wir genauer untersuchen wollten. Im Projektverlauf entwickelten wir ein heuristisches Modell von Anpassungsstrategien der Entscheidungsträger bezogen auf Einrichtungen der Daseinsvorsorge und eines von Bewältigungsstrategien der Bevölkerung in Bezug auf die Gestaltung ihres Alltags.

Daten und Methoden

2011/12 führten wir in den zwei Untersuchungskommunen sowie den Landkreisen 38 leitfadengestützte Interviews mit 48 Schlüsselpersonen aus Verwaltungen, Infrastruktureinrichtungen und Vereinen. Ebenfalls leitfadengestützt, doch mit einer weniger standardisierten Umsetzung, folgten 2011 fünf Gruppeninterviews mit 57 Einwohnern im Alter von 55 bis 98 Jahren im Rahmen örtlicher Seniorenkreise. Das so gewonnene Textmaterial werteten wir mittels qualitativer Inhaltsanalyse aus, um Maßnahmen und Strategien der Daseinsvorsorge herauszuarbeiten.

Unsere Forschungsfragen

1. Wie ist die Ausstattung der Daseinsvorsorge in ländlichen Gemeinden, und wie hat sich diese in den letzten beiden Jahrzehnten verändert?

2. Wie werden die Ausstattung und die Veränderungen der Daseinsvorsorge von Anbietern und Nachfragern bewertet?

3. Welche Anpassungs- und Bewältigungsstrategien verfolgen Anbieter und Nachfrager, um mit gegebenenfalls wahrgenommenen Versorgungsproblemen umzugehen?

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

9.2010 - 12.2012

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

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  1. Küpper P (2015) Wandel der Gesundheitsversorgung in alternden ländlichen Gemeinden - Erfahrungen aus dem Harz. Ber Geogr Landeskunde 89(3):217-235
  2. Steinführer A, Küpper P, Tautz A (2014) Adapt and cope: Strategies for safeguarding the quality of life in a shrinking ageing region. Comp Popul Stud 39(2):345-370, doi:10.12765/CPoS-2014-07en
  3. Steinführer A, Küpper P, Tautz A (2014) Anpassen und Bewältigen: Strategien zur Sicherung von Lebensqualität in einer schrumpfenden Alterungsregion. Comp Popul Stud 39(2):319-344
  4. Steinführer A (2014) Anpassung an den demographischen Wandel - was heißt das eigentlich? Land Ber 17(1):9-25
  5. Steinführer A, Küpper P, Tautz A (2014) Die Anpassungsfähigkeit der Kleinstädter : Akteursstrategien im Umgang mit dem Wandel der Daseinsvorsorge. Reihe Planungsrundsch 22:155-175

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