Institutsleitung

Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

Bundesallee 64
38116 Braunschweig
Telefon: +49 531 596 5501
Fax: +49 531 596 5599
lr@thuenen.de


Dachprojekt Greening: Ökologische Begleitforschung zum Greening der Gemeinsamen Agrarpolitik

Projekt

Baum in Ackerbaulandschaft (c) Thünen-Institut/Johanna Fick
Greening: Anbaudiversifizierung, Erhalt von Dauergrünland und Ausweisung von ökologischen Vorrangflächen. (© Thünen-Institut/Johanna Fick)

Ökologische Begleitforschung zum Greening der Gemeinsamen Agrarpolitik

Mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik hat die EU-Kommission eine umweltfreundlichere „grünere“ 1. Säule beschlossen. Wie wirksam die Greening-Maßnahmen für den Natur- und Umweltschutz sind, wird allerdings kontrovers diskutiert. In verschiedenen Projekten gehen wir deshalb der Frage zur Wirksamkeit nach.

 

Hintergrund und Zielsetzung

Der deutliche Artenrückgang in der Agrarlandschaft, anhaltend hohe Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer sowie europäische und globale Vorgaben zum Schutz der Biodiversität machen eine stärkere Ökologisierung der Landwirtschaft notwendig. Um diesen Erfordernissen Rechnung zu tragen, hat die EU-Kommission mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) das „Greening“ eingeführt. Es soll die ökologische Nachhaltigkeit der Landwirtschaft stärken. Ein Teil der Direktzahlungen aus der 1. Säule ist seit dem 1. Januar 2015 an Landbewirtschaftungsmethoden gebunden, die den Klima- und Umweltschutz fördern und drei Maßnahmen betreffen:

  • Anbaudiversifizierung: Die meisten Betriebe mit mehr als 30 ha Ackerfläche müssen mindestens drei Kulturen anbauen. Der Flächenanteil der Hauptanbaukultur darf maximal 75% betragen, der Anteil der beiden anderen Kulturen muss jeweils mindestens 5% einnehmen. Betriebe mit 10 bis 30 ha Ackerland müssen mindestens zwei verschiedene Kulturen anbauen, wobei die Hauptkultur nicht mehr als 75% der Fläche einnehmen darf.
  • Erhalt des Dauergrünlandes: Dauergrünland, das in Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebieten liegt, ist als umweltsensibles Grünland ausgewiesen worden und unterliegt einem vollständigen Umwandlungs- und Pflugverbot. Dauergrünland, das nicht als umweltsensibel eingestuft ist, kann ausschließlich nach Genehmigung umgewandelt werden. Eine Genehmigung wird in der Regel nur erteilt, wenn an anderer Stelle Dauergrünland im selben Umfang neu angelegt wird und der Anteil von Dauergrünland in der Region zwischen 2012 und 2015 nicht mehr als 5% abgenommen hat.
  • Ausweisung von ökologischen Vorrangflächen auf Ackerflächen: Betriebe mit mehr als 15 ha Ackerland müssen 5% ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen ausweisen. Verschiedene Flächentypen kommen hierfür in Betracht, von denen ein Teil eine Nutzung ermöglicht (z.B. Kurzumtriebsplantagen, Zwischenfrüchte), ein anderer Teil hingegen nicht (z.B. Brachflächen, Landschaftselemente).

Unter bestimmten Voraussetzungen sind Betriebe von den Greening-Maßnahmen ausgenommen, so z. B. Betriebe des ökologischen Landbaus. Wie wirksam die neuen Greening-Maßnahmen sein werden und ob der hohe Verwaltungs- und Kontrollaufwand verhältnismäßig ist, wird aktuell kontrovers diskutiert. Eine Halbzeitbewertung der Europäischen Kommission im Jahr 2017 soll Aufschluss darüber geben, inwiefern die Maßnahmen dem Erhalt der biologischen Vielfalt sowie dem Wasser-, Klima- und Bodenschutz dienen. Darauf basierend kann es ab 2018 zu Änderungen des Greenings kommen.

Foto: Wildkräuter im Getreideacker
Die Biodiversität in der Agrarlandschft soll vom Greening profitieren. (© Thünen-Institut/Norbert Röder)
Foto: Erosion in einem Ackerschlag
Das Greening soll einen Beitrag zum abiotischen Ressourcenschutz leisten (z. B. Boden). (© Thünen-Institut/Norbert Röder)

Zielgruppe

Ministerien für Landwirtschaft und für Umwelt, Landwirte, Beratung, amtlicher Naturschutz, Agrarverwaltung, EU-Kommission

Vorgehensweise

Am Thünen-Institut für Ländliche Räume laufen mehrere Projekte, die sich mit den Auswirkungen des Greenings auf den Naturschutz befassen (siehe Links und Downloads). Ihre Ergebnisse sollen zur Ableitung von praxisnahen Empfehlungen zur Evaluierung der GAP-Reform im Jahr 2017 dienen.

Daten und Methoden

In den Projekten werten wir vor allem Betriebsdaten der Länder aus, um mehr über die Auswahl, die Umsetzung und die ökologische Wirksamkeit der Greening-Maßnahmen zu erfahren. Die unterschiedlichen Schwerpunkte der Projekte decken alle drei Maßnahmenbereiche zur stärkeren Ökologisierung der Landwirtschaft ab.

Unsere Forschungsfragen

Wie setzen die Landwirte die neuen Regelungen zum Greening um, und wovon hängt ihre Entscheidung ab?

Welchen naturschutzfachlichen Mehrwert haben die unter den jetzigen Bedingungen durchgeführten Greening-Maßnahmen?

Wie könnte man den Nutzen des Greenings für den Naturschutz erhöhen?

Wie können für Landwirte betriebswirtschaftlich günstige Optionen aussehen, die gleichzeitig naturschutzfachlichen Mehrwert bringen?

Vorläufige Ergebnisse

Die Projekte sollen zeigen, inwiefern neben politischen Vorgaben betriebs- und regionalspezifische Faktoren die Umsetzung der Greening-Maßnahmen und deren ökologische Wirksamkeit beeinflussen. Erste Ergebnisse sollen Anfang 2016 vorliegen.

Foto: Strukturreiche Landschaft mit kleinflächigen Feldern.
Ob das Greening in strukturreichen Landschaften einen positiven Effekt haben wird, ist fraglich. (© Thünen-Institut/Johanna Fick)

Publikationen zum Projekt

Eintrag 1 - 5 von 14

Anfang   zurück   weiter   Ende

  1. Laggner B, Röder N (2017) Does land fragmentation currently limit grazing in dairy farms in Lower Saxony, Germany? In: Porqueddu C, Franca A, Lombardi G, Molle G, Peratoner G, Hopkins A (eds) Grassland resources for extensive farming systems in marginal lands: major drivers and future scenarios : Proceedings of the 19th Symposium of the European Grassland Federation ; 7-10 May 2017. Sassari: EGF, pp 179-181
  2. Gocht A, Ciaian P, Bielza M, Terres J-M, Röder N, Himics M, Salputra G (2017) EU-wide economic and environmental impacts of CAP greening with high spatial and farm-type detail. J Agric Econ 68(3):651-681, DOI:10.1111/1477-9552.12217
  3. Hart K, Mottershead D, Tucker G, Underwood E, Maréchal A, Menet L, Martin I, Dayde C, Bresson C, Deniel E, Sanders J, Röder N, Osterburg B, Klages S (2017) Evaluation study of the payment for agricultural practices beneficial for the climate and the environment : final report. Luxembourg: European Commission, 248 p, DOI:10.2762/71725
  4. Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Milz E, Baum S, Lepp T, Kronenbitter J, Ackermann A, Schramek J (2017) Naturschutzfachliche Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen. Bonn: BfN, 192 p, BfN Skripten 472, DOI:10.19217/skr472
  5. Lakner S, Röder N, Baum S, Ackermann A (2017) The German implementation of Greening - effectiveness, participation & policy integration with the agri-environmental programs : contributed poster to the XV EAAE Congress ; Towards Sustainable Agri-Food Systems: Balancing between Markets and Society ; Munich, Sept., 13th-15th, 2017. München, 12 p
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 723 KB

Eintrag 1 - 5 von 14

Anfang   zurück   weiter   Ende