7-Länder-Evaluierung: Umwelt, Wachstum, Beschäftigung, Lebensqualität in ländlichen Räumen

Projekt

Erhalt einer dörflichen sozialen Infrastruktur (c) Thünen-Institut/Winfried Eberhardt
Schild für einen Bürgerladen in Brandenburg, der durch die EU gefördert wurde (© Thünen-Institut/Winfried Eberhardt)

Was leisten ländliche Entwicklungsprogramme für die Umwelt, für Wachstum und Beschäftigung, die Lebensqualität und die Governance ländlicher Räume?

Das Thünen-Institut für Ländliche Räume evaluiert einen großen Teil des Maßnahmenkanons der ländlichen Entwicklungsprogramme von sieben Bundesländern. Wir betrachten die Effekte der Programme auf den Wasser- und Bodenschutz, auf Wachstum und Beschäftigung und die Lebensqualität in ländlichen Räumen. Darüber hinaus analysieren wir die Strukturen der Umsetzung und deren Kosten, um Fragen der Fördereffizienz zu beantworten.

Das Projekt erfolgt in enger Kooperation mit den Instituten BW und WF sowie entera und ist Teil des Gesamtprojektes 7-Länder-Evaluierung.

Hintergrund und Zielsetzung

Ländliche Entwicklungsprogramme haben einen breiten Zielkanon. Dementsprechend gibt es viele unterschiedliche Ansatzpunkte für die Förderung, zum Beispiel: Qualifizierung von Arbeitnehmern in der Landwirtschaft, verbesserter Deichschutz, Prämien für den Ökologischen Landbau, Erhalt denkmalgeschützter Bausubstanz oder Unterstützung von lokalen Aktionsgruppen. Wir evaluieren, ob die unterschiedlichen Maßnahmen geeignet sind, die festgestellten Probleme zu beseitigen (Relevanz), ob die gesetzten Ziele erreicht werden (Zielerreichung), ob die beobachteten Wirkungen ursächlich auf die Förderung zurückzuführen sind (Wirkungen und Kausalität) und mit welchen Kosten die Maßnahme verbunden ist (Kosten-Wirksamkeitsanalyse).

Vorgehensweise

Aller Anfang ist ein Maßnahmencheck: Wer oder was erhält welche Zuwendungsbeträge? Was soll die Maßnahme erreichen? Ist ihr Design grundsätzlich nachvollziehbar? Wir schließen eine Vollzugsanalyse an: Wie wurde die Maßnahme in Anspruch genommen? Gibt es grundlegende Hemmnisse in der Ausgestaltung, die potentielle Antragsteller abhalten, eine Förderung in Anspruch zu nehmen? Liegt es an einem sehr komplexen Antragsverfahren oder schlichtweg daran, dass der Bedarf in der Planung überschätzt wurde? Diese umsetzungsbezogenen Fragen spielen vor allem zu Beginn der Förderphase eine wichtige Rolle. Später in der Programmlaufzeit geht es um die Wirkung und Effizienz von Maßnahmen sowie um eine Gesamtschau aller Programmwirkungen. Dazu haben wir sogenannte Vertiefungsthemen konzipiert, mit denen sich sowohl maßnahmenbezogene Wirkungen zusammenfassen als auch Programmeffekte im Kontext der Gesamtentwicklung analysieren lassen. Wir bearbeiten die Themen Beschäftigung/Wachstum, Wasser/Klima und Lebensqualität. In einer Implementations(kosten)analyse ermitteln wir die Kosten der Umsetzung der Maßnahmen und Programme und stellen sie den erzielten Wirkungen gegenüber. Zudem analysieren wir, welche Faktoren in den Umsetzungsstrukturen die Fördereffizienz und die inhaltliche Qualität der Programme beeinflussen. EIN BEISPIEL: Das Angebot wohnortnaher Arbeitsplätze ist ein Problem in ländlichen Räumen Hessens. Teilweise sind Banken wenig interessiert, Kleinst- und Kleinunternehmen mit Krediten zu unterstützen. Im Rahmen des ländlichen Entwicklungsprogramms Hessens werden daher Zuschüsse für Existenzgründungen und Betriebserweiterungen gewährt. Die geförderten Projekte sind vielfältig: Druckerei, Praxis für Ernährungstherapie oder Waldseilgarten. Klar ist, dass angesichts der geringen Zahl von Projekten kein messbarer Effekt auf das Arbeitsplatzangebot in ländlichen Räumen beobachtet werden kann, zumal bei dem ein oder anderen Projekt auch kritisch gefragt werden muss, ob der geschaffene Arbeitsplatz wirklich ein zusätzlicher Arbeitsplatz ist. Noch problematischer ist die Maßnahme aber, wenn man sich die Verwaltungskosten für ihre Umsetzung anschaut. Für einen Euro Fördermittel müssen 46 Cent an Verwaltungskosten aufgebracht werden. Da jedes Projekt sehr individuell ist, lassen sich die von der EU geforderten Kontroll- und Prüfpfade kaum standardisieren. Gepaart mit einem geringen Finanzvolumen kommt die Maßnahme der Verwaltung teuer zu stehen. Fazit: Die Projekte sollten unter Arbeitsplatzgesichtspunkten besser ausgewählt werden. Eine Finanzierung ohne EU-Mittel und damit ohne hoch formalisierte Kontroll- und Prüfpfade würde die Kosten für die umsetzenden Verwaltungen deutlich senken.

Daten und Methoden

Wir nutzen Daten der Förderverwaltung, der Umweltverwaltungen und der amtlichen Statistik. Zum Teil erhalten wir diese als Einzeldatensätze, zum Teil für unsere Zwecke aufbereitet und ausgewertet. Diese Daten reichen aber bei weitem nicht aus, um die Evaluierungsfragen zu beantworten. Um Informationslücken zu schließen, erheben wir deshalb weitere qualitative und quantitative Daten. Befragungen von Zuwendungsempfängern, Gruppendiskussionen, Expertengespräche oder regionale Fallstudien sind weitere wesentliche Datenquellen. Die Analysemethoden nutzen das breite Spektrum der empirischen Sozialforschung.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Maßnahmenbewertung fließen in unsere Evaluierungsberichte ein. Ergänzend gibt es maßnahmenbezogene Ausarbeitungen, die für die jeweilige Fachverwaltung und Fachöffentlichkeit von Interesse sind. Über Vertiefungsthemen wie Wasser oder Lebensqualität berichten wir ebenfalls separat. Dies gilt auch für die Implementations(kosten)analysen. Die Berichte sind auf der Projekt-Homepage unter www.eler-evaluierung.de verfügbar.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Ehemalige Thünen-Partner

  • Dickel, Regina - sie war bis April 2016 Mitarbeiterin in diesem Forschungsprojekt.
  • Moser, Andrea - sie war bis Dezember 2016 Mitarbeiterin in diesem Forschungsprojekt.
  • Spengler, Martin - er war bis Dezember 2016 Mitarbeiter in diesem Forschungsprojekt.

Beteiligte externe Thünen-Partner

  • entera
    (Hannover, Deutschland)

Zeitraum

11.2006 - 6.2017

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

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  1. Pollermann K, Raue P, Schnaut G (2014) Demographic change: challenges and actions in rural development policy. In: Diverse regions: building resilient communities and territories : Annual European Conference ; Sunday 15th - Wednesday 18th June 2014 ; Dokuz Eylül University, Faculty of Business, Izmir, Turkey. Izmir: Dokuz Eylül University, pp 107-108
  2. Fährmann B, Schnaut G, Raue P (2014) Interview: "Für fondsübergreifende Ansätze müssen die Ressorts aufeinander zugehen und gemeinsame Strukturen schaffen". LandInForm(2):22-23
  3. Pollermann K (2013) Destination Governance aus empirischer Sicht : Analyse von tourismusbezogenen Governance-Arrangements und Schlussfolgerungen für die Praxis. In: Wöhler K, Saretzki A (eds) Governance von Destinationen : Neue Ansätze für die erfolgreiche Steuerung touristischer Zielgebiete . Berlin: Schmidt, pp 131-157
  4. Fährmann B, Grajewski R (2013) How expensive is the implementation of rural development programmes? Empirical results on implementation costs and their consideration in the evaluation of rural development programmes . Eur Rev Agric Econ 40(4):541-572, DOI:10.1093/erae/jbs045
  5. Raue P, Pollermann K, Schnaut G (2013) Place-making and Governance in LEADER [online]. In: Rural resilience and vulnerability: the rural as locus of solidarity and conflict in times of crisis : XXVth Congress of the European Society for Rural Sociology ; 29 July - 1 August 2013. Pisa: Laboratorio di studi rurali SISMONDI, pp 141-142, zu finden in <http://www.florenceesrs2013.com/wp-content/uploads/2013/08/ESRS2013_eProceedings_final.pdf > [zitiert am 21.11.2013]

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