5-Länder-Evaluierung: Tierschutzwirkungen

Projekt

Rinderstall (c) C. Weins
(© C. Weins)

Evaluierung von Tierschutzwirkungen der Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum für fünf Bundesländer für die Förderperiode 2014-2020

Am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft evaluieren wir für die Förderperiode 2014-2020 die Tierschutzwirkungen der Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum (EPLR) der Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen,  Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen.

Hintergrund und Zielsetzung

Verschiedene Fördermaßnahmen des EPLR wie zum Beispiel das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) oder die Förderung umwelt- und tiergerechter Haltungsverfahren haben eine Verbesserung der Tiergerechtheit zum Ziel. Wir überprüfen, ob sie dieses Ziel erreichen. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund: 

  • Sind die Maßnahmen grundsätzlich geeignet um Verbesserungen der Tiergerechtheit zu erreichen?
  • Welche Wirkungen entfalten die Maßnahmen bei den geförderten Betrieben?
  • Welchen Beitrag leisten die Maßnahmen, die Tiergerechtheit in der Nutztierhaltung zu verbessern und wie effizient sind sie?

Die Evaluierung der Tierschutzwirkungen ist eingebunden in die Gesamtevaluierung der ländlichen Entwicklungsprogramme.

Vorgehensweise

Um Wirkungen der verschiedenen Fördermaßnahmen zu bewerten, setzen wir unterschiedliche Methoden und Datenquellen ein.  Für die Evaluierung der Weideprämien in Nordrhein-Westfalen werden bspw. die Daten der Milchleistungsprüfung (MLP) ausgewertet, die Aussagen zu Gesundheitsaspekten (Euter- und Stoffwechselgesundheit) erlauben. Die erstmalige Umsetzung einer ergebnisorientierten Tierwohl-Maßnahme in Niedersachsen wird zunächst anhand von telefonischen und schriftlichen Befragungen  begleitet. Für die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen wird zudem die Auswertung von Tierschutzindikatoren aus dem Herkunfts-Informationssystem Tier (HIT) getestet.

Daten und Methoden

Für die Analysen werten wir Förderdaten (zum Beispiel zu Tierzahlen, Fördersummen) aber auch selbst erhobene Daten sowie Angaben aus statistischen Erhebungen aus. Neben quantitativen statistischen Methoden (deskriptive Statistik, multivariate Analysen) wenden wir auch qualitative Methoden (Gruppendiskussionen, Inhaltsanalysen) an.

Vorläufige Ergebnisse

Für die Evaluierung der ergebnisorientierten Tierwohl-Maßnahme für Mastschweine („Ringelschwanzprämie“) und der handlungsorientierten Legehennen-Maßnahme in Niedersachsen wurden in den Jahren 2017/2018 schriftliche Befragungen bei teilnehmenden Betrieben durchgeführt. Aus diesen Erhebungen konnten folgende Erkenntnisse gewonnen sowie Schlussfolgerungen und Empfehlungen abgeleitet werden:

  • Die teilnehmenden Betriebe waren mit der administrative Umsetzung dieser neuen Fördermaßnahmen überwiegend zufrieden.
  • Bei der Legehennen-Maßnahme war der Anteil der Betriebe, die Anpassungen vornehmen musste, um an der Maßnahme teilnehmen zu können, deutlich geringer als bei der Ringelschwanzprämie. Dies deutet auf hohe Mitnahmeeffekte bei der Legehennen-Maßnahme hin, die unter anderem auf den hohen Anteil (ca. 70 %) ökologisch wirtschaftender Betriebe zurückzuführen sind. Diese Betriebe erfüllen den Großteil der Haltungsvorgaben per se.
  • Die Richtlinie der Legehennen-Maßnahme beschränkt sich auf handlungsorientierte Vorgaben zu Platzangebot, Fütterung, Beschäftigung etc. Durch das Fehlen eines ergebnisorientierten Indikators haben auch Betriebe Zahlungen für eine tiergerechte Haltung erhalten, in denen es in hohem Umfang zu Federpicken und Kannibalismus kam. Daher wird eine Einbeziehung ergebnisorientierter Komponenten in die Fördermaßnahme empfohlen.
  • Bei der Ringelschwanzprämie existiert diese ergebnisorientierte Ausrichtung bereits. Sie stellt einen guten Ansatz dar, um das tatsächliche Ziel der Förderung „intakte Tiere“ zu erreichen. Allerdings wird mit dem Grenzwert von 70 % intakte Tiere in Kauf genommen, dass bis zu 30 % der Tiere unter zum Teil schmerzhaften Verletzungen leiden, so dass hier Anpassungen empfohlen werden.
  • Von den an der Ringelschwanzprämie teilnehmenden Betrieben hatten solche mit konventionellen Haltungsverfahren (Vollspaltenbuchten) deutlich mehr Probleme einen hohen Anteil intakter Schwänze zu erreichen, als Betriebe mit eingestreuten Systemen. Die wissenschaftliche Literatur sowie Praxis-Projekte zum Schwanzbeißen bestätigen dieses Ergebnis. Daher ist zu diskutieren, ob die Maßnahme um Vorgaben erweitert werden sollte, die die Voraussetzungen für die Haltung intakter Tiere definieren.

Links und Downloads

www.eler-evaluierung.de

www.thuenen.de/index.php

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

5.2015 - 12.2024

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft