Aktuelle Ergebnisse – die Thünen-Baseline 2017–2027

Im Folgenden stellen wir Ihnen ausgewählte Ergebnisse der Thünen-Baseline 2017-2027 vor. Unsere Projektion des Zeitraums 2017–2027 beruht

  •  auf den im Juni 2017 vorliegenden Daten und Informationen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung,
  • auf der Annahme, dass die derzeitige Agrarpolitik beibehalten wird bzw. bereits beschlossene Politikänderungen wie geplant umgesetzt werden.

Die Thünen-Baseline stellt keine Prognose der Zukunft dar, sondern beschreibt die erwarteten Entwick-lungen unter bestimmten Annahmen zur Entwicklung exogener Faktoren und Politiken. Dargestellt werden durchschnittliche mittelfristige Entwicklungen. Jahresspezifische Auswirkungen von Extremwetterereignissen oder Preisschwankungen werden in der Baseline nicht abgebildet. Die Thünen-Baseline stellt primär ein Referenzszenario für die Analyse der Auswirkungen alternativer Politiken und Entwicklungen dar.

In der Projektion der aktuellen Thünen-Baseline gewinnt der Weltagrarhandel weiter an Bedeutung, der Anteil der EU am Weltagrarhandel geht jedoch zwischen 2015 und 2027 um 5 % zurück. Gleichwohl nimmt der EU-Extrahandel mit Agrarerzeugnissen bis 2027 um ca. 15 % zu. Verglichen mit dem EU-Intrahandel wird damit der Agrarhandel mit Drittstaaten immer wichtiger. Besonders stark steigen die Exporte (+14 Mrd. €) in den asiatischen Raum, insbesondere von Schweine- und Geflügelfleisch, Getreide und Milchprodukten. Die Zunahme der Nettoimporte (+5 Mrd. €) von Obst und Gemüse sowie Rindfleisch aus Zentral- und Südamerika ist vor allem auf die Umsetzung weiterer Handelsabkommen mit Zentralamerika zurückzuführen.

Die Erzeugerpreisentwicklung in Deutschland wird in der Baseline durch den unterstellten Wechselkurs mit einem etwas stärkeren Euro (1,22 $/€ in 2027) und den bei vielen Produkten verhaltenen Vorgaben des Weltmarkts bestimmt. Die Getreidepreise erholen sich angesichts hoher Lagerbestände und einem reduzierten Anstieg der Futternachfrage nur langsam. Der Weizenpreis liegt in der Thünen-Baseline bei 166 €/t in 2027. Die projizierten Rapspreise stabilisieren sich mit 358 €/t auf dem Niveau der Jahre 2014 bis 2016. Im Zuge des Wegfalls der Produktionsquoten für Zucker sinkt der Zuckerpreis und liegt im Zieljahr 2027 mit 409 €/t nur leicht oberhalb der EU-Referenzschwelle von 404 €/t. Der Rübenpreis beträgt im Zieljahr 34 €/t. Bei Milchprodukten dominieren trotz der momentanen Konsolidierungsphase nach Auslaufen der Quotenregelung langfristig die günstigen Absatzaussichten auf den globalen Märkten die Entwicklung. Der Milcherzeugerpreis beträgt daher am Ende der Projektionsperiode knapp 35 ct/kg Milch. Die Preise für Fleisch entwickeln sich angesichts der Abschwächung der weltweiten Nachfrage in der Regel sehr verhalten. Für Schweinefleisch liegt der Erzeugerpreis aufgrund der Aufwertung des Euros und der schwachen Inlandsnachfrage in der Projektion bei 1,53 €/kg in 2027, die Geflügel- und Rindfleischpreise stagnieren.

Die Nachfrage nach Getreide und Ölsaaten in Deutschland stagniert im Projektionszeitraum, wobei die Verwendung von Mais als Futtermittel leicht zu Ungunsten der Gerste steigt. Dahingegen sinkt die Nachfrage nach Rapsöl aufgrund der reduzierten Verwendung für Biodiesel um 3 % bis 2027. Aufgrund von Substitutionseffekten steigt die Nachfrage nach Rapsschrot (+7 %) während die Nachfrage nach Sojaschrot zurückgeht (-8 %). In der Thünen-Baseline steigt die Rübenverwendung im ersten Jahr ohne Quote deutlich an und entwickelt sich dann über die Projektionsperiode leicht rückläufig. Ursache hierfür ist unter anderem ein Rückgang der Verwendung von Rüben für die Ethanolproduktion. Die Nachfrage nach Zucker bleibt weitgehend konstant auf einem Niveau von 3 Mio. t. Die meisten tierischen Erzeugnisse sind durch nur sehr moderat steigende Inlandsverwendungen im projizierten Zeitraum 2017 bis 2027 gekennzeichnet, getragen durch ein moderates Wirtschaftswachstum und einen leichten Zuwachs der Bevölkerung. Vor allem Geflügelfleisch profitiert noch von einer weiterhin steigenden Nachfrage, während der Verbrauch von Schweinefleisch weiter rückläufig ist. Der Zuwachs im Absatz von Käse und Milchpulver hält an, auch Butter und Sahne werden insgesamt stärker nachgefragt. Hingegen stagniert die Verwendung von Trinkmilch und anderen frischen Milcherzeugnissen.

Der Ertragsanstieg lässt die Produktion von Getreide bei kaum verändertem Anbauumfang bis 2027 um rund 7 % (+3,5 Mio. t) auf fast 53 Mio. t ansteigen. Innerhalb der Getreidearten kommt es in Folge unterschiedlicher Preisentwicklungen zu Verschiebungen der Anbauflächen. Während der Roggenanbau im Betrachtungszeitraum um rund 15 % ausgedehnt wird, wird der Gerstenanbau um rund 3 % eingeschränkt. Der Ölsaatenanbau verliert bedingt durch eine im Vergleich zum Getreide schwächere Preisentwicklung erheblich an Wettbewerbsfähigkeit. Als Folge reduziert sich die Ölsaatenfläche im Vergleich zum Ausgangsjahr mit -15 % deutlich. Die mit dem EEG 2017 eingeleitete Veränderung in der Nachfrage nach Gärsubstraten führt zu einer erheblichen Reduzierung des Energiemaisanbaus (-23 %) und trägt mit bei zu einer Ausdehnung des sonstigen Ackerfutteranbaus (+32 %).

Die Milcherzeugung wird in der Baseline bis zum Jahr 2027 aufgrund steigender Milchpreise auf rund 37,5 Mio. t ausgedehnt. Dies entspricht einem Anstieg der Milchproduktion gegenüber dem Zeitraum 2014 bis 2016 um rund 15 %. Der relativ starke Preisanstieg für Milch führt dazu, dass der Milchproduktionsrückgang, der in den vergangenen Jahren in einigen Mittelgebirgs- sowie Ackerbauregionen beobachtet werden konnte, in vielen Regionen gestoppt wird. Allerdings setzt sich die bereits in der Ex-post-Entwicklung beobachtete Tendenz einer regionalen Konzentration der Milcherzeugung fort. Eine überdurchschnittliche Ausdehnung der Milcherzeugung erfolgt in der Thünen-Baseline vor allem in den Küstenregionen, am Niederrhein, in einigen Mittelgebirgslagen sowie im Allgäu und Voralpenland. Die Rindfleischerzeugung nimmt ab (-9 %) und liegt in der Projektion bei rund 1,1 Mio. t im Jahr 2027. Die Schweine- und Geflügelfleischproduktion stagniert (+3 bzw. -1 %) als Folge verhaltener Preisentwicklungen und zunehmender umweltpolitischer Restriktionen.

Die reale Senkung der Erzeugerpreise für die meisten pflanzlichen Produkte sowie für Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch kann in der Baseline 2017 – 2027 in vielen Betrieben nicht durch Größenwachstum und Ertrags- und Leistungssteigerungen kompensiert werden. Im Vergleich zum Basisjahrzeitraum 2013/14 bis 2015/16 nimmt das durchschnittliche Betriebseinkommen pro Arbeitskraft um gut 3.000 € ab und liegt damit im Jahr 2027 nur auf dem mittleren Niveau der letzten fünfzehn Jahre. Die Einkommensentwicklung weist jedoch Unterschiede zwischen den Betriebsformen auf. In Ackerbaubetrieben liegt das Einkommen deutlich unter dem vergleichsweise hohen Niveau des Basiszeitraums, jedoch weiterhin über den mittleren Betriebseinkommen der anderen Betriebsformen. Milchviehbetriebe profitieren bei gegenüber dem Zeitraum 2014 – 2016 deutlich steigenden Erzeugerpreisen für Milch von einer starken Zunahme der durchschnittlichen betrieblichen Milcherzeugung. Sie können damit trotz höherer Aufwendungen insbesondere für Futtermittel sowie für den Unterhalt und die Abschreibung von Maschinen und Gebäuden das Einkommensniveau des Basiszeitraums halten. In den häufig kleineren und teilweise im Nebenerwerb geführten sonstigen Futterbaubetrieben nimmt das reale Betriebseinkommen pro Arbeitskraft bei real sinkenden Erzeugerpreisen für Rindfleisch weiter ab (-16 %). Der deutliche Rückgang der realen Schweinefleischpreise wirkt dämpfend auf die Einkommensentwicklung in Gemischt- und Veredlungsbetrieben. Zudem wirken sich bei diesen Betrieben die Auflagen der neuen Düngeverordnung besonders deutlich aus. Bei den getroffenen Annahmen sinkt das Einkommen gegenüber dem Basisjahrzeitraum um 10 % in den Gemischt- und 12 % in den Veredlungsbetrieben.

Anhand ausgewählter Umweltindikatoren werden Umwelteffekte der Landwirtschaft abgebildet. In der Projektion verändert sich die Nährstoffzufuhr aus Wirtschaftsdüngern bis 2027 kaum. Eine gestiegene Düngeeffizienz des Wirtschaftsdüngers lässt den Einsatz von mineralischem Stickstoff von 2014/16 bis 2027 trotz steigender Erträge und damit einhergehend steigender Stickstoffentzüge über das Erntegut um rund 4 kg N pro ha LF absinken. Insgesamt sinkt somit nach den Modellanalysen der sektorale Flächenbilanzsaldo für Stickstoff bis zum Jahr 2027 gegenüber 2014/16 um 16 % auf rund 58 kg N pro ha LF. Die Vorgaben der Düngeverordnung tragen entscheidend dazu bei, dass die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft in der Thünen-Baseline gegenüber dem Mittelwert der Jahre 2014 bis 2016 um gut 13 % zurückgehen. Sie liegen damit im Jahr 2027 unter der dann nach der neuen NEC-Richtlinie geltenden Obergrenze. Zur Erreichung des ab dem Jahr 2030 geltenden Minderungsziels müssen die Ammoniakemissionen jedoch bezogen auf den projizierten Wert in 2027 um weitere 23 % verringert werden. Die Treibhausgasemissionen aus dem Agrarsektor steigen in der Baseline-Projektion gegenüber 2016 leicht auf 66 Mio. t CO2-Äquivalente an.

In der Thünen-Baseline 2017 – 2027 führen die verhaltenen Aussichten auf dem Weltagrarmarkt in Kombination mit einem wiedererstarkenden Euro dazu, dass die Preise für die meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse real zurückgehen. Eine Ausnahme stellen Milchprodukte dar, bei denen eine starke Exportnachfrage den Milchpreis stützt. Die Einkommen vieler Betriebe in Deutschland liegen daher eher unterhalb der Einkommen des Basiszeitraums 2014 bis 2016. Jedoch zeigt eine Variationsrechnung, die einen anhaltend schwachen Euro unterstellt, wie stark gerade die exportorientierten Sektoren von der Entwicklung gesamtwirtschaftlicher Kennzahlen abhängig sind.


Publikationen:

Offermann F, Banse M, Freund F, Haß M, Kreins P, Laquai V, Osterburg B, Pelikan J, Rösemann C, Salamon P (2018) Thünen-Baseline 2017 - 2027: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 116 p, Thünen Rep 56

Offermann F, Banse M, Deblitz C, Gocht A,Gonzalez-Mellado A, Kreins P, Marquardt S, Osterburg B, Janine Pelikan J, Rösemann C, Salamon P, Sanders J (2016) Thünen-Baseline 2015 – 2025: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland.
Braunschweig: Thünen-Institut, Thünen Rep 40

Offermann F, Banse M, Deblitz C, Gocht A, Gonzalez Mellado AA, Kreins P, Marquardt S, Osterburg B, Pelikan J, Rösemann C, Salamon P, Sanders J (2016) Thünen Baseline 2015 - 2025: Agri-economic projections for Germany.
Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 66(4):240-257

Offermann F, Banse M, Deblitz C, Gocht A, Gonzalez Mellado AA, Kreins P, Marquardt S, Osterburg B, Pelikan J, Rösemann C, Salamon P, Sanders J (2016) Thünen-Baseline 2015-2025: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland.
Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 116 p, Thünen Rep 40

Offermann F, Deblitz C, Golla B, Gömann H, Haenel H-D, Kleinhanß W, Kreins P, Ledebur O von, Osterburg B, Pelikan J, Röder N, Rösemann C, Salamon P, Sanders J, Witte T de (2014) Thünen-Baseline 2013-2023: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland.
Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 112 p, Thünen Rep 19

Offermann F, Deblitz C, Golla B, Gömann H, Haenel H-D, Kleinhanß W, Kreins P, Ledebur O von, Osterburg B, Pelikan J, Röder N, Rösemann C, Salamon P, Sanders J, Witte T de (2014) Thünen-Baseline 2013-2023: Agri-economic projections for Germany.
Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 64(1):1-16

Offermann F, Banse M, Ehrmann M, Gocht A, Gömann H, Haenel H-D, Kleinhanß W, Kreins P, Ledebur O von, Osterburg B, Pelikan J, Rösemann C, Salamon P, Sanders J (2012) vTI-Baseline 2011-2021: agrarökonomische Projektionen für Deutschland.
Braunschweig: vTI, 82 p, Landbauforsch SH 355

Offermann F, Banse M, Ehrmann M, Gocht A, Gömann H, Haenel H-D, Kleinhanß W, Kreins P, Ledebur O von, Osterburg B, Pelikan J, Rösemann C, Salamon P, Sanders J (2012) vTI-Baseline 2011-2021: Agri-economic projections for Germany.
Braunschweig: vTI, VI, 78 p, Landbauforsch SH 358

Offermann F, Gömann H, Kleinhanß W, Kreins P, Ledebur O von, Osterburg B, Pelikan J, Salamon P, Sanders J (2010) vTI-Baseline 2009 - 2019: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland.
Braunschweig: vTI, 88 p, Landbauforsch SH 333

Offermann F, Gömann H, Kreins P, Ledebur O von, Pelikan J, Salamon P, Sanders J (2010) vTI-Baseline 2009 to 2019: Agri-economic projections for Germany.
Landbauforsch 60(3):157-172

Offermann F, Brockmeier M, Gömann H, Kleinhanß W, Kreins P, Ledebur O von, Osterburg B, Pelikan J, Salamon P (2009) vTI-Baseline 2008.
Braunschweig: vTI, 50 p, Landbauforsch SH 325