Fünf Jahre EUTR und Thünen-Kompetenzzentrum

Voller Hörsaal bei der EUTR-Veranstaltung (© Thünen-Institut/Christina Waitkus)

Fünf Jahre Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR), gleichzeitig fünfjähriges Bestehen des Thünen-Kompetenzzentrums Holzherkünfte: Das war Anlass für die internationale Veranstaltung „Holzhandel und Walderhaltung“ am 8./9. Oktober 2018 im Thünen-Institut in Hamburg, zu der das Bundeslandwirtschaftsministerium Teilnehmer aus Deutschland, anderen EU-Mitgliedstaaten, der EU-Kommission und den USA eingeladen hatte. Die Tagung beleuchtete die bislang gemachten Erfahrungen, um daraus Schlüsse für eine erfolgreiche Weiterentwicklung zu ziehen.


Fünf Jahre nach Inkrafttreten gebe es Licht und Schatten bei der Umsetzung, so Matthias Schwoerer vom BMEL in seinem Grußwort. So habe die Umsetzung in Deutschland und den anderen EU Mitgliedstaaten inzwischen klare Fortschritte gemacht, doch die gleichmäßige Anwendung der Vorschriften innerhalb der EU bleibe eine Herausforderung. Dennoch, so betonte Tobias König vom Discounter LIDL, ist die Sensibilisierung für die Thematik bei Handelsunternehmen und in den Produzentenländern inzwischen deutlich gestiegen. Das wird auch durch die stetig wachsende Zahl an Prüfaufträgen deutlich, die das Kompetenzzentrum vor allen aus der Privatwirtschaft erhält (Holzhandelsunternehmen, Discounter, Baumärkte, Möbelbranche etc.). Laut Jörg Appel von der Kontrollbehörde BLE gab es in Deutschland 2017 rund 27.000 Marktteilnehmer, von denen aber der weit überwiegende Teil ihr Kerngeschäft in anderen Bereichen hat. Nur 380 Unternehmen deckten den Hauptteil des Marktvolumens ab. Doch auch die übrigen Unternehmen müssen die Anforderungen der EUTR (Bereitstellen von Information, Risikobewertung, ggf. Risikominderung) erfüllen. Nur ein Viertel der durchgeführten Kontrollen war ohne Beanstandungen, häufig fehlten Unterlagen. Die Prüfungen entfalten aber Wirkung, was sich bei Nachprüfungen zeigte.

Noch immer wird die EUTR nicht in jedem EU-Mitgliedstaat gleichermaßen umgesetzt, was vor allem von beteiligten Unternehmen beklagt wird, die Wettbewerbsverzerrungen befürchten. Die Vertreterin der EU-Kommission bekräftigte, dass im Begleitausschuss der zuständigen Behörden in Brüssel intensiv daran gearbeitet werde. Auf Seiten der Staaten, die Tropenholz exportieren, stellen Korruption und mangelnder politischer Wille wesentliche Hindernisse für legalen Holzeinschlag und nachhaltige Holznutzung dar, berichtete Indra van Gisbergen von der Organisation FERN . Dennoch, so Tom van Loon von dem Unternehmen Interholco, sei es möglich und auch wünschenswert, legales und nachhaltig produziertes Tropenholz zu beziehen, denn bei entsprechenden Strukturen komme es der lokalen Wirtschaft und den dort beschäftigten Menschen zugute.

Eine vom Thünen-Institut durchgeführte Befragung zu den Auswirkungen der EUTR in Deutschland ergab, dass viele kleine und branchenfremde Marktteilnehmer noch nicht über die EUTR aufgeklärt sind. Von den informierten Marktteilnehmern haben 32 % ihre Handelspartner aus Exportländern (z.B. in Myanmar oder afrikanischen Staaten) gewechselt und 17 % ihre Sortimente angepasst (z.B. Verzicht auf Teak-Import). Die Holzimporte in die EU sind seit Einführung der EUTR gestiegen, doch klare Aussagen hinsichtlich der Holzhandelsentwicklung seit Inkrafttreten der EUTR sind bei Tropenholz noch nicht möglich. Die Methoden und Expertisen des Thünen-Kompetenzzentrums hinsichtlich der genetischen Arten- und Herkunftsbestimmung wie auch der anatomischen Bestimmung (vor allem bei Papier, Faserplatten und Holzkohle) wurden in den letzten Jahren weiterentwickelt.

Ein abendlicher Empfang auf einem Schiff im Hamburger Hafen ermöglichte zusätzliche Diskussionen und das Knüpfen von Kontakten abseits des Vortragsprogramms.

9. Oktober 2018, Vortragsfolien zum Download

Timber Trade and the EUTR
Holger Weimar, Georg Becher (Thünen Institute)

FLEGT: developments in Africa
Indra van Gisbergen (FERN)

Even Implementation of EUTR
Dörte Pardo-Lopez (European Commission)

EUTR implementation in United Kingdom
Deanne Hughes (Competent Authority UK)

EUTR implementation in Spain
Paloma Torroba Balmori (Competent Authority ES)

Sustainable supply of tropical timber
Gerhard Dieterle (International Tropical Timber Organization – ITTO)

Sustainable hardwood – Made in Africa: Our experience in forest management and timber trading
Tom van Loon (Interholco)

Supporting Lacey Act Compliance
Shelley Gardner (US Forest Service, US Department of Agriculture)

How EUTR and Lacey Act can support each other
Elinor Colbourn (Environmental Crimes Section, US Department of Justice)

Update on identification of timber origin with stable isotopes
Markus Boner (Agroisolab)

Status of Global Timber Tracking Network
Jo van Brusselen (EFI)