Die wissenschaftliche Holzsammlung (Xylothek) des Thünen-Instituts in Hamburg

1. Historische Entwicklung

Den Grundstock der Holzsammlung bilden einzelne Sammlungsstücke des 1931 in Tharandt (Sachsen) gegründeten „Instituts für Ausländische und Koloniale Forstwirtschaft“. Eine systematische Erfassung der Sammlungstücke begann jedoch erst 1945 an dem nach Reinbek bei Hamburg verlegten „Reichsinstitut für Ausländische und Koloniale Forstwirtschaft“ unter Leitung von Prof. E. Schmidt. Er begann, die damals schon ca. 4.000 Muster umfassende Sammlung zu katalogisieren und zu vergrößern.

Bis zu seinem Ausscheiden 1956 hatte sich der Bestand auf rund 9.500 Muster mehr als verdoppelt. Bereits zu dieser Zeit hatte die Sammlung keinen „musealen“ Charakter mehr, sondern war als ein wichtiges Arbeitsinstrument voll in die Holzforschung integriert. 1956 übernahm Dr. H. Gottwald als Kurator die Sammlung, die inzwischen Teil der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Reinbek, geworden war. Trotz vieler zusätzlicher Aufgaben gelang es H. Gottwald während der knapp drei Jahrzehnte unter seiner Verantwortung, die Sammlung als ein für die deutsche sowie internationale Holzforschung und Lehre unverzichtbares wissenschaftliches Instrument auszubauen. Durch den intensiv betriebenen internationalen Austausch mit anderen Institutionen und eigene Sammlungstätigkeit in vielen tropischen Ländern war der Bestand bis Ende 1983 auf ca. 18.000 Muster angewachsen. Noch wichtiger als der zahlenmäßige Ausbau war jedoch die mit großem Engagement betriebene Aufarbeitung der Sammlung für mikroskopische Untersuchungen, die zu einem weltweit wohl einzigartig hohen Bearbeitungsgrad führte (ca. 70 % aller Sammlungsmuster sind durch entsprechende Mikropräparate mehrfach belegt).

siehe Bildunterschrift
Dr. Koch nimmt gerade ein Holzstück aus einem Regal, in dem tausende Holzproben gelagert sind.

Von 1983 bis 2004 wurde die Holzsammlung von Dr. H-G. Richter betreut und in diesem Zeitraum umfassend mit Hilfe EDV-gestützter Datenverarbeitungsprogramme reorganisiert. Die gesamten bibliographischen Daten der mittlerweile auf fast 24.000 Muster angewachsenen Sammlung wurden von H-G. Richter in ein elektronisches Datenverarbeitungssystem übertragen, aus dem alle Informationen zeit- und kostensparend abgerufen werden können. Neuzugänge und die laufende Aktualisierung des bibliographischen Datenbestandes werden über dieses System abgewickelt.

Seit 2004 wird die Sammlung von PD Dr. G. Koch betreut und durch den wissenschaftlichen Austausch/Kontakt mit internationalen Forschungseinrichtungen kontinuierlich erweitert. Im Jahr 2008 wurde die bei „Holz-Sammlern“ als besonders ästhetisch und wertvoll bekannte Privat-Sammlung Dr. MAUTZ mit über 1.000 belegten Arten als Dauerleihgabe integriert. Seit 2013 sind die wissenschaftliche Holzsammlung und die Dublettensammlung mit zusätzlich ca. 6.000 Mustern eine wichtige Grundlage für die gesetzlichen und handelsrechtlichen Holzartenbestimmungen am Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte, das gleichzeitig mit dem Inkrafttreten der Europäischen Holz-handelsverordnung (EUTR) gegründet wurde.

2. Anwendung

Zu sehen ist ein beleuchteter Bildschirm, eine Hand und davon der Zeigefinger zeigt auf den abgebildeten Holzschnitt.
Ein mikroskopisches Präparat einer Holzprobe wird am Bildschirm untersucht. (© Ilja Hendel)

Die Sammlung ist die wichtigste Voraussetzung für die anatomische Holzartenbestimmung, einer national und international in großem Umfang gefragten Dienstleistung. Entsprechende Anfragen kommen überwiegend aus dem Bereich von Holzhandel und -industrie, von Behörden und von Privatleuten, die sich mit der Frage „Welches Holz ist das?“ aus den verschiedensten Gründen auseinandersetzen müssen. Zunehmend gilt dies auch für die im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) unter Schutz gestellten Handelshölzer.

Darüber hinaus dient die Sammlung der wissenschaftlichen Bearbeitung botanischer Gattungen oder Familien mit Beiträgen der Holzstruktur zu Taxonomie und Systematik und ist eine unerlässliche Grundlage für die am Thünen-Institut für Holzforschung erstellten Datenbanken zur computergestützten Holzartenbestimmung (Commercial Timbers, macroHOLZdata, CITESwoodID und softwoodID).

3. Statistik

  • Anzahl der Sammlungsmuster: ca. 35.000 (einschließlich Dublettensammlung)
  • Anzahl der Familien: ca. 245
  • Anzahl der Gattungen: ca. 2.400
  • Anzahl der Arten: ca. 11.300

Besonders umfangreich repräsentierte Pflanzenfamilien:

  • Boraginaceae
  • Dichapetalaceae
  • Dipterocarpaceae
  • Ebenaceae
  • Lauraceae
  • Fabaceae
  • Magnoliaceae
  • Monimiaceae
  • Myristicaceae
  • Palmae (Rattan Gattungen)

Wichtige eingegliederte Sammlungen:

Westafrika: JENTSCH, MILDBRAED, ZENKER (Kamerun); KERSTING (Togo); COOPER (Liberia); DETIENNE (Elfenbeinküste); DECHAMPS (Angola); BRETELER & al. (Dichapetalaceae)

Ostafrika: SCHLIEBEN (Tansania)

Süd- und Mittelamerika: OTS (Organisation of Tropical Studies, Costa Rica); TESSMANN (Peru); POVEDA (Costa Rica); KRUKOFF (Brasilien); SCHMIDT (Bolivien); SCHROEDER (Uruguay); EGGERS & BERGE (Karibik); STAHEL (Surinam)

Nordamerika: BWC Syracuse

Asien: KRUKOFF (Sumatra); GAMBLE (Indien); BZF Bogor (Indonesien)


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