Walther Herwig III, 369. Reise

Dauer:   7. Oktober bis 22. November 2013

Fahrtgebiet: Nordatlantik

Zweck der Reise: Bestandsuntersuchungen an grönländischen Grundfischbeständen und ozeanographisch/ klimatologische Untersuchungen

Das Forschungsprogramm umfasst fischereibiologische Untersuchungen der grönländischen Kabeljau- und Rotbarschbestände sowie anderer ökologisch wichtiger Grundfischarten als Grundlage für die Entwicklung von verbesserten Management- und Nutzungsstrategien. Die Repräsentativität der Untersuchungen wird für einige Arten durch den Einsatz hydroakustischer Messungen erweitert. Ziel der ozeanographischen Untersuchungen ist die Probenahme an den Fischereipositionen und an ausgewählten Transekten an internationalen Standardpositionen mittels CTD/Rosetten Systemen. Parallel zu den ozeanographischen Messungen werden Planktonbeprobungen durchgeführt. 

Reisebericht (PDF, englisch)

Seit 1982 wird die West- und Ostküste von Grönland jährlich nach einem standardisierten Fangprogramm beprobt. Das Untersuchungsgebiet ist in 14 Strata unterteilt. Die jeweils erste Nummer der Strata-Bezeichnungen gibt die geografische Lage an, die zweite Nummer die Fangtiefe (1 = 0-200 Meter; 2 = 201-400 Meter) (© Thünen-Institut)

Forschungsziele:

Dynamik des Kabeljaubestandes

Wie in den Vorjahren wird in den grönländischen Seegebieten die Größe und Struktur des Kabeljaubestandes ermittelt. Die vorgesehenen rund 100 Hols werden auf die in der Abbildung definierten Teiluntersuchungsgebiete (Strata) verteilt. Lediglich das Stratum 7.1 wurde bisher aufgrund seiner geringen Fläche nie beprobt und bleibt auch dieses Jahr wieder unberücksichtigt. Bei günstigem Fahrtverlauf werden auch neue Fischereipositionen mit dem Rockhoppergeschirr vor Ostgrönland (Stratum 6) untersucht.

Biologische Proben

Zur Berechnung der populationsdynamischen Parameter (Wachstum, Sterblichkeit, Reproduktion) werden die gefangenen Kabeljau vermessen sowie un- und ausgeschlachtet gewogen. Zusätzlich zur Geschlechts- und Reifebestimmung werden Proben von Gehörsteinen (Otolithen) für die spätere Altersbestimmung genommen.

Parasitologie/Schadstoffforschung

Im Rahmen von Vergleichsstudien werden Kabeljau und andere Fischarten parasitologisch  untersucht. Die Arbeiten werden durch das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) am Forschungszentrum Senckenberg koordiniert. Im Rahmen des Überwachungsprogramms zur Nahrungsmittelsicherheit werden schadstoffrelevante Beprobungen durchgeführt. Die Arbeiten werden durch das Max Rubner-Institut (MRI) durchgeführt.

Dynamik der Rotbarschbestände

Die Aufnahme von Daten über die Artenzusammensetzung, Länge, Gewicht, Otolithen,  Geschlechterverteilung und Geschlechtsreife der Bank-Rotbarsche (Sebastes marinus) und der Tiefsee-Rotbarsche (S. mentella) soll eine grobe Einschätzung der Bestandssituation ermöglichen. Während der Bestand an Bank-Rotbarschen in den vergangenen 15 Jahren starke Verluste um 95 % und wesentliche Größenreduzierungen seiner Individuen verzeichnete, waren seit 1993 juvenile Tiefsee-Rotbarsche < 30 cm vor Ostgrönland sehr häufig. Ihr Überleben und Wachstum werden die Erträge der traditionellen Rotbarschfischerei in den kommenden Jahren bestimmen.

Grundfischgemeinschaft

Zur Erfassung der Veränderungen in der Lebensgemeinschaft der Fische werden die Daten über Anzahl, Gewicht und Länge sämtlicher gefangenen Fischarten aufgenommen. Die Untersuchungen sollen Informationen über die Auswirkung der physikalischen Umweltparameter und Fischereiaktivitäten in dem Seegebiet vor Grönland liefern. Auf der Basis von Modellierungen der jährlichen Bestandsveränderungen ist der Fischereiaufwand als ein wesentlicher Wirkungsfaktor der drastischen Verluste sämtlicher Grundfischarten identifiziert worden.

Planktologische Untersuchungen

Die in 2009 begonnenen Untersuchungen zur Planktonverteilung sollen fortgesetzt werden. Die Proben werden außerhalb der fischereilich genutzten Tageszeit gewonnen.

Hydroakustische Untersuchungen

Entlang ausgewählter Schnitte und im Anschluss an die Fischereitätigkeiten sollen räumlich ausgedehnte hydroakustische Aufnahmen der Bodenfische erfolgen. Diese Werte dienen dazu, zusätzliche Informationen über den Kabeljaubestand zu erhalten, besonders in den Gebieten, in denen wegen der Bodenbeschaffenheit oder aus zeitlichen Gründen nicht getrawlt werden kann.

Ozeanographische Untersuchungen

Die ozeanographischen Messungen ermitteln auf jeder Fischereiposition die örtlichen Temperatur- und Salzgehaltsprofile bis in die bodennahe Wasserschicht mittels des CTD/Rosetten Systems.

Die Reise ist in einem See-Tagebuch beschrieben.

Wissenschaftliche Fahrtleitung: