Landwirtschaft: Vernebelt das Wetter den Blick auf andere Risiken?

Pressemitteilung

Neue Studie beleuchtet Ertrags-, Preis- und Einkommensrisiken landwirtschaftlicher Betriebe

Viele Landwirte standen in diesem Sommer wohl kopfschüttelnd vor ihren vertrockneten Feldern und werden sich gefragt haben, wie sie angesichts der Dauerdürre über die Runden kommen. Der größte Feind des Bauern ist das Wetter, heißt es häufig. Aber ist das wirklich so? Das Thünen-Institut hat in einer aktuellen Studie Antworten gegeben.

Risiken werden individuell sehr unterschiedlich und oft verzerrt wahrgenommen. Daher haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft Daten von mehr als 3.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland über einen Zeitraum von 20 Jahren ausgewertet. Dabei konnten sie bei vielen Anbaukulturen tatsächlich einen leichten Anstieg der Ertragsschwankungen beobachten. „Aber der Ertrag ist nur einer von vielen Faktoren, die das Einkommen eines landwirtschaftlichen Betriebes bestimmen“, sagt Agrarökonom Dr. Frank Offermann vom Thünen-Institut, der gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Duden die Studie durchgeführt hat. „Unsere Auswertungen zeigen zum Beispiel, dass die Preise mehr schwanken als die Erträge. Zudem hat das Preisrisiko für pflanzliche Produkte viel stärker zugenommen als das Ertragsrisiko.“

Die Ergebnisse zeigen auch, wie wichtig es ist, Einzelrisiken vor dem Hintergrund des gesamten landwirtschaftlichen Betriebes einzuordnen. In einem vielfältigen Betrieb kann der Ertragsausfall einer einzelnen Kultur oft aufgefangen werden. Auch fallen Schwankungen unterschiedlicher Einkommenskomponenten teilweise gegenläufig aus. So kann eine schlechte Ernte mit höheren Preisen einhergehen, ein Effekt, der je nach Kultur die Erlösschwankungen um 20 bis 40 % reduzierte. Ein Beispiel aus dem letzten Jahr: Durch die weitverbreiten Spätfröste fiel die Apfelernte zwar um 52 % gegenüber dem Vorjahr, gleichzeitig stiegen die Preise wegen des knappen Angebots aber um über 60 %. Auch zeigen die Analysen, dass niedrige Preise für die Ernteprodukte oft mit niedrigen Kosten für Betriebsmittel wie z. B. Dünger oder Futtermittel einhergingen. Dies milderte insbesondere in den Schweine- und Geflügelbetrieben die Auswirkungen von Preisschwankungen.

Also alles halb so schlimm? Mitnichten! Auch unabhängig von Extremwetter-Situationen ist das Einkommensrisiko in vielen landwirtschaftlichen Betrieben in den vergangenen 20 Jahren deutlich angestiegen. Im Vergleich zwischen den Betriebsformen weisen Milchviehbetriebe immer noch die niedrigsten Einkommensschwankungen auf, während sie in Schweine- und Geflügelbetrieben und Ackerbaubetrieben am stärksten ausgeprägt sind.

Für die Landwirte heißt das: Nicht immer ist das Wetter schuld. Ein effizientes Risikomanagement muss sich an der Situation des einzelnen Betriebes orientieren. „Dabei sollte das Augenmerk weniger auf einzelnen Einflussfaktoren liegen, sondern vielmehr auf den gesamtbetrieblichen, existenzgefährdenden Risiken“, gibt Frank Offermann zu bedenken.

Manche Landwirte, zum Beispiel in der Heide, sind in diesem Jahr übrigens mit einem blauen Auge davon gekommen. Sie konnten zumindest ihre Kartoffelfelder bewässern, und Kartoffeln haben dieses Jahr richtig gute Preise erzielt.

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Die Studie wird demnächst in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht.


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