Mindestlohn in Gartenbau und Landwirtschaft: Der Selektionsdruck nimmt zu

Pressemitteilung

Thünen-Institut legt Studie zu den Auswirkungen im ersten Jahr nach der Einführung vor

Beschäftigte bei der Kontrolle von Salatpflanzen (© Kathrin Strohm/Thünen-Institut)

Die Einführung des Mindestlohns hat in den landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben Deutschlands 2015 zu deutlichen Lohnerhöhungen geführt, stellt die Betriebe aber auch vor neue große Herausforderungen. Dies zeigt eine Studie des Thünen-Instituts auf der Grundlage einer bundesweiten Befragung in Betrieben. Probleme sahen die befragten Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter neben der Lohnhöhe vor allem in den gestiegenen Anforderungen an die Bürokratie. Hier geht es vor allem um den hohen Verwaltungsaufwand für Arbeitszeitaufzeichnungen, aber auch um zu unflexible Ausnahmeregelungen des Arbeitszeitgesetzes bei drohenden Ernteverlusten. Mit der gesetzlich festgeschriebenen Begrenzung  der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden sind viele Saisonarbeitskräfte unzufrieden, da sie während des kurzen Aufenthaltes in Deutschland möglichst viel verdienen möchten. Auch bei der Umsetzung von Leistungslohnsystemen und einer von den Mitarbeitern als gerecht empfundenen Lohndifferenzierung sahen die Befragten Schwierigkeiten.    

„Als Anpassung an den Mindestlohn stellen die Betriebe höhere Anforderungen an die Arbeitsleistung der Arbeitskräfte. Das wird den Umgang mit weniger leistungsfähigen Personen verändern“, berichtet die Autorin der Studie, Dr. Hildegard Garming vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft. Zum Anderen wird noch mehr als bisher in Mechanisierung investiert werden, um langfristig die Beschäftigung von Fremd- und Saisonarbeitskräften zu reduzieren. Verschiedene Betriebe planen auch, Flächen mit arbeitsintensiven Kulturen zu verringern. Das Sortenspektrum wird künftig stärker auf möglichst geringen Arbeitsaufwand bei Pflege und Ernte ausgerichtet werden.  

Thünen-Präsident Prof. Folkhard Isermeyer (l.) und Dr. Hildegard Garming, Mitarbeiterin am Thünen-Institut, bei der Übergabe des Berichts an Bundesminister Schmidt (r.) (© BMEL)

Die Löhne werden im Zeitraum bis 2018 stufenweise auf mindestens 9,10 €/Stunde ansteigen. In der Erzeugung von Obst und Gemüse führt dies in vielen Fällen zu einem deutlichen Anstieg der Produktionskosten. So ergaben Modellrechnungen anhand typischer Betriebe, dass gegenüber 2014 die Produktionskosten von Äpfeln um etwa 7 %, von Spargel um 12 % und von Erdbeeren um 16 % steigen werden. Inwieweit dies auf die Verbraucher überwälzt werden kann oder zu mehr Importen führt, bleibt abzuwarten.  

Die Studie, die im April an Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt übergeben wurde, ist inzwischen als Thünen Working Paper 53 veröffentlicht und kann auf der Webseite des Thünen-Instituts heruntergeladen werden.


Service zum Download

PDF der Pressemitteilung

Foto: Beschäftigte im Gemüsebau (© Kathrin Strohm/Thünen-Institut)

Foto: Übergabe an Bundesminister Schmidt (© BMEL)