Wald- und Holzforschung in Deutschland neu strukturieren

Pressemitteilung

Nationale Expert*innengruppe empfiehlt Einrichtung eines vernetzten nationalen Forschungszentrums

Gemeinsame Pressemitteilung von UFZ und Thünen-Institut

Herbstlicher Mischwald (© Katja Clemens)

Wälder sind von großer Bedeutung für den Naturhaushalt und erbringen vielfältige Ökosystemleistungen. Vor allem die Folgen des Klimawandels lassen diese Fähigkeiten jedoch zunehmend schwinden und stellen damit auch bisherige Bewirtschaftungskonzepte und Wertschöpfungsketten infrage. Vor diesem Hintergrund hat eine Expert*innengruppe im Auftrag der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie für Bildung und Forschung (BMBF) Vorschläge erarbeitet, um die nationale Forschung im Bereich Wald und Holz neu auszurichten und zu strukturieren. Unter anderem wird die Gründung eines nationalen Zentrums für Wald- und Holzforschung empfohlen. Das Konzept wurde am 15. September 2021 durch die Leiter der Expert*innengruppe, Prof. Folkhard Isermeyer (Thünen-Institut) und Prof. Georg Teutsch (UFZ), an die zuständigen Bundesministerien übergeben.

Anlass für die Einsetzung der Expert*innengruppe waren vor allem die Folgen des Klimawandels, die in vielen Wäldern deutlich sichtbar sind und die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen stellen. Um wissensbasiert darauf reagieren zu können, etwa bei der Abschätzung von Risiken oder der Entwicklung von Strategien für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern, ist Forschung gefragt.

Die Gruppe identifizierte vier Themenbereiche, in denen es mit Blick auf die Folgen des Klimawandels besonders wichtig erscheint, die Forschung zu stärken und gemeinsame Strategien für die Wald- und Holzwirtschaft in Deutschland zu entwickeln: (1) Zukunftskonzepte für die Waldbewirtschaftung, (2) Extremereignisse und Krisenmanagement, (3) Holzbasierte Bioökonomie und (4) Holz im Bauwesen.

Um konkrete, wissensbasierte Lösungsoptionen für die Wald- und Holzwirtschaft der Zukunft zu liefern, sollten die Forschungseinrichtungen neue Maßstäbe in der Kooperation untereinander setzen und dabei wissenschaftliche Exzellenz mit höchster praktischer Relevanz verbinden. Die Gruppe schlägt daher vor, ein nationales Zentrum für Wald- und Holzforschung einzurichten, das als vernetztes Zentrum errichtet und von den bereits bestehenden Forschungseinrichtungen in Deutschland gemeinsam getragen wird.

„Wir werden die Probleme nicht in den Griff bekommen, wenn wir uns nur darauf beschränken, die bisher üblichen Projektförderungen mit mehr Geld auszustatten. Deshalb zielt unser Konzept darauf ab, dass die Forschungseinrichtungen der Länder und des Bundes ihre Kräfte stärker als bisher bündeln und gemeinsam langfristige Forschungsstrategien entwickeln“, sagt Prof. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts.

Prof. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), ergänzt: „Ein solches nationales Forschungszentrum hätte das Potenzial, innovative wissenschaftsbasierte Lösungen für die großen Herausforderungen Klimaanpassung, Klimaschutz, Biodiversität und Bioökonomie unter einem Dach und damit integrativ zu entwickeln“.

Das Forschungszentrum soll in den oben genannten vier Themenbereichen gemeinsame Forschungsstrategien entwickeln, Projektförderung organisieren, hochwertige Infrastrukturen konzipieren und bestehende Infrastrukturen in die gemeinsame Nutzung integrieren. Diese Infrastrukturen werden von der Expert*innengruppe als ein Schlüsselfaktor für die künftige Leistungsfähigkeit der deutschen Wald- und Holzforschung gesehen. Neben bestehenden forstlichen Versuchsflächen, Datenbanken und Modellsystemen wird vorgeschlagen, drei Infrastrukturtypen zu etablieren:

  • Wald-Reallabore, in denen innovative Waldbehandlungskonzepte einer eingehenden wissenschaftlichen Analyse unterzogen werden. Parallel dazu soll ein deutschlandweites Praxisnetzwerk etabliert werden, um auf einer größeren Anzahl von Flächen Lösungskonzepte in Zusammenarbeit von Forschung und Praxis untersuchen zu können.
  • Digitale Räume, Syntheseplattformen, die die vielfältigen Datenbestände und -infrastrukturen der einzelnen Einrichtungen vernetzen und mit den neuen Datenquellen, etwa aus den Wald-Reallaboren oder der Fernerkundung verbinden. In einem gemeinsamen Auswertungsraum sollen Methoden und Werkzeuge (z.B. Statistik, Künstliche Intelligenz, Modelle) bereitgestellt und ausgetauscht werden.
  • Capacity building. Forschungsergebnisse müssen für verschiedene Zielgruppen (auch innerhalb der Wissenschaft) „übersetzt“ werden und gut verwertbar sein. Konzepte und Materialen für Aus- und Weiterbildung, Wissenstransfer in die Praxis oder Graduiertenschulen können gemeinsam und in sinnvoller Arbeitsteilung effizienter entwickelt werden.