Institut für

Fischereiökologie

Plastik in Fischen - ein Problem?

Mikroplastikpartikel (© Jason Isigkeit / Thünen Institut)

Experteneinschätzung

Heute wissen wir, dass Meeresmüll in Europa zu 70-80 % aus Plastik besteht. Wir wissen auch, dass sich dieses Material nur langsam zersetzt und daher sehr langlebig ist. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr ca. 4,8 Mio t neuer Plastikmüll die Weltmeere erreicht. Dabei ist es nicht so sehr das Makroplastik wie Plastiktüten und Strohhalme, über das sich Ökologen Gedanken machen, sondern eher die kleinen Partikel – das Mikro- und Nanoplastik. Denn diese Partikel können von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen werden.

  • Makroplastik >5 mm
  • Mikroplastik 0,1 bis 5000 µm (= 5 mm)
  • Nanoplastik 0,001 bis 0,1 µm

Mikroplastik

Dass Mikroplastik von Fischen aufgenommen wird, ist bekannt: Man hat es im Verdauungstrakt von Meeresfischen gefunden. Dazu gehören wichtige Konsumfischarten wie Dorsch, Makrele, Flunder und Wittling. Was man in den Fischmägen findet sind meist nur wenige Partikel (einer oder zwei), aber das ist nicht nur abhängig von der Fischart und dem Fangort, sondern auch von der betrachteten Größe der Kunststoffpartikel (und auch von der eingesetzten Nachweismethode). Für Mikroplastik in der Meeresumwelt gilt: Man findet mehr Partikel, wenn man sich auf ein kleineres Größenspektrum fokussiert. Systematische Untersuchungen zu diesem Thema gibt es bisher allerdings nur wenige. Das Thünen-Forschungsprojekt PlasM widmet sich unter anderem dieser Frage.

Ob der Konsum solcher Fische ein Problem für den Verbraucher darstellt, ist nicht klar. Wenn wir aber bedenken, dass der Verdauungstrakt von Fischen mit Ausnahme einiger Kleinfischarten (z. B. Sprotte, Sardelle) nur selten mitgegessen wird und die Zahl der Partikel im Fisch niedrig ist, kann man das Risiko, das von Mikroplastik in Fisch ausgeht, als gering einstufen. Ob Mikroplastik in das Muskelgewebe der Fische übertreten kann und mit dem Filet auf unseren Teller gelangt, wird gerade weltweit intensiv untersucht. Bisher ist allerdings kein positiver Befund von Mikroplastik im Muskelgewebe von Speisefischen bekannt.

Nanoplastik

Unsere Kenntnisse über Nanoplastik sind deutlich spärlicher, da dieses kleinere Plastik analytisch nur mit hohem Aufwand zu erfassen ist. Deshalb wird es (noch) nicht von vielen Arbeitsgruppen beforscht. Auch hier gilt das Prinzip, dass man höhere Partikelzahlen findet, je kleiner das betrachtete Nanoplastik ist – zum Beispiel im Meeresboden. Fische, die Mikroplastik aufnehmen, haben es u. U. mit Nahrung verwechselt – das wird bei Nanoplastik aufgrund der geringen Größe kaum passieren, aber passiv kann Nanoplastik trotzdem vom Fisch aufgenommen werden. Anders als beim Mikroplastik steht Nanoplastik in Verdacht, auch in die inneren Organe und in die Muskulatur zu gelangen. Bewiesen ist diese Hypothese an frei lebenden Meeresfischen jedoch noch nicht. Aber es gibt Laborstudien mit Muscheln, Copepoden und Fischeiern, die vermuten lassen, dass Nanoplastik aufgenommen wird. In einzelnen Laborstudien konnte Nanoplastik auch in Organen von Fischen nachgewiesen werden:

  • Aufnahme von Nanoplastik in die Leber von Zebrabärblingen aus dem umgebenden Wasser; Lu et al. (2016)
  • Aufnahme von Nanoplastik aus der Nahrung ins Gehirn einer Karpfenart (Karauschen); Mattson et al. (2017)

Ulrike Kammann, Thomas Lang, Thünen-Institut

zum Weiterlesen

Lu Y, Zhang Y, Deng Y, Jiang W, Zhao Y, Geng J, Ding L, Ren H (2016) Uptake and Accumulation of Polystyrene Microplastics in Zebrafish (Danio rerio) and Toxic Effects in Liver. Environmental Science & Technology 50(7): 4054-4060

Mattsson K, Johnson EV, A, S, Hansson L-A, Cedervall T (2017) Brain damage and behavioural disorders in fish induced by plastic nanoparticles delivered through the food chain. Scientific Reports 7: 11452