Institut für

Fischereiökologie

Reproduktionsbiologie des Europäischen Aals

Der Europäische Aal ist eine Fischart mit einem außergewöhnlichen Lebenszyklus. Doch die Bestandssituation des Aals wird seit geraumer Zeit mit großer Sorge betrachtet. Bis heute ist nicht endgültig geklärt, warum die Rekrutierung von Nachkommen, sogenannter Glasaale, über 30 Jahre stark rückläufig war und welche Maßnahmen geeignet sind, um auch zukünftig eine nachhaltige Nutzung dieser für die Binnen- und Küstenfischerei bedeutenden Art zu gewährleisten.

Die größten Wissensdefizite bestehen bei der Reproduktionsbiologie und den ozeanischen Lebensstadien. Um Antworten auf die offenen Fragen zu erlangen, untersuchen wir regelmäßig die Verbreitung der Larven in der Sargassosee, dem tausende von Kilometern entfernten Laichgebiet des Europäischen Aals im westlichen Atlantik. Dort ergründen wir unter anderem, inwieweit ozeanische Faktoren das Vorkommen und die Verteilung der Aallarven beeinflussen und versuchen Einblicke in die Ernährung der Aallarven zu erlangen. Wir studieren auch das Verhalten von Aalen während der marinen Phase der Laichwanderung.

Die Felduntersuchungen werden zukünftig verstärkt durch Laborexperimente begleitet, wie beispielsweise mit Druckkammer-Schwimmtunneln, in denen eine Abschätzung des Einflusses externer Faktoren (z. B. Druck, Schadstoffe, Parasiten) auf den Energieverbrauch und die Gonadenreifung von Blankaalen erreicht werden soll. Darüber hinaus versuchen wir am Thünen-Institut für Fischereiökologie in einer mehrjährigen experimentellen Studie, Aale in Gefangenschaft zur Reife zu bringen und fressfähige Larven zu gewinnen, um in Kooperation mit mehreren Partnerinstitutionen neu entwickelte Futtermittel zu testen und Fragen der maternalen Übertragung von Schadstoffen auf Eier und Embryonen zu klären.

Das gewonnene Wissen soll dazu beitragen, Schwankungen im Aufkommen von Glasaalen besser zu erklären und kann darüber hinaus auch helfen, die kontrollierte Reproduktion von Aalen voranzutreiben.

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