Institut für

Fischereiökologie

Biodiversität und Wanderfische

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist ebenso wie der Schutz und die nachhaltige Nutzung aquatischer genetischer Ressourcen erklärtes Ziel der Bundesregierung. Dabei geht es aber nicht nur um Nord- und Ostsee. Durch den verstärkten Handel mit Fisch und anderen Meeresprodukten kommen immer wieder Arten auch auf den deutschen Markt, über deren Biologie und Verbreitung nur wenig bekannt ist oder deren Bestände gar als gefährdet gelten.

Weltweit gibt es etwa 33.000 Fischarten, von denen etwa 7000 einer menschlichen Nutzung unterliegen – Tendenz steigend. Deren Unterscheidung basiert oft nur auf einigen wenigen Merkmalen und bedarf häufig  Expertenwissens. Doch sowohl in Hinsicht auf Produktqualität und damit Verbraucherschutz als auch im Sinne der Rückverfolgbarkeit von Fisch und Fischereiprodukten aus dem Blickwinkel des Bestandsschutzes ist es notwendig, Fische möglichst eindeutig zu erkennen und auch deren geographische Herkunft überprüfen zu können. Auch bei prozessierten Fischprodukten, wie etwa Filets und Dosenware, muss eine Kontrollmöglichkeit in Hinblick auf eine korrekte Etikettierung gewahrt werden. Am Institut für Fischereiökologie arbeiten wir dank unserer Expertise in der Fischerkennung, Laboranalytik und Fischgenetik vor allem an der Entwicklung von genetischen Markern zur Arterkennung ebenso wie zur Bestandsdifferenzierung wichtiger Modellarten, wie Sprotten und Heringen, aber auch Eis- und Thunfischen. Einen wichtigen und biologisch besonders interessanten Teil des aquatischen Arteninventars stellen Wanderfische dar. Um ihre Laichplätze aufzusuchen oder ihre Futtergründe zu erreichen, legen viele Fischarten lange und strapaziöse Wanderungen zurück und überwinden dabei zum Teil gewaltige Distanzen und große Hindernisse. Solche Fischarten, die zwischen Salz- und Süßwasser wechseln, sogenannte diadrome Arten, sind dabei oftmals besonders anfällig für menschliche Einflüsse, wie der Verbauung und Zergliederung von Flüssen, Überfischung oder auch klimatischen Veränderungen. Daraus ergeben sich besondere Herausforderungen für das Bestandsmanagement, häufig verbunden mit einer internationalen Koordination von Schutzmaßnahmen und nachhaltigen Nutzungsstrategien. Am Thünen-Institut für Fischereiökologie beschäftigen wir uns mit unterschiedlichsten Fragestellungen zu Biologie, Ökologie, Verhalten, Schutz und Nutzung von ökologisch und ökonomisch bedeutenden Wanderfischarten. Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt dabei auf der Untersuchung der verschiedenen Lebensstadien des Europäischen Aals (Anguilla anguilla), dessen Bestand bereits seit Jahren als außerhalb biologisch sicherer Grenzen und damit als gefährdet eingestuft wird. Sowohl mit Feld- als auch mit Laborexperimenten arbeiten wir daran, den Lebenszyklus und die bestandsbeeinflussenden Faktoren und Mechanismen besser zu verstehen und damit die Grundlagen für ein nachhaltiges Bestandsmanagement dieser Art zu entwickeln.

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Forschungsbedarf zu Schadstoffen im Aal

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Neuer Übersichtsartikel erschienen

Schadstoffe im Aal: angedeutet sind Formeln von 2,3,7,8-Tetrachlor-dibenzodioxin und PCB 126 (ein Kongener aus der Gruppe der polychlorierten Biphenyle). Dies sind Beispiele für toxische Substanzen, die sich im Aal und seinen Eiern anreichern. (© Marko Freese / Thünen-Institut)

 

Der Europäische Aal ist eine bedrohte Tierart. Sein Bestand ist seit den 1980er Jahren dramatisch eingebrochen. Die Ursachen für diese besorgniserregende Bestandsentwicklung sind immer noch nicht vollständig geklärt. Als eine der möglichen Ursachen gilt die Verschmutzung der Gewässer mit langlebigen Schadstoffen, die sich über Jahre in dieser besonders fettreichen Fischart anreichern. Die Auswirkungen dieser Schadstoffe entfalten sich beim Europäischen Aal möglicherweise erst während seiner Laichwanderung in die Sargassosee sowie bei der nachfolgenden Generartion während der Entwicklung im Ei und sind entsprechend schwer zu fassen.

In einem neu erschienenen Übersichtsartikel (Review) bewerten Experten in der Schadstoffforschung am Aal aus Belgien, Kanada, Frankreich und vom deutschen Thünen-Institut das Thema im Licht neuester Forschungsergebnisse und arbeiten sieben Forschungsansätze für die Zukunft heraus, um die mögliche Wirkung von Schadstoffen auf den Aalbestand besser zu verstehen und ggf. Maßnahmen im Aalmanagement zu ergreifen.

Einer dieser Ansätze umfasst Untersuchungen zu Schadstoffkonzentrationen in den Reproduktionsorganen des Europäischen Aals während der Gonadenreifung und damit verbunden die Erforschung der Schadstoffdynamik innerhalb des Organismus während der Laichwanderung in die Sargassosee. Das Thünen-Institut unterhält zu diesem Thema ein laufendes Forschungsprojekt und ist in weiteren Aspekten der Aalforschung aktiv.

Belpaire C, Hodson P, Pierron F, Freese M (2019) Impact of chemical pollution on Atlantic eels: facts, research needs and implications for management. Curr Opinion Environ Sci Health:in Press, DOI:10.1016/j.coesh.2019.06.008

Autor des Artikels im Thünen-Institut ist Marko Freese

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  1. Frommel AY, Hermann BT, Michael K, Lucassen M, Clemmesen C, Hanel R, Reusch TBH (2020) Differential gene expression patterns related to lipid metabolism in response to ocean acidification in larvae and juveniles of Atlantic cod. Comp Biochem Physiol A Mol Integr Physiol 247:110740, DOI:10.1016/j.cbpa.2020.110740
  2. Koske D, Goldenstein N, Rosenberger T, Machulik U, Hanel R, Kammann U (2020) Dumped munitions: New insights into the metabolization of 2,4,6-trinitrotoluene in Baltic flatfish. Mar Environ Res 160:104992, DOI:10.1016/j.marenvres.2020.104992
  3. Roth O, Solbakken MH, Torresen OK, Bayer T, Matschiner M, Baalsrud HT, Hoff SNK, Brieuc MSO, Haase D, Hanel R, Reusch TBH, Jentoft S (2020) Evolution of male pregnancy associated with remodeling of canonical vertebrate immunity in seahorses and pipefishes. Proc Nat Acad Sci USA:in Press, DOI:10.1073/pnas.1916251117
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  4. Koske D, Straumer K, Goldenstein N, Hanel R, Lang T, Kammann U (2020) First evidence of explosives and their degradation products in dab (Limanda limanda L.) from a munition dumpsite in the Baltic Sea. Mar Pollut Bull 155:111131, DOI:10.1016/j.marpolbul.2020.111131
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  5. Miller MJ, Hanel R, Feunteun E, Tsukamoto K (2020) The food source of Sargasso Sea leptocephali. Mar Biol 167:57, DOI:10.1007/s00227-020-3662-6

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