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Rindfleisch, Ölpalmen und Soja - geht nachhaltig auch wirtschaftlich?

Projekt

Rind, Palmöl und Sojabohnen (c) Thünen-Institut
(© Thünen-Institut)

Kosten-Nutzen Analyse für Best Management Practices (BMP) in der Rindfleisch-, Palmöl- und Sojaproduktion in Kolumbien und Paraguay

Die Produktion von Rindfleisch, Palmöl und Sojabohnen konkurriert auf Flächen, die vormals von Urwald oder anderer natürlicher Vegetation bewachsen waren.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Landnutzung für die Produktion von Rindfleisch, Palmöl und Sojabohnen wird vielfach als Verursacher von Urwaldrodung in Südamerika angesehen. Zudem wird die Folgenutzung des Waldes in der Regel als nicht nachhaltig und wenig ressourcenschonend kritisiert. Detaillierte quantitative Informationen und Daten zu a) der bestehenden, aktuellen Situation und b) zu möglichen, nachhaltigeren Alternativen der aktuellen Landnutzung liegen jedoch in der Regel nicht vor.

Dieses Teilprojekt zu einem Projekt zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion verfolgt als Hauptziel die Quantifizierung der Auswirkungen verschiedener Landnutzungsalternativen auf Produktionstechnik, Produktivität, Leistungen und Wirtschaftlichkeit.

Die Analyse erfolgt für die Produkte Rindfleischproduktion, Palmöl- und Sojabohnenproduktion an ökologisch besonders sensiblen Standorten in Kolumbien und Paraguay.

Zielgruppe

Entscheidungsträger in Politik, (Land)Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaft

Vorgehensweise

  • Definition und Quantifizierung einer Referenzsituation (Baseline)
  • Definition und Quantifizierung von alternativen Landnutzungsoptionen (Szenarien)
  • Analyse der Leistungen, Produktivität, Erlöse, Kosten und Rentabilität (Baseline und Szenarien)
  • Vorher-nachher bzw. mit-ohne Analyse der Baseline und der Szenarien
  • Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Daten und Methoden

Die Datenerhebung und -analyse erfolgt unter Nutzung der Methodik aus dem agri benchmark Netzwerk. Hierfür werden gemeinsam mit lokalen Fokusgruppen (WWF, Beratung, Produzenten, Wissenschaft) detaillierte Datensätze von regionaltypischen Betrieben unter Nutzung der "Standard Operating Procedure" von agri benchmark erstellt. Die Berechnung der Ergnisse erfolgt mit Hilfe des Modells TIPI-CAL. Die Erhebungs- und Berechnungsergebnisse werden an die beteiligten Personen für Plausibilitätsprüfungen zurückgespielt. Die Fokusgruppen werden ausserdem für die Spezifizierung und Validierung der Szenarien einbezogen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse liegen derzeit in fünf separaten Berichten an WWF vor. Nach der Freigabe befinden sie sich zum Download auf der agri benchmark Website unter www.agribenchmark.org/beef-and-sheep/publications-and-projects/projects.html. Die Berichte umfassen folgende einzelbetriebliche Situationen und liegen nur in englischer Sprache vor:

  1. Colombia – Cow-calf and backgrounding case study in the flooded savannahs of the Yopal region
  2. Colombia – Palm oil case study in the Piedemonte region (only used as baseline for the beef cases)
  3. Paraguay – Beef case study in the flooded palmar of the Paraguayan Pantanal
  4. Paraguay – Grains and oilseeds case study in the Chaco (only used as baseline for the beef cases)
  5. Paraguay – Beef case study in the dry Chaco of Paraguay (integrating crops + beef finishing)

Die Ergebnisse für die beiden Standorte in den Überflutungssavannen (Yopal – CO und Pantanal –PY) lassen sich wie folgt zusammenfassen.

  • Die derzeit praktizierte Mutterkuhhaltung und Fresserproduktion sind Produktionssysteme, die bereits seit Jahrzehnten an die Standorte und den jahreszeitlichen Wetterverlauf angepasst sind. Insofern sind die Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung auch relativ begrenzt.
  • Anpassungsmöglichkeiten liegen insbesondere in den Bereichen Verbesserung der Fruchtbarkeit (insbes. Tieridentifikation, Trächtigkeitstests), Verbesserung des Zugangs zu Wasser, Einführung von Mineralfütterung, Einführung von Rotationsweiden, begleitet von Fachberatung.
  • Die o.g. Systeme sind bereits in der Baseline rentabel, wenn man die Opportunitätskosten, insbesondere für das Land – unberücksichtigt lässt. Die Rentabilität liegt zwischen 10 bis zu 50 EUR je ha. Sie verbessert sich mit der Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen auf bis zu 65 EUR je ha.
  • Es stellt sich heraus, dass in den Überflutungssavannen die Flächenkonkurrenz nicht durch Palmöl- oder Sojaanbau entsteht, sondern durch die Expansion des Reisanbaus. Berücksichtigt man die Opportunitätskosten für Land (das bedeutet die Bewertung der Eigentumsflächen mit den derzeitigen Pachtpreisen), sind die Systeme langfristig nicht rentabel (zur Höhe der Landpreise siehe weiter unten).

Die oben genannten Aspekte sind noch relevanter auf Flächen, auf denen Ackerbau wesentlich leichter betrieben werden kann als auf den Überflutungsflächen. Aus diesem Grund wurde in Paraguay auch eine Fallstudie in der Region Nordchaco durchgeführt, die durch die Kombination von Rinderhaltung (Mutterkuh und Rindermast auf der Weide) und den Anbau von Soja, Sorghum und Mais gekennzeichnet ist. Hier sollte geprüft werden, ob sich auch an einem derartigen Standort Produktivitätssteigerungen realisieren lassen und damit a) einerseits das Potential zur Flächenfreisetzung und/oder b) anderseits Spill-over Effekte im Sinne von steigenden Landpreisen und Druck zu Intensivierung auf die o.g. Savannenstandort entstehen können. Folgende Ergebnisse lassen sich festhalten:

  • Diese Fallstudie ist bereits in der Baseline durch ein überdurchschnittliches Ertrags- und Leistungsniveau gekennzeichnet. Die Rinderhaltung erfolgt unter anderem bereits in einem Rotationsweidesystem auf Weiden mit verbessertem Ertragspotential. Der Betrieb verfügt über eine Gesamtfläche von 21 000 ha, von denen die Hälfte landwirtschaftlich genutzt wird und die andere Hälfte aufgrund gesetzlicher Vorgaben in nativem Wald verbleibt.
  • Folgende Produktivitätspotentiale wurden analysiert und als Integration von Ackerbau und Rinderhaltung charakterisiert: Anbau von Sojabohnen für den Verkauf sowie Sorghum und Maissilage für den Eigenverbrauch in der Rindermast auf 15% der Weidefläche, Endmast der Ochsen und Überschußfärsen im Feedlot, Auslagerung spezifischer Arbeitsgänge in der Pflanzenproduktion (Aussaat, Pflanzung, Ernte) an Lohnunternehmer, begleitet von Fachberatung. Damit Schaffung der Möglichkeit zur Erhöhung der Tierzahlen (etwa 30 %) sowie Verbesserung der Produktivitätsparameter aufgrund der besseren Fütterungsbedingungen.
  • Die o.g. Systeme sind bereits in der Baseline rentabel, wenn man die Opportunitätskosten, insbesondere für das Land – unberücksichtigt lässt. Die Rentabilität verbessert sich mit der Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen von ca. 48 EUR je ha in der Baseline auf ca. 61 EUR je ha im Integrationsszenario.
  • Derzeit ist die Strassen- (zum Transport von Getreide und Soja) und Elektrizitätsinfrastruktur (u.a. zur Verarbeitung von Sojabohnen) in der Region Nordchaco noch schwach entwickelt. Die Verbesserung der Infrastruktur dürfte den Anreiz zur Ausdehnung des Ackerbaus und die Landpreise stark erhöhen.
  • Die Berücksichtigung der Opportunitätskosten für Land zeigt, dass auch die hier untersuchten Systeme langfristig nicht rentabel sind und einen Verlust von ca. 9 EUR je ha in der Baseline und einen Verlust von knapp 4 EUR je ha im Integrationsscenario aufweisen (zur Höhe der Landpreise siehe weiter unten).
  • Der Flächenbedarf für die in dem Integrationsszenario erhöhten Tierzahl läge bei Verwendung des Produktionssystems in der Baseline um rund 2900 ha höher. Diese Fläche stellt demnach das Flächeneinsparungspotential auf demselben oder einem anderen Standort dar.

Für alle untersuchten Produktionssysteme gilt:

  • Die Höhe der Landpreise reflektieren nicht notwendigerweise die Rentabilität der alternativen landwirtschaftlichen Nutzung (beispielsweise Reis). Andere Erklärungen sind Spekulation auf steigende Landpreise infolge verbesserter Infrastruktur sowie Landinvestitionen aus Gründen, die nicht direkt mit der landwirtschaftlichen Produktion und ihrem Produktionspotenzial zusammenhängen.
  • Die Übergangsphase von der Baseline in das Szenario ist mit Investitionen in Saatgut und andere Betriebsmittel, ggf. Lohnunternehmer, Zäune, Pferche, Behandlungsanlagen und Fütterungsinfrastruktur verbunden. Daraus ergibt sich in der Regel ein Rückgang des Gewinns bzw. des Cash flows in den ersten 3-4 Jahren nach der Investition.
  • Die Höhe der Investitionen, der fehlende Zugang zu Kapital, die Unsicherheit und fehlendes Know-how sind die häufigsten Gründe dafür, dass die oben geschilderten Maßnahmen gar nicht oder nur verzögert erfolgen.
  • Höhere Produktivität bedeutet Potential zur Freisetzung von Flächen für Biodiversitäts- und Treibhausgasminderungsziele. Ob diese auch genutzt werden, hängt im Wesentlichen von der Begleitung durch geeignete Politikmaßnahmen ab, die nicht nur einzelne Betriebe, sondern den gesamten Sektor im Blick haben müssen.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Geldgeber

  • World Wildlife Fund (WWF)
    (international, privat)

Zeitraum

12.2016 - 12.2019

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 21042112
Förderprogramm: BMUB - IKI (Internationale Klimaschutzinitiative)
Projektstatus: abgeschlossen