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Alle Rinder nach Jakarta?

Projekt

Die Rasse „Bali“ ist in Indonesien heimisch und dort weit verbreitet (c) agri benchmark
Die Rasse „Bali“ ist in Indonesien heimisch und dort weit verbreitet (© agri benchmark)

Analyse der Wertschöpfungskette für Rindfleisch in Ostindonesien

Die indonesische Wertschöpfungskette für Rindfleisch ist geprägt von starker Dynamik und Strukturunterschieden in Produktion, Lebendviehhandel, Verarbeitung und Einzelhandel. Wie können Kleinerzeuger und die wachsende Menge an Importfleisch nebeneinander im Markt bestehen?

Hintergrund und Zielsetzung

In Indonesien steht eine große Zahl von Kleinerzeugern mit weniger als fünf Rindern einer wachsenden Menge an importiertem Rindfleisch sowie Rindern gegenüber. Hinzu kommen Rinder, die auf der Basis von australischen Lebendviehimporten in indonesischen Feedlots produziert werden. Die Politik verfolgt nach wie vor das Ziel der Selbstversorgung mit Rindfleisch. Gleichzeitig konsolidiert sich der Einzelhandel in Richtung Supermärkte und Verbraucher verändern ihre Essgewohnheiten bezüglich Rindfleisch. Das Projekt verfolgt folgende Ziele:
1. Umfangreicher Überblick über Marktteilnehmer und ihre Wettbewerbsfähigkeit im regionalen und internationalen Vergleich sowie Produkt-, Finanz- und Informationsströme in Ostindonesien.
2. Analyse der Anreizstrukturen, der treibenden Kräfte und der Entscheidungsfindung von Hauptakteuren in der Wertschöpfungskette.
3. Verbesserter Zugang zu Informationen über die Wertschöpfungskette für Produzenten und das Agribusiness.
4. Strategien zu höherer Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und höherem Einkommen der Landwirte in der Wertschöpfungskette.
5. Strategien, um die Gewichtsverluste während der Tiertransporte von Ostindonesien nach Jakarta zu vermindern.

Vorgehensweise

Das Projekt untersucht die internationalen und heimischen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sowie die Produkt- und Informationsströme in der Wertschöpfungskette. Ergänzt wird dies durch eine Analyse der Wirtschaftlichkeit entlang der Kette. Darauf aufbauend erarbeiten wir gemeinsam mit fünf Projektpartnern Lösungsansätze für die nachhaltige Integration der Kleinerzeuger in den indonesischen Rindfleischmarkt.

Daten und Methoden

Typische Betriebe liefern die Daten für die betrieblichen Analysen, die wir im Rahmen des agri benchmark Netzwerkes erheben. Die Daten und Informationen vom Hoftor bis zum Verbraucher haben wir in Interviews und Expertengesprächen erhoben. Wir haben darauf geachtet, dass in jeder Stufe mindestens 75 % der Produktmenge abgebildet werden konnte.

Ergebnisse

Starke Nachfrage und Preissteigerungen kennzeichnen den Rindfleischmarkt in Indonesien. In einigen Regionen werden so viele weibliche Tiere geschlachtet, dass die Bestände zurückgehen. Die aktuelle Politik orientiert sich vorwiegend auf das Angebot statt die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern.

Kleinbetriebe mit circa fünf Rindern dominieren den Sektor, die Produktivität bleibt hinter dem Potential zurück und ist niedrig im internationalen Vergleich. Rindfleischpreise, in manchen Fällen auch Produktionskosten und Rentabilität sind in der gesamten Kette hoch. Produktion von und Handel mit Rindfleisch werden als lukratives Geschäft betrachtet. Angebotsengpässe von heimischem Rindfleisch - nicht nur saisonal - sind üblich und werden durch steigende Importe von Rindfleisch und Rindern (zur Ausmast in Feedlots) aus Australien kompensiert. Das gilt vor allem für den Markt in Jakarta, der traditionell von Rindern aus Ostindonesien bedient wird. Verbesserungen der hygienischen Bedingungen in der gesamten Kette sind wichtig für die Konsumenten sowie für die Händler von Rindfleisch.

Zukünftige Aktionsfelder und Empfehlungen:

a)  Verbesserte Statistik und Datenlage zu Produktion und Handel sowie der Aufbau eines Marktinformationssystems,

b)  Ausrichten der Politik auf Anreize und treibende Kräfte,

c) Entwickeln regionaler und lokaler Märkte in Ostindonesien statt Konzentration auf Jakarta,

d) Aufbau eines nationalen Rindfleischforums für den professionellen Austausch von Informationen zu Markt und Produktion und

e) Aufnahme von ökonomischen Analysen in produktionsorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte.


Der Endbericht befindet sich auf der ACIAR-Website: aciar.gov.au/publication/FR2011-19

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Zeitraum

5.2008 - 10.2010

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 1

  1. Deblitz C, Kristedi T, Hadi PU, Triastono J, Puspadi K, Nasrullah (2011) Final report Benchmarking the beef supply chain in eastern Indonesia [online]. Canberra, Australia: ACIAR, 96 p, zu finden in <http://aciar.gov.au/publication/fr2011-19> [zitiert am 15.08.2016]