Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Kerstin Martens
Institut für Betriebswirtschaft

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Agrarpolitische Ansätze zur Förderung des Risikomanagements in der Landwirtschaft

Projekt

Bauer vor Weizenfeld (c) Fotodesign Märzinger/Fotolia
(© Fotodesign Märzinger/Fotolia)

Sowohl der Klimawandel als auch die zunehmende Liberalisierung der EU-Agrarpolitik bergen die Gefahr, dass Volatilitäten und wirtschaftliche Risiken für landwirtschaftliche Betriebe deutlich zunehmen.

Hintergrund und Zielsetzung

Daher stellen wir uns die grundsätzliche Frage: Sollte und kann vor diesem Hintergrund die Agrarpolitik das Risikomanagement landwirtschaftlicher Betrieb verbessern und unterstützen?

Die Projektziele sind:

  • die Analyse der Risikoexposition landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland.
  • die Aufbereitung und Systematisierung von politischen Handlungsoptionen zur Reduzierung von Volatilitäten und zur Verbesserung des betrieblichen Risikomanagements.
  • die Verbesserung der methodischen Voraussetzungen für umfassende Wirkungsanalysen.

Vorgehensweise

Zu diesem Zweck wird ein Konzept zur Abbildung und Analyse von Volatilitäten in existierenden betriebswirtschaftlichen Modellen entwickelt und umgesetzt. Dies ermöglicht quantitative Analysen zu Kosten und Nutzen unterschiedlicher Risikomanagementinstrumente und ausgewählter Optionen staatlichen Handelns.

In einem ersten Arbeitsschritt wurde eine systematische Zusammenstellung und Bewertung ausgewählter Instrumente zum Risikomanagement in der Landwirtschaft vorgenommen. Der Fokus lag dabei auf außerbetrieblichen Risikomanagementinstrumenten, die in Deutschland derzeit nicht weit verbreitet sind oder deren Ausgestaltung aktuell besonders intensiv diskutiert wird.

Vorläufige Ergebnisse

Erste Ergebnisse:

Die Ergebnisse zeigen, dass eine große Vielfalt an potenziellen Instrumenten zur Verbesserung des Risikomanagements in der der Landwirtschaft existiert.. Instrumente, die am Erlös ansetzen, spielen in den USA eine große Rolle, sind jedoch in der EU bisher kaum verbreitet. Instrumente, die an übergeordneten Erfolgskriterien wie Margen oder Einkommen ansetzen, bieten eine hohe Effektivität der Absicherung. Sie stellen aber in der praktischen Umsetzung oft enorme Anforderungen an die Administration/Verwaltung und sind international bislang nur wenig verbreitet. Indexbasierte (staatlich unterstützte) Absicherungen sind in den USA vergleichsweise weit verbreitet, werden in europäischen Ländern derzeit jedoch nur vereinzelt angeboten. Hier besteht Potenzial für zukünftige Weiterentwicklungen, die das Basisrisiko indexbasierter Ansätze reduzieren.

Wir haben die Effekte eines von der EU finanziell geförderten Einkommensstabilisierungsinstruments für Deutschland untersucht. Bei diesem Absicherungsinstrument zahlen die Landwirte in einen Fonds ein, aus dem bei erheblichen Einkommensverlusten Entschädigungszahlungen gewährt werden. Die Entschädigungszahlung erfolgt, wenn der Einkommensrückgang 30 % des durchschnittlichen Jahreseinkommens des einzelnen Landwirts im vorhergehenden Dreijahreszeitraum überschreitet. Maximal werden 70 % des Einkommensverlustes kompensiert.

Diese Absicherung setzt am Einkommen an und deckt damit eine Vielzahl unterschiedlicher Einzelrisiken ab. Die Analysen zeigen, dass die Kosten für Ausgleichszahlungen zwischen den Jahren erheblich schwanken und in Einzeljahren sehr hohe Werte annehmen. Die Zahl der Landwirte mit Einkommensverlusten von mehr als 30 % schwankt zwischen den Untersuchungsjahren von etwa 18 bis etwa 40 %. Die Entschädigungszahlungen an die Landwirte würden im Zehnjahresdurchschnitt (2006/07 bis 2014/15) je nach Ausgestaltung jährlich zwischen 600 bis 800 Mio. € betragen. Die höchsten Entschädigungszahlungen wären im Wirtschaftsjahr 2014/15 angefallen (1,2 - 1,6 Mrd. €). Die Beitragszahlung bei einer obligatorischen Teilnahme und einem Fördersatz von 65 % würde im Zehnjahresdurchschnitt bei etwa 19-24 € je ha LF und Jahr liegen. Ohne staatliche Unterstützung, d. h. bei einer ausschließlichen Finanzierung durch die Landwirte, würde die Beitragszahlung entsprechend höher und bei etwa 53-69 € je ha LF und Jahr liegen.

Die Simulationsrechnungen zeigen, dass die Volatilität des Einkommens durch die Einkommensversicherung deutlich abnimmt. Der Variationskoeffizient liegt in der hypothetischen Situation mit Einkommensversicherung unter jenem in der Situation ohne Versicherung (-25 bis - 29 %).

Die Verwaltungskosten sind als sehr hoch einzuschätzen. Herausforderungen für die Umsetzung liegen in der möglichst sachgerechten und missbrauchssicheren Erfassung der Ausgleichsberechtigung und –höhe. Es existiert eine Vielzahl von Detailherausforderungen, die sich aus der Struktur der deutschen Landwirtschaft ergeben (nicht-buchführungspflichtige Betriebe; steuerliche Gestaltungspielräume; komplexe Unternehmensstrukturen; Strukturwandel). Generell ist mit einem erheblichen zeitlichen Verzug der Einkommensfeststellung und damit der Entschädigungszahlung zu rechnen. Der Beitrag zur Reduzierung der Einkommensschwankungen kann dadurch deutlich eingeschränkt bzw. Einkommensschwankungen in den Folgejahren sogar verstärkt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine große Vielfalt an potenziellen Instrumenten zur Verbesserung des Risikomanagements in der der Landwirtschaft existiert.. Instrumente, die am Erlös ansetzen, spielen in den USA eine große Rolle, sind jedoch in der EU bisher kaum verbreitet. Instrumente, die an übergeordneten Erfolgskriterien wie Margen oder Einkommen ansetzen, bieten eine hohe Effektivität der Absicherung. Sie stellen aber in der praktischen Umsetzung oft enorme Anforderungen an die Administration/Verwaltung und sind international bislang nur wenig verbreitet. Indexbasierte (staatlich unterstützte) Absicherungen sind in den USA vergleichsweise weit verbreitet, werden in europäischen Ländern derzeit jedoch nur vereinzelt angeboten. Hier besteht Potenzial für zukünftige Weiterentwicklungen, die das Basisrisiko indexbasierter Ansätze reduzieren.

Wir haben die Effekte eines von der EU finanziell geförderten Einkommensstabilisierungsinstruments für Deutschland untersucht. Bei diesem Absicherungsinstrument zahlen die Landwirte in einen Fonds ein, aus dem bei erheblichen Einkommensverlusten Entschädigungszahlungen gewährt werden. Die Entschädigungszahlung erfolgt, wenn der Einkommensrückgang 30 % des durchschnittlichen Jahreseinkommens des einzelnen Landwirts im vorhergehenden Dreijahreszeitraum überschreitet. Maximal werden 70 % des Einkommensverlustes kompensiert.

Diese Absicherung setzt am Einkommen an und deckt damit eine Vielzahl unterschiedlicher Einzelrisiken ab. Die Analysen zeigen, dass die Kosten für Ausgleichszahlungen zwischen den Jahren erheblich schwanken und in Einzeljahren sehr hohe Werte annehmen. Die Zahl der Landwirte mit Einkommensverlusten von mehr als 30 % schwankt zwischen den Untersuchungsjahren von etwa 18 bis etwa 40 %. Die Entschädigungszahlungen an die Landwirte würden im Zehnjahresdurchschnitt (2006/07 bis 2014/15) je nach Ausgestaltung jährlich zwischen 600 bis 800 Mio. € betragen. Die höchsten Entschädigungszahlungen wären im Wirtschaftsjahr 2014/15 angefallen (1,2 - 1,6 Mrd. €). Die Beitragszahlung bei einer obligatorischen Teilnahme und einem Fördersatz von 65 % würde im Zehnjahresdurchschnitt bei etwa 19-24 € je ha LF und Jahr liegen. Ohne staatliche Unterstützung, d. h. bei einer ausschließlichen Finanzierung durch die Landwirte, würde die Beitragszahlung entsprechend höher und bei etwa 53-69 € je ha LF und Jahr liegen.

Die Simulationsrechnungen zeigen, dass die Volatilität des Einkommens durch die Einkommensversicherung deutlich abnimmt. Der Variationskoeffizient liegt in der hypothetischen Situation mit Einkommensversicherung unter jenem in der Situation ohne Versicherung (-25 bis - 29 %).

Die Verwaltungskosten sind als sehr hoch einzuschätzen. Herausforderungen für die Umsetzung liegen in der möglichst sachgerechten und missbrauchssicheren Erfassung der Ausgleichsberechtigung und –höhe. Es existiert eine Vielzahl von Detailherausforderungen, die sich aus der Struktur der deutschen Landwirtschaft ergeben (nicht-buchführungspflichtige Betriebe; steuerliche Gestaltungspielräume; komplexe Unternehmensstrukturen; Strukturwandel). Generell ist mit einem erheblichen zeitlichen Verzug der Einkommensfeststellung und damit der Entschädigungszahlung zu rechnen. Der Beitrag zur Reduzierung der Einkommensschwankungen kann dadurch deutlich eingeschränkt bzw. Einkommensschwankungen in den Folgejahren sogar verstärkt werden.

 

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

5.2017 - 5.2021

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Offermann F, Efken J, Ellßel R, Hansen H, Klepper R, Weber SA (2017) Ausgewählte Instrumente zum Risikomanagement in der Landwirtschaft: Systematische Zusammenstellung und Bewertung. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 52 p, Thünen Working Paper 72, DOI:10.3220/WP1492604951000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 868 KB
  2. Ellßel R, Offermann F (2016) Das US - Dairy Margin Protection Program - Wirkungsweise und Übertragbarkeit auf Deutschland : Tagung der SGA-SSE, 31.03.2016 Grangeneuve (Schweiz) [online]. Braunschweig; Hamburg: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 14 p, zu finden in <http://www.sse-sga.ch/_downloads/T16_Ellssel.pdf> [zitiert am 03.01.2017]
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 445 KB
  3. Ellßel R, Offermann F (2016) Das US-Margin Protection Program for Dairy - Wirkungsweise und Übertragbarkeit auf Deutschland [online]. Tänikon: SGA, 3 p, zu finden in <http://archive.sse-sga.ch/Tagung16/Ellssel.pdf> [zitiert am 28.12.2016]
  4. Offermann F (2015) Beurteilung agrarpolitischer Maßnahmen zur Unterstützung von Anpassungen an Extremwetterlagen. Thünen Rep 30:225-239
  5. Ellßel R, Offermann F (2015) Ein "Schutzengel" für Milcherzeuger? Top Agrar(10):120-122