Institut für

Biodiversität

AG Landschaftslabor

Leitung: Prof. Dr. Jens Dauber

Mitarbeit: PD Dr. Jan Thiele, Prof. Dr. Stefan Schrader

Die Arbeitsgruppe hat zum Ziel, in einem interdisziplinären Verbund mit anderen Forschungseinrichtungen, Landschaftslabore in typischen und repräsentativen Agrarlandschaften Deutschlands zu etablieren, in denen innovative und komplexe Maßnahmen im Landschaftskontext entwickelt, getestet, demonstriert und modellhaft umgesetzt werden können. In diesen Landschaftslaboren sollen die Möglichkeiten und Grenzen der Machbarkeit innovativer Agrarsysteme sowie die Erfolge und Folgen für biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen demonstriert werden.

Die Landwirtschaft gilt als eine der Hauptursachen für den gegenwärtigen Rückgang der Insektenvielfalt und –biomasse in Deutschland. Wichtige bekannte Belastungsfaktoren für Insekten sind i) die Monotonisierung von Agrarlandschaften durch enge Fruchtfolgen gepaart mit einem Verlust an Landschaftsstrukturen und halbnatürlichen Lebensräumen, ii) die zeitlich kurz getaktete und einheitliche Bewirtschaftung (Bodenbearbeitung, Pflege, Mahd, Ernte) großer räumlicher Einheiten und damit Verlust an Rückzugsräumen, iii) der Verlust artenreichen Grünlands, durch zum einen Unternutzung auf marginalen Standorten und zum anderen Intensivierung auf produktiven Standorten, und iv) die intensive Unkrautbekämpfung und der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Forschung zu und Umsetzung von Maßnahmen, um diesen Belastungsfaktoren entgegenzuwirken, fokussieren meist nur auf einen dieser Faktoren, vernachlässigen deren Wechselwirkung und/oder arbeiten auf der räumlichen Skala einzelner Flächen oder Betriebe. Da aber viele Insekten Habitatwechsler sind und im Tages-, Jahres- oder Lebensverlauf viele verschiedene Lebensräume und Ressourcen in einer Landschaft für ihr Überleben und ihre Fortpflanzung benötigen, greifen diese Ansätze häufig nicht weit genug, um umfassende Handlungsoptionen für Politik und Landwirtschaft sinnvoll ableiten zu können. Landschaftslabore in typischen und repräsentativen Agrarlandschaften Deutschlands, in denen innovative und komplexe Maßnahmen im Landschaftskontext entwickelt, getestet, demonstriert und modellhaft umgesetzt werden können, sollen die Möglichkeiten und Grenzen der Etablierung innovativer Maßnahmen und Anbausysteme für eine verbesserte Nutzung und Bereitstellung von Ökosystemleistungen aufzeigen. Landschaftslabore schließen die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung/Entwicklung und landwirtschaftlicher Praxis auf den für die Förderung von Insekten relevanten räumlichen Skalen.

Als Landschaftslabor wird eine speziell ausgewählte Region bezeichnet, in der eine zielorientierte (multikriteriell), grundlegende und langfristige Veränderung der landwirtschaftlichen Produktionsweisen umgesetzt wird. Es wird ein alternatives Produktionssystem etabliert, möglichst unbeeinflusst von dem umgebenden Anbausystem, welches über die zu erwartende(n) Transformationsphase(n) hinweg durch ein interdisziplinäres Monitoring und eine praxisorientierte Forschung begleitet und vergleichend beobachtet wird. Dabei werden die vier Nachhaltigkeitsfelder Umwelt/Biodiversität, Ökonomie, Gesellschaft und Politik gleichwertig durch Daten und Indikatoren abgebildet, um einen im Sinne der Nachhaltigkeit umfassenden Vergleich zwischen Status Quo und Innovation zu ermöglichen. Im Landschaftslabor wird ein Systemansatz verfolgt, der sowohl Produktionsflächen als auch Nicht-Produktionsflächen einbezieht. Neben einer Bandbreite an Insektengruppen werden auch die Ökosystemleistungen dieser Insekten systematisch einbezogen und analysiert. Zudem werden mögliche Trade-offs zu anderen Organismengruppen und Ökosystemleistungen in den Bewertungen berücksichtigt.