Institut für

Agrartechnologie

Feldhygiene

Im Themenschwerpunkt Feldhygiene geht es um das Nacherntemanagement von Mais, Raps und Getreide. Die Zerkleinerung der Erntereststoffen durch Mulcher in möglichst kleine Partikel und anschließendes Einmischen in den Boden fördert den biologischen Abbau, vermindert die Überlebensrate von Schaderregern als auch Pilzen und sichert qualitativ hochwertige Nahrungsmittel.

Die Zerkleinerung der Reststoffen durch Mulcher
Die Zerkleinerung der Reststoffen durch Mulcher (© Thünen-Institut)

Agrarpolitische Rahmenbedingungen und das aktuelle Marktgeschehen haben in der Vergangenheit zu engeren Fruchtfolgen geführt. Dabei sind aufgrund kurzer Zeitfenster bis zur Neubestellung der Folgefrucht, ackerbauliche Maßnahmen zum Nacherntemanagement und zur Feldhygiene eher zu kurz gekommen. Auch können heute nicht mehr alle Probleme des Ackerbaus mit dem chemischen Pflanzenschutz gelöst werden. Wie beim Bodenschutz ist auch hier ein hohes Maß an Vorsorge gegen Schädlinge und Krankheiten vorrangiges Ziel einer nachhaltigen Landbewirtschaftung.

Die Arbeitsschritte Bodenbearbeitung - Aussaat – Pflege – Ernte sind heute durch den wichtigen Arbeitsschritt Nacherntemanagement/Feldhygiene ergänzt. Hohe Ernterestmengen (100 dt/ha Weizenstroh) und sperrige Stoppel (Mais) sind durch einen weiteren Arbeitsgang zusätzlich gesondert zu zerkleinern. Folgende Ziele werden vornehmlich mit diesem Extra-Arbeitsgang verfolgt: (1) Die Erntereststoffe werden zusätzlich zerkleinert, denn nur Stängelteile von < 10 cm können physikalisch störungsfrei in den Boden eingearbeitet werden und schwimmen nicht an der Oberfläche. (2) Die Schädlingsbekämpfung steht beim Maisanbau im Vordergrund: Eine mechanische Zerkleinerung soll möglichst viele Larven des Maiszünzlers abtöten und gleichzeitig das Winterquartier zerstören. (3) Weiterhin ist den Krankheiten Fusarienbefall im Weizen und Phoma/ Verticilium im Raps vorzubeugen. Hier werden die höchsten Anforderungen an Zerkleinerung und Spleißgrad gestellt, da die Rottegeschwindigkeit der Reststoffe durch eine vergrößerte Oberfläche zu verbessern ist.

Für diesen Arbeitsgang zur Feldhygiene werden vornehmlich Sichel- oder Schlegelmulcher eingesetzt. Die Auswahl der Werkzeuge (z.B. Y-, Hammerschlegel), Rotordrehzahl, Vorfahrtgeschwindigkeit und verstellbare Schienen im Mulchergehäuse nehmen Einfluss auf Zerkleinerungsgrad und Zerfaserung (=Spleißgrad) der Reststoffe. Zur Beurteilung über den sinnvollen Einsatz von Mulchern und deren Arbeitsqualität wurde im Institut ein BONITURSCHEMA erarbeitet. In diesem werden im ersten Schritt die Rahmenbedingungen, wie Ackeroberfläche, Habitus der Maisstoppeln und Stoppellänge abgefragt, um grundsätzlich über einen sinnvollen Mulchereinsatz zu entscheiden. Erfolgt der Einsatz, hilft das Schema im 2. Schritt die Arbeitsqualität hinsichtlich Zerkleinerungs- und Zerfaserungsgrad zu beurteilen, d.h. inwieweit werden die gesetzten Ziele einer umfangreichen Vorsorge gegen Schädlinge und Krankheiten erreicht.

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Expertise

Durch den fachgerechten Einsatz von Mulchern im Nacherntemanagement wird bei der integrierten Landbewirtschaftung ein neuer Baustein geschaffen, um Vorsorge gegen Schädlinge und Krankheiten zu betreiben und damit den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Auch werden die Erntereststoffe so aufbereitet, dass sie physikalisch gleichmäßig in den Boden eingearbeitet werden und „mundgerecht“ als Nahrung den Bodenlebewesen, insbesondere den Regenwürmern zur Verfügung stehen.

Projekte

Schlegelmulcher zur Nachzerkleinerung von Mähdruschhochschnitt
Schlegelmulcher zur Nachzerkleinerung von Mähdruschhochschnitt (© Thünen-Institut)

Im Projekt „SMART MULCHER“ wurde ein Boniturkonzept zur Bewertung des Zerkleinerungsgrades von Stoppeln unterschiedlicher Kulturen entwickelt. Die Ergebnisse aus den Feldversuchen beschreiben die Arbeitsweise unterschiedlicher Mulcher. Die untersuchten Mulcher überzeugten durch eine gute Aufbereitung der stehenden Stoppeln. Nach derzeitigem Stand des Wissens ist dieses ausreichend, um Hygieneprobleme zu lösen und damit Vorsorgestrategien gegen Schädlinge und Krankheiten einzuleiten. Durch die Optimierung der Fahrlogistik können liegende Stoppeln vermieden werden, denn sie werden beim Mulchen nicht erfasst und stellen ein Hygieneproblem dar.