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Gegen sauren Boden: Was Waldkalkung bewirkt

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Ergebnisse aus der zweiten Bodenzustandserhebung im Wald

 

Seit Anfang der 1980er-Jahre wurden in Deutschland über 3,2 Millionen Hektar Wald gekalkt. Das sollte einer weiteren flächendeckenden Bodenversauerung und dem Verlust von Bodenqualität entgegenwirken. Wie die Befunde der Bodenzustandserhebung zeigen, hat die Bodenschutzkalkung deutliche Auswirkungen auf den Bodenzustand und die Bodenvegetation.

 

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Beim Thema Bodenversauerung denken viele zunächst an den „Sauren Regen“, der im Zuge der Waldsterben-Debatte über die vergangenen Jahr­zehnte die mediale Berichterstattung bestimmte. Doch eine gewisse Versauerung der Böden ist ein natürlicher Prozess. Bereits das Niederschlagswas­ser weist natürlicherweise einen leicht sauren pH-Wert von 5,6 auf, da sich das in der Luft befindliche Kohlendioxid (CO2) in den Regentropfen löst. Die hierdurch entstehende Kohlensäure wird als schwa­che Säure über den Niederschlag in den Boden ein­getragen. Im Verlauf der Umsetzung organischer Substanz durch die Bodenfauna entstehen ebenfalls Säuren.

Allerdings werden seit der Industrialisierung deutlich mehr Säurebildner in unsere Wälder ein­getragen, sodass die Prozesse schneller ablaufen. Daher erfolgen seit den 1980er-Jahren im Sinne eines vorsorgenden Bodenschutzes Kompensa­tionskalkungen. In der Regel werden Dolomitge­steinsmehle verabreicht (ca. 3 t/ha), die auch die wichtigen Makronährelemente Kalzium und Magne­sium liefern. Wo gekalkt wird und wo nicht Da forstliches Management in der Hoheit der Länder liegt, hat jedes Bundesland eigene Vorschriften zur Kalkung entwickelt. Je nach Standortbedingungen unterscheiden sich diese zum Teil deutlich vonei­nander. Es gibt Bundesländer, die gar nicht kalken, andere kalken sehr häufig.

Die offiziell von den Bundesländern ausge­wiesenen versauerungsempfindlichen Standorte umfassen jene, die entsprechend bestimmter Kri­terien gekalkt werden können. Von den insgesamt 1.859 Inventurpunkten der Bodenzustandserhe­bung im Wald (BZE II) wurden 749 Standorte als versauerungsempfindlich eingestuft. Seit der ersten Bodenzustandserhebung (BZE I) sind 385 dieser Standorte mindestens einmal gekalkt worden. Die Auswertung der BZE zur Kalkung bezieht sich somit lediglich auf den Vergleich von gekalkten und nicht gekalkten Inventurpunkten, die als versauerungs­empfindlich eingestuft wurden. Was im Boden passiert Beim Vergleich beider Erhebungen (BZE I und BZE II) zeigt sich, dass die pH-Werte und die Basensätti­gung als Indikator für die Nährstoffverfügbarkeit auf den gekalkten Böden stärker zugenommen haben als auf den ungekalkten. Gleichzeitig sank die Alu­miniumkonzentration. Gekalkte Böden weisen eine deutlich höhere Zunahme auf. Im Mineralboden unterhalb von 30 cm schritt bei nicht gekalkten Standorten die Versauerung weiter fort, während dies an vielen gekalkten Standorten verringert bzw. aufgehalten werden konnte. Die Zunahme der Kalziumgehalte, aber auch ein höherer pH-Wert auf den gekalkten Standorten stimuliert die mikrobielle Aktivität und erhöht das Auftreten sogenannter Primärzersetzer wie Regen­würmer, Tausendfüßer und Asseln. Dadurch wird in der Auflage mehr organische Substanz umgesetzt. In Folge nimmt dort die organische Substanz ab, während im darunter liegenden Mineralboden die organische Substanz zunimmt. An der organischen Substanz, die ca. zu 50 % aus Kohlenstoff besteht, sind viele Stoffe wie Stickstoff und Schwermetalle gebunden.

Die Kalkung wirkt sich also auf die Kohlenstoff-, Stickstoff- und Schwermetallvorräte der Böden aus. Zwar speichern bundesweit gesehen alle Böden Kohlenstoff, die gekalkten Standorte speichern aber deutlich mehr. Bei Stickstoff sind die Vorratsverluste auf gekalkten Standorten deutlich niedriger. Die in den Mineralboden verlagerten Schwermetalle werden dort vergleichsweise fest gebunden, sodass eine Gefährdung des Grundwassers grundsätzlich nicht zu befürchten ist. Die Bodenschutzkalkung führt auch zu einer veränderten Artenzusammensetzung der Vegeta­tion. In Hainsimsen-Buchenwäldern und in Fich­tenforsten auf bodensauren Festgesteinen wiesen gekalkte Flächen höhere Artenzahlen auf.

Allerdings handelt es sich gehäuft um standortuntypische Arten der Waldsäume und Waldlichtungen. Weitere Anstrengungen nötig Die Bodenschutzkalkung soll als vorsorgender Bodenschutz für funktionstüchtige und stabile Waldökosysteme sorgen. Mit der Kalkung werden zwar Säuren im Boden kompensiert und die Versor­gung mit Nährelementen erhöht, allerdings ohne den ursprünglichen Zustand der Waldböden wieder­herstellen zu können. Neben dem Faktor Trocken­heit ist vor allem die Überversorgung mit Stickstoff, die zu Ungleichgewichten in der Waldernährung führt, als Hauptursache für die Veränderungen der Wälder zu sehen. Daher ist die Luftreinhaltung, ins­besondere die Minderung der Stickstoffemissionen als eigentliche Ursache der Bodenversauerung, die wohl wichtigste Maßnahme, um gesunde Wälder zu erhalten.   KONTAKT: nicole.wellbrock@  thuenen.de