Q Check – Tierwohl in der Milchviehhaltung mit System

Auf dem Podium: Prof. Dr. Harald Grethe, Ludwig Börger, Dr. Jan Brinkmann, Moderator Dr. Ludger Schulze Pals, Emma Klein, Dr. Björn Börgermann, Dr. Folkert Onken, Dr. Siegfried Moder (© DLQ)

Mit einer Podiumsdiskussion am 21. November 2017 in Berlin ist das Projekt „Q Check“ an den Start gegangen. In dem Projekt werden aus Analyse- und Datenerfassungssystemen, die bereits bestehen, Indikatoren für Tiergesundheit aufbereitet. Diese können für die betriebliche Eigenkontrolle, das tägliche Herdenmanagement und ein nationales Monitoring genutzt werden. Die aufbereiteten Ergebnisse sollen den Landwirten monatlich mit den Ergebnissen der Milchleistungsprüfung verfügbar gemacht werden. Bereits vorhandene Daten können damit noch besser genutzt werden.

Das breit aufgestellte Projektteam aus Wissenschaftlern, Praktikern, Tierärzten und Kommunikations- sowie Datenverarbeitungsexperten tauschte sich bei der Podiumsdiskussion mit rund 100 interessierten Personen aus. Das Q Check-Team forderte die gesamte Branche auf, sich einzubringen.

Prof. Harald Grethe von der HU Berlin machte einleitend deutlich, dass ein nationales Tierwohl-Monitoring vor allem für den landwirtschaftlichen Sektor selbst von Nutzen sei. Nur so könnte Fortschritt demonstriert und Vorwürfen faktenbasiert begegnet werden. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz des BMEL, dessen Vorsitzender Grethe ist, hatte bereits 2015 den Aufbau eines nationalen Tierwohl-Monitorings angeregt.

Projektkoordinatorin Dr. Sabrina Hachenberg vom Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen e. V. (DLQ), Dr. Jan Brinkmann vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau und Prof. Dr. Kussin, Kommunikationsexperte der Hochschule Osnabrück präsentierten die Inhalte von Q Check, welches über die Innovationsförderung der BLE über drei Jahre gefördert wird. Relevante Bereiche der Tiergesundheit als zentrale Aspekte des Tierwohls sollen automatisiert und bundesweit durch die bessere Nutzung bereits heute erhobener tier- und managementbezogener Indikatoren abgebildet werden. „Es mangelt noch an klaren Fakten, worüber wir beim Thema Tierwohl eigentlich reden. Die Branche muss selber sprachfähig werden“, so Prof. Kussin. Dafür werden geeignete Indikatoren aus den vier in der Milchviehbranche etablierten Datenerfassungs-systemen ausgewählt, gebündelt und – in Teilen – weiterentwickelt. Diese Systeme sind

  • die monatliche Milchkontrolle,
  • die Datenbank HI-Tier,
  • die Milchgüteprüfung sowie
  • das Auditierungssystem QM-Milch.

Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe ausgewählter und systematisch aufbereiteter Indikatoren aus diesen Datenbanken die gesetzlich geforderten betrieblichen Eigenkontrollen auf Tiergerechtheit (§ 11 Abs. 8, TierSchG) und das betriebliche Herdenmanagement zu unterstützen, gänzlich ohne Mehraufwand für die Betriebe.

Die Auswahl der Indikatoren für die Betriebsberichte erfolgt über ein mehrstufiges Verfahren, in welches 200 Experten aus den Agrarwissenschaften und der Veterinärmedizin sowie Stakeholder aller relevanten Akteursgruppen der Branche eingebunden sind.

System mit Entwicklungsperspektive

Die Daten aus den individuellen Betriebsberichten bilden in anonymisierter Form ein bundesweites Benchmarking-System. Landwirte erhalten so die Möglichkeit, sich mit ähnlich strukturierten Betrieben zu vergleichen. Die Ergebnisse des Benchmarking sollen in ein künftiges nationales Monitoring einfließen. Dr. Brinkmann machte deutlich, dass es sich bei Q Check um einen Ansatz handelt, der sich stetig weiterentwickelt. „Es ist uns bewusst, dass wir mit der derzeitigen Datenlage nur zentrale Bereiche der Tiergesundheit abbilden können und dass andere wichtige Aspekte des Tierwohls wie Verhalten und Emotionen fehlen. Aber wir sollten heute mit den vorhandenen Indikatoren starten, um das Ganze morgen weiterentwickeln zu können“.

Milchviehhalterin Emma Klein berichtete zusammen mit ihrem bestandsbetreuenden Tierarzt Dr. Siegfried Moder aus ihrem Familienbetrieb. Für die Landwirtin steht bei Q Check im Fokus, dass die ausgewählten Indikatoren praxisnah, verständlich und anwendbar sein müssen. „Daten umfassend zu nutzen ist sinnvoll und wichtig, aber nicht ausreichend. Tierwohl muss auch direkt am Tier bewertet werden“, da waren sich Landwirtin und Tierarzt und einig.

Daten rein, Emotionen raus

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde unter anderem betont, dass die Finanzierung von Tierwohlmaßnahmen nicht ausschließlich auf die Landwirte abgewälzt werden dürfte.

Die Podiumsgäste erhoffen sich erstmalig eine solide Datenbasis zur Tierwohlsituation in der Milchviehhaltung auf nationaler Ebene. So könne das Projekt dazu beitragen, der Branche wichtige Argumente in der Tierwohldiskussion an die Hand geben. Der Gesetzgeber hat die Verpflichtung zur betrieblichen Eigenkontrolle bislang nicht konkretisiert. Q Check wird versuchen, diese Lücke zumindest ein Stück zu schließen.


Sie möchten sich an der Auswahl der Indikatoren beteiligen? Das können Sie gerne! Hier geht es zur Online-Umfrage.


Q Check Projektseite

Projektflyer

Thünen-Projektseite mit weiteren Informationen zu Q Check

Kontakt im Thünen-Institut