Ökolandbau im Jahr 2023

Hintergrund

Wie entwickelt sich mittelfristig der Ökolandbau in Deutschland? Diese Frage untersuchen Thünen-Wissenschaftler im Rahmen ihrer Baseline-Projektion zu Entwicklungen im deutschen Agrarsektor. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass von den aktuellen politischen Rahmenbedingungen mittelfristig keine größeren Wachstumsimpulse für den Sektor ausgehen.


Der ökologische Landbau wird neben ökospezifischen Maßnahmen erheblich von den allgemeinen agrarpolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen beeinflusst. Wie sich diese mittelfristig ändern und welche Auswirkungen diese Änderungen auf die Wirtschaftlichkeit des Ökolandbaus haben, untersucht das Thünen-Institut im Rahmen seiner Baseline-Projektion. Sie wird alle zwei Jahre erstellt und beschreibt die erwartete Entwicklungen im deutschen Agrarsektor. Dazu bedienen sich die Thünen-Wissenschaftler verschiedener Modelle, die sie in einem Modellverbund integriert haben. Die Baseline-Projektion stellt keine Prognose dar, sondern bildet ein Referenzszenario, mit dem sich anschließend die Auswirkungen verschiedener Politikoptionen analysieren lassen.

Für die aktuelle Projektion des Zeitraums 2013 bis 2023 wurde im Wesentlichen davon ausgegangen, dass die 2013 beschlossene Reform der Europäischen Agrarpolitik umgesetzt wird. Mit Bezug zum ökologischen Landbau wurde unterstellt, dass die ökologisch erzeugten Erträge bis 2023 zunehmen – allerdings  im Vergleich zur konventionellen Produktion mit etwas geringeren Steigerungsraten. Hinsichtlich der zukünftigen Preisentwicklung wurde davon ausgegangen, dass der Preisaufschlag bei pflanzlichen Produkten leicht abnimmt und bei Fleischprodukten konstant bleibt. Für Milch wurde unterstellt, dass der relative Preiszuschlag im Jahr 2023 gegenüber dem Basisjahrzeitraum relativ etwas zurückgeht, die absolute Preisdifferenz mit 10 Cent je Liter sich jedoch nicht verändert.

In den Modellberechnungen der Thünen-Baseline können ökologisch wirtschaftende Betriebe infolge einer Produktionsausdehnung und der unterstellten Ertragszuwächse ihre Erlöse trotz real überwiegend sinkender Erzeugerpreise im Jahr 2023 gegenüber dem Basisjahrzeitraum (2009/10 bis 2011/12) um 29 % steigern. Gleichzeitig profitieren die Ökobetriebe von einer leichten Zunahme der Direktzahlungen. Die positiven Einkommenseffekte werden allerdings durch die gestiegenen Preise für Betriebsmittel überlagert. In der Projektion erzielen die Ökobetriebe deshalb im Jahr 2023  ein etwas geringeres durchschnittliches Betriebseinkommen je Arbeitskraft. Eine nach Betriebsform differenzierte Analyse zeigt, dass ökologische Ackerbaubetriebe sich hinsichtlich der Einkommensentwicklung von ökologischen Futterbau- und Gemischtbetrieben etwas unterscheiden. Bedingt durch die Annahme, dass vor allem kleinere Ackerbaubetriebe die Produktion aufgeben, steigt bei den Öko-Ackerbaubetrieben im Baseline-Szenario die durchschnittliche Flächenausstattung merklich an. Dieser Anstieg ist bei den anderen Betriebsformen in dieser Größenordnung nicht zu beobachten. Infolgedessen können die Ackerbaubetriebe eine Einkommenssteigerung von 9 % erzielen. Im Gegensatz dazu geht das Betriebseinkommen je Arbeitskraft bei den Milchviehbetrieben (-4 %), sonstigen Futterbaubetrieben (-14 %) und den Gemischtbetrieben (-11 %) zurück.

Die Analyse zeigt, dass Ökobetriebe grundsätzlich von der GAP-Reform (insbesondere von der Umschichtung der finanziellen Mittel von der 1. in die 2. Säule) profitieren können. Die Einkommenswirkung der Reform ist für Ökobetriebe in der Thünen-Baseline 2013 – 2023 allerdings begrenzt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass von den aktuellen politischen Rahmenbedingungen mittelfristig keine größeren Wachstumsimpulse für den Sektor ausgehen werden.

Entwicklung des Betriebseinkommens pro Arbeitskraft in ökologisch wirtschaftenden Betrieben (real, in Preisen von 2010). (© Thünen-Institut, Quelle: Eigene Berechnungen mit FARMIS 2014.)

Weiterführende Informationen

Thünen-Baseline 2013 – 2013