Wie sich Tiergerechtheit messen lässt

Hintergrund

In den 1980er-Jahren entwickelte der britische Farm Animal Welfare Council (FAWC) das Konzept der „Fünf Freiheiten“. Es bildet die Grundlage für verschiedene Mess- und Bewertungssysteme für Tiergerechtheit. Das Konzept bietet einen Ansatz zur Operationalisierung, also zur praktischen Messung der Tiergerechtheit in der Tierhaltung. Die fünf Freiheiten sind:

  • Freiheit von Hunger und Durst – die Tiere haben Zugang zu frischem Wasser und gesundem, gehaltvollem Futter.
  • Freiheit von haltungsbedingten Beschwerden – die Tiere sind geeignet untergebracht, zum Beispiel auf adäquaten Liegeflächen.
  • Freiheit von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten – die Tiere werden durch schnelle Diagnose und Behandlung sowie den Verzicht auf Amputationen versorgt.
  • Freiheit von Angst und Stress – durch Verfahren und Management werden Angst und Stress vermieden, zum Beispiel durch Verzicht auf Treibhilfen.
  • Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensmuster – die Tiere können sich artgemäß verhalten, zum Beispiel durch ein ausreichendes Platzangebot.

Die Messung der verschiedenen Aspekte des Tierwohls (Animal Welfare) erfolgt auf Basis von Indikatoren. Zu unterscheiden sind:

  • Ressourcenbezogene Indikatoren. Sie stellen beispielsweise Informationen über Haltungsverfahren und Platzangebot bereit.
  • Managementbezogene Indikatoren. Sie erfassen Praktiken wie die Enthornung von Rindern oder die Kastration von Mastschweinen, aber auch die Fütterung und den Umgang mit den Tieren.
  • Tierbezogene Indikatoren. Sie werden direkt am Tier gemessen, zum Beispiel Fußballenentzündungen bei Mastgeflügel, Lahmheiten bei Milchkühen, aber auch Verhaltensstörungen wie das Stangenbeißen bei Sauen.

Ein allgemein anerkanntes Indikatoren-Set für die Messung und Bewertung der Tiergerechtheit steht bislang nicht zur Verfügung. Stattdessen existieren eine Reihe von Indikatorensystemen. Diese sind für verschiedene Anwendergruppen und Zwecke konzipiert: zur Politikgestaltung und wissenschaftlichen Politikberatung, zur Betriebsplanung bzw. zum Eigenmonitoring für Landwirte oder zur Produkt-
kennzeichnung (Tierschutz-Label) von Handels- und Vermarktungsunternehmen.

Ein Beispiel für ein überwiegend tierbezogenes Indikatoren- und Bewertungssystem sind die WelfareQuality® Protokolle. Im Gegensatz dazu ist der Nationale Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren des KTBL ressourcenbezogen. Er wurde überwiegend als Informations- und Entscheidungsgrundlage für Baubehörden und die Beratung konzipiert und umfasst neben Indikatoren zur Messung der Tiergerechtheit auch Umweltindikatoren.

In einem BÖLN-Projekt haben wir Indikatoren für eine ergebnisorientierte Honorierung von Tierschutzleistungen in der Milchviehhaltung entwickelt.

Projekte