Nutztierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland

Dossier

Wie viel Tonnen Fleisch werden in Deutschland produziert? Wie viel davon wird exportiert? Diese und andere Fragen zur Tierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland beantworten wir mit einer Zusammenschau aktueller Daten.


Der Fleischverbrauch hat in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwas mehr als 7 Millionen Tonnen gelegen. Dagegen hat sich die Fleischproduktion – gemessen an der Schlachtmenge – um fast 23 Prozent auf rund 9 Millionen Tonnen im Jahr 2016 erhöht.

Schweinefleisch ist in Deutschland nach wie vor die wichtigste Fleischart. Von 1996 bis 2016 ist der Pro-Kopf-Verbrauch allerdings von 55 auf 51 Kilogramm gesunken. Demgegenüber ist die Schlachtmenge in den letzten 20 Jahren von rund 3,6 Millionen auf rund 5,6 Millionen Tonnen stetig angestiegen. Seit 2005 ist Deutschland daher Nettoexporteur und mittlerweile der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch.

Eine besonders rasante Entwicklung von Produktion und Verbrauch ist beim Geflügelfleisch zu beobachten. Im Vergleich zum Schweinefleisch haben sich sowohl Produktion als auch Verbrauch nach oben entwickelt. Die Schlachtmenge bei Geflügel ist von etwas über eine halbe Million Tonnen im Jahr 1996 auf mehr als 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 2016 gestiegen und hat damit in ihrer Bedeutung die Rindfleischproduktion überholt. 2016 haben die Deutschen 1,7 Millionen Tonnen Geflügelfleisch verbraucht, dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 21 kg je Einwohner.

Schlachtmenge versus Fleischverbrauch 1996, 2006, 2016 in tausend Tonnen. (© Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut, BLE)
Ausfuhr von Fleisch aus Deutschland nach Fleischarten in tausend Tonnen. (© Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut, BLE)

Die Schlachtmenge von Rindfleisch ist von rund anderthalb Millionen Tonnen im Jahr 1996 auf gut eine Million Tonnen im Jahr 2016 zurückgegangen. Der Rindfleischverbrauch reduzierte sich – im Wesentlichen bedingt durch die Verbraucherverunsicherung im Zusammenhang mit BSE und der Maul- und Klauenseuche – zunächst auf unter eine Million Tonnen im Jahr 2006 und verzeichnete seitdem einen Wiederanstieg auf 1,2 Millionen Tonnen. 2016 wurden in Deutschland rund 14 kg Rind- und Kalbfleisch pro Kopf verbraucht.

Die Produktion und der Verbrauch von Schaf- und Ziegenfleisch haben in Deutschland im Vergleich zu den anderen Fleischarten eine deutlich geringere Bedeutung. Einer Schlachtmenge von 33.000 Tonnen steht (nach offizieller Statistik) ein Verbrauch von 75.000 Tonnen an Schaf- und Ziegenfleisch gegenüber.

Tierbestände und ihre Entwicklung

Entwicklung des Tierbestandes in Deutschland 2001 bis 2016. (© Statistisches Bundesamt)

Die Anzahl der Nutztiere lag in Deutschland im Jahr 2016 bei ca. 190 Millionen Tieren. Zuletzt lagen die Tierbestände für alle Tierarten für das Jahr 2015 vor.

Das Geflügel hat zahlenmäßig den höchsten Anteil. 2016 wurden in Deutschland insgesamt 149 Millionen Tiere gehalten; davon waren 109 Millionen Mastgeflügel inklusive Truthühner, Enten und Gänse.

Zahlenmäßig von hoher Bedeutung in Deutschland ist auch die Schweinehaltung. 2016 gab es 27,1 Millionen Schweine, davon knapp zwei Drittel Mast- und Jungschweine.

Im Mai 2016 wurden 12,5 Millionen Rinder gehalten, darunter 4,3 Millionen Milchkühe. Die Schafhaltung spielt mit 1,6 Millionen gehaltenen Tieren nur eine untergeordnete Rolle.

Betriebsstrukturen

Obwohl die meisten deutschen Betriebe nicht mehr als ein bis 9 Rinder halten, stehen fast die Hälfte aller Rinder in Deutschland in Beständen von 200 bis 499 Tieren. Bei der Betriebsstruktur in der Rinderhaltung ist zu berücksichtigen, dass hier alle Nutzungsrichtungen (Milchkühe, Mutterkühe, Mastrinder) einfließen.

Ähnlich wie bei den Rindern sind auch die Betriebsstrukturen für Schweine ausgeprägt: Fast die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Schweine steht in Beständen mit mehr als 1.000 Tieren. Wie bei den Rindern ist die Betriebsstruktur der Schweinehaltung nicht in allen Produktionsrichtungen gleich. So sind die Betriebe in der Schweinemast vergleichsweise größer als in der Sauenhaltung.

Noch deutlicher wird der Trend zu großen Beständen beim Geflügel: Einerseits halten die meisten Betriebe in Deutschland nicht mehr als 100 Jungmasthühner. Andererseits werden 79 % der Jungmasthühner in Beständen mit mehr als 50.000 Tieren gehalten.

Regionale Verteilung

Regionale Viehdichte 2010. (© Thünen-Institut/Statistisches Bundesamt)

Gemessen an den Großvieheinheiten (GV) je Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) liegt das Zentrum der Veredlungswirtschaft (Schweine- und Geflügelhaltung) im Nordwesten Deutschlands. Spitzenreiter mit einer Dichte von jeweils mehr als 1 GV/LF waren im Jahr 2010 die Kreise Vechta, Cloppenburg und Coesfeld.

Die regionalen Schwerpunkte für die Rinderhaltung befinden sich vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und in Bayern. Milchkühe stehen vor allem in Landkreisen mit hohem Grünlandanteil.