Ansprechpartner

Beteiligte Institute

in grönländische Gewässer

Expedition

Walther Herwig III, Seetagebuch der 389. Reise

Dauer der Reise: 8. Oktober bis 23. November 2015

Fahrtgebiet: Nordatlantik

Zweck der Reise: Bestandsuntersuchungen an grönländischen Grundfischbeständen und ozeanographisch/klimatologische Untersuchungen. Die gewonnenen Daten dienen als Grundlage für die Entwicklung von verbesserten Management- und Nutzungsstrategien.

Forschungsziele

Fahrtleiter: Heino Fock, Thünen-Institut für Seefischerei

Der 33. Grönlandsurvey! Nach einer unruhigen Überfahrt sind wir vorgestern mit dem wissenschaftlichen Programm gestartet – vom Gefühl her: endlich! Wir, das heißt Kapitän H.O. Janßen und seine Besatzung sowie das wissenschaftliche Team der Seefischerei mit Heino Fock (Fahrtleitung), Lars Christiansen, Constanze Hammerl, Nicole Stollberg, Annika Elsheimer, Wolfgang Brenoe, Thilo Weddehage, Rene Kallen, Heike Schwermer und Ramona Ohde, sind gleich mit vier Hols in Höhe der Dohrnbank in das Programm eingestiegen.

Die Dohrnbank markiert die Mitte zwischen Island und Grönland. Durch das Wechselspiel zahlreicher Strömungen, die im Bereich der Dänemarkstraße aufeinandertreffen, beherbergt sie eine reiche Meeresfauna. Das Wetter war anfänglich heiter, doch dann trübte es sich ein, erst aufbrisend auf Windstärke 6 und dann mit Dauerregen und Böen bis in Sturmstärke, so dass der gestrige und heutige Tag mal wieder 'typisch' waren.

In der nächsten Zeit halten wir Sie hier regelmäßig auf dem Laufenden. Viele Grüße von Bord der Walther Herwig
Heino Fock, Fahrtleiter

Der erste Fahrtabschnitt vor Ostgrönland geht nunmehr zu Ende. 61 Stationen konnten bearbeitet werden, dazu zusätzlich ein Hydrographie-Schnitt über der Kleinen Bank. Fünf neue Stationen konnten in das Surveyprogramm aufgenommen werden – nur ein Versuch schlug  fehl, da das Netz im schlammigen Untergrund festlief.

1000 Tage Altersunterschied zwischen dem 2015er Kabeljau und seiner 3-jährigen Schwester (© Thünen-Institut/SF)

Erfreulicherweise konnten wir zahlreiche Jungtiere von Kabeljau finden, sog. Nullgruppen. Dies deutet auf einen guten Jahrgang hin, günstige Voraussetzungen für die weitere Bestandsentwicklung. Ebenso interessant: Neuankömmlinge. Erstmalig fingen wir den Glattrochen Dipturus batis, ein stolzes Exemplar von 155 cm Länge.

Witterungsmäßig hatten wir das 'volle Programm': Wind, Schneesturm, Regen und strahlenden Sonnenschein, der den Blick auf zahlreiche Eisberge besonders in Küstennähe erlaubte. 

Der dritte Fahrtabschnitt war von klirrendem Frost bestimmt. Stete Minusgrade um -5°C machten die Arbeiten an Deck schwierig. Die Kälte kam aus einem steten Nordwest, der mehrere Tage auch in zweistelliger Sturmstärke das Arbeiten gänzlich unterband. Aufs Deck spritzende Gischt gefror umgehend zu einer feinen Eisschicht, und an den außen eingesetzten Geräten bildeten sich alsbald Eiszapfen. Dennoch, 110 Hols stehen zu Buche, dazu noch 55 Hydrograhiestationen.

Wichtig für die ozeanographische Arbeit waren wieder die Stationen vor Kap Desolation mit bis zu 3000 m Tiefe. Die Arbeiten wurden bis über den Polarkreis ausgedehnt, selbst so weit nördlich konnte noch Kabeljau gefangen werden. Die in den letzten Jahren beobachtete Nordverschiebung konnte somit auch dieses Jahr bestätigt werden.

Nun steht der Einlauf in Nuuk bevor, der grönländischen Hauptstadt. Dort wollen wir uns mit den Kollegen vom grönländischen Institut für Ressourcennutzung (GINR) austauschen und einen Kollegen von Woods Hole aufnehmen. Mit ihm zusammen wollen wir versuchen, einen fehlgelaufenen ozeanographischen 'Glider' (autonom tauchende Messplattform) über dem mittelatlantischen Rücken zu bergen – eine Blitzrettungsaktion. Ob es uns gelungen ist, erfahren Sie im nächsten Eintrag dieses Seetagebuches.

In Nuuk erwartete uns das gewohnte frostige Wetter, abends verziert durch ein sehr schönes Polarlicht. Nach einem Austausch mit den grönländischen Kollegen am GINR zu den fischereibiologischen Daten brachten wir Will Ostrom zum Schiff. Er war vom Woods Hole Oceanographic Institute gekommen, um an der Rettungsaktion für deren steuerlosen Glider teilzunehmen. Glider sind durch das Wasser gleitende ferngelenkte Messroboter, die über Satellit ihre Steuersignale empfangen und den Datenaustausch bewerkstelligen.

Nach 5 Tagen erreichten wir am Morgen des 12.11. das Suchgebiet bei 59°N 20°W. Aus der Steuerzentrale in Woods Hole wurden viertelstündlich die Positionsdaten genauestens übermittelt. 2 Meilen vor dem geplanten Rendezvous wurde am Glider ein Stroboskop-Suchlicht eingeschaltet. In der grauen Morgendämmerung konnten wir ihn tatsächlich an der Oberfläche lokalisieren – also kein Fehler in der Mess- und Positionselektronik! Angesichts der vorherrschenden Wetterbedingungen wählten wir von den drei vorbereiteten Bergungsoptionen diejenige mit einer Wurfleine. Bereits beim zweiten Versuch war der 'Fisch' am Haken und konnte erfolgreich geborgen werden! Glückliche Gesichter bei Will und seinen Kollegen, so ein Meßgerät im Werte von 250.000 € retten zu können.

Dann setzten wir die stürmische Überfahrt fort, jedoch mit der Aussicht, bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Für die überaus erfolgreiche Arbeit dieser Fahrt gebührt allen Teilnehmern ein außerordentlicher Dank, allen voran Kapitän Janßen und seiner Crew sowie allen Mitarbeitern des wissenschaftlichen Teams.

Heino Fock, Fahrtleiter