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nach Westafrika

Expedition

Walther Herwig III, Seetagebuch der 383. Reise

Sonnenuntergang, von der Brücke der Walther Herwig aus betrachtet (© Thünen-Institut)

Dauer der Reise: 2. März bis 24. April 2015

Fahrtgebiet: Subtropischer Atlantik vor Westafrika; Küstenbereich von Marokko bis zum Äquator 

Zweck der Reise: Die Reise ist eingebunden in die deutsch-französisch-afrikanische Forschungskooperation AWA (Umsetzung des Ökosystemansatzes im Fischereimanagement vor West-Afrika) und das EU-Projekt PREFACE (Vorhersage und Auswirkungen von Klimaänderungen im tropischen Nord-Atlantik). Auf der Reise ist eine internationale Forscher-Crew an Bord. Entlang der westafrikanischen Küste im Auftriebsgebiet des Kanarenstromes sollen in unterschiedlichen Tiefen die Bestände wichtiger pelagischer Fische sowie Fischlarven untersucht werden. Dabei sind pelagische, hydroakustische, ozeanographische und planktonische Arbeiten vorgesehen.

Fahrtleiter: Heino Fock, Thünen-Institut für Seefischerei

++08.03.2015++ Wir passieren Gibraltar

Die Fahrtteilnehmer für den ersten Fahrtabschnitt bis Dakar (v.l.n.r.): (hinten) Papa Iba Ndiaye, Beyih Sameta, Kim Wieben, Maxim Sell, Stephanie Czudaj, Florian Lüskow, Tarik Baibai, Luc Badji, Maik Tiedemann; vorn: Heino Fock (© Thünen-Institut)

Wir passieren Gibraltar – vor uns liegt Afrika! Nach dem Auslaufen in Bremerhaven am 2. März und einer Reihe von Stürmen in der Nordsee und der Biskaya sind wir vor der Küste Portugals in ruhigeres Wetter gelangt. Die Tage sind erfüllt vom Aufbau der wissenschaftlichen Arbeitsplätze und den Vorbereitungen für den ersten Geräteeinsatz vor Marokko.

Im ersten Fahrtabschnitt stehen küstennah Ichthyoplankton-Untersuchungen im Vordergrund, also die Zusammensetzung der Fischlarven-Gemeinschaft und die Verteilung der Fischeier der Hauptarten Sardine, Sardinella und Anchovies. Dieser Fahrtabschnitt führt uns bis Dakar (Senegal), wo ein Teil der Fahrtteilnehmer ausgetauscht werden soll.

In den kommenden Wochen halten wir Sie hier regelmäßig auf dem Laufenden. Viele Grüße von Bord der Walther Herwig
Heino Fock, Fahrtleiter

++15.03.2015++ Planktonarbeiten vor der Banc d’Arguin

Von der Universität Dakar begleitet uns der Doktorand Luc Badji. Er untersucht die Verteilung der Fischeier vor der Banc d’Arguin. (© Thünen-Institut) Banc d’Arguin: Ein riesiges Flachwasserökosystem, das durch das RAMSAR-Abkommen für ziehende Wasservögel geschützt und in seiner Bedeutung dem hiesigen Wattenmeer gleichzusetzen ist. Die Planktonstationen sind seewärts orientiert. (© Thünen-Institut) Mauretanische Pirogen: Wegen der hohen Anzahl von kleinen offenen Fahrzeugen können wir die inneren Stationen nur bei Tageslicht bearbeiten, um diese ungeschützten Boote nicht zu gefährden. Die Arbeit in diesen Fahrzeugen ist anstrengend und gefährlich, fahren sie doch auf ihren mehrtägigen Fahrten bis zu 50 km aufs offene Meer hinaus. Die größte Anzahl von Pirogen stammt von der nördlich an der Banc d’Arguin gelegenen Stadt Nouadhibou. (© Thünen-Institut) Marokkanische Trawler: Dutzende von Trawlern operieren in den tieferen Gewässern vor der Banc d’Arguin. Die Fischerei profitiert von der enormen Produktionskraft des westafrikanischen Auftriebsgebietes. (© Thünen-Institut) Multinetz im Einsatz: Mit seiner Öffnung von 0,5 m² liefert das Multinetz die Möglichkeit, sowohl in Küsten- als auch in ozeanischen Gebieten ausreichend große Planktonproben zu gewinnen, die in 9 Netzsäcken (Hintergrund) gesammelt werden. Die Netzsäcke lassen sich über eine Steuerelektronik in unterschiedlichen Wassertiefen öffnen und schließen. (© Thünen-Institut) Nicht nur Plankton geht ins Netz – auch kleine Fische aus dem ozeanischen Bereich suchen den reichlich gedeckten Planktontisch im Auftriebsgebiet auf. Hier sind Leuchtsardinen (Myctophiden) zu sehen, die mit ihrer Anordnung von Leuchtorganen auf der Körperoberfläche zu den eindrucksvollsten Fischen im Ozean gehören. (© Thünen-Institut)

Die Banc d’Arguin liegt im nördlichen Mauretanien an der Grenze zu Marokko/Spanisch Sahara – ein einzigartiges Flachwasserökosystem mit 1.200.000 ha Größe, das als Nationalpark ausgewiesen ist. Riesige Schwärme von Wasservögeln leben hier, die in dem hochproduktiven Gebiet nach Nahrung suchen.

Wir nähern uns der Banc d‘ Arguin von der Seeseite und untersuchen die Verteilung der Fischlarven und -eier an der Schnittstelle zwischen Bank und Küstenwasser. Unsere Arbeiten müssen wir auf die lokale Fischerei abstellen, die in den flacheren Bereichen von Hunderten von offenen Pirogen ausgeübt wird, während ab 50 m Wassertiefe Dutzende von kleinen Trawlern operieren. Die Bank selber ist ein Flachwasserbereich, der sich abrupt aus Tiefen von 50 m zu weniger als 20 m aufbaut, so dass wegen der ungenauen Kartographie des Gebietes unsere Arbeiten an der 20 m Linie ein Ende finden.

Wir setzen neben dem Gulf IV Sampler („Nackthai“) auch ein Multinetz ein, um tiefenstratifizierte Proben gewinnen zu können. Wasserproben zeigen sehr hohe Primärproduktion an, was die Bedeutung dieser Flachwasserbereiche als Aufzuchtgebiet für Fische besonders unterstreicht.   

Nächste Station: Dakar

60 Gäste aus Politik und Wissenschaft fanden sich in Dakar (Senegal) auf Einladung des deutschen Botschafters Bernhard Kampmann und des Thünen-Instituts, vertreten durch den Fahrtleiter Heino Fock, an Bord der Walther Herwig III ein. Vertreten waren u.a. die Botschafter Frankreichs, Mauretaniens und von Guinea-Conakry, Vertreter der regionalen Fischereibehörden, der senegalesischen Regierung sowie der Universität Dakar und anderer Forschungseinrichtungen. Die Einladung erfolgte im Rahmen des AWA-Projekts und unterstrich das nachhaltige Interesse Deutschlands an der Förderung der Kooperation auf wissenschaftlichem Gebiet. 

Die deutsche Botschaft in Dakar berichtet auf Ihrer Internetseite über die Forschungsreise der Walther Herwig, den Stopp in Dakar und das AWA-Projekt.

Für neun Studierende und zwei Betreuer der Universität Dakar wurde die Walther Herwig vorübergehend zum Uni-Labor. Programm des eintägigen Doktorandenseminars an Bord des Fischereiforschungsschiffes: ozeanographische Untersuchungen, Planktonarbeiten und pelagische Fischerei. Unter Anleitung von Dozenten der Universität Dakar und des Zentrums für marine Tropenökologie (Bremen) verarbeiteten die Doktoranden die gekühlten und gefrosteten Proben anschließend in einem einwöchigen Laborpraktikum weiter.  

Die Universitätsleitung freut sich über die ungewöhnliche Zusammenarbeit und ihr Potenzial für die studentische Ausbildung: Für schiffsgestützte Praktika haben bislang die Mittel gefehlt.     

34 °C (im Labor), kein Lüftchen regt sich (draußen), 88 % Luftfeuchtigkeit (überall) – Äquator. Im Wasser treiben träge Felder der frei im Wasser schwimmenden Braunalge Sargassum an uns vorbei, in deren Schatten sich große Goldmakrelen verbergen. Nach Dakar haben wir den zweiten Fahrtabschnitt begonnen, Schwerpunkt ist die Verschiebung der Fischfauna entlang des latitudinalen Gradienten.

Die Fischerei ist auf nachts beschränkt. Pro Hol werden drei Netze aus verschiedenen Tiefen hochgeholt. Bizarre Tiefseefische und Riesencephalopoden (Tintenfische): Der GEOMAR-Kollege Henk Hoving präpariert ein selten gut erhaltenes Exemplar von Taningia danae für das Hamburger Zoologische Museum (130 cm Länge und 31 kg Gewicht).

++06.04.2015++ Mindelo

Hafenmauer in Mindelo mit maritimen Graffities (© Thünen-Institut)

Sonniges und kühleres Wetter erwartet uns in Mindelo, dem Haupthafen der Kapverdischen Inseln – zwei 24-Stunden-Stationen und 10 Nachthols bei den schweißtreibenden Temperaturen am Äquator liegen hinter uns.

Erneut müssen wir von einigen Kollegen Abschied nehmen, die in Dakar zugestiegen waren: Ivanice Monteiro und Pericles Silva bleiben im heimischen Mindelo, während Henk Hoving einen Flug nach Deutschland nehmen muss, um rechtzeitig auf einer Konferenz zu sein. 

Nachbunkern von Treibstoff und das Auffüllen der Lebensmittelvorräte stehen schiffsseitig auf dem Plan, während wir die gesammelten Proben archivieren und verpacken. Aber es bleibt auch Zeit für einen Kaffee an Land und dafür, unsere Reise traditionell an der Hafenmauer zu verewigen, bevor wir zum dritten Fahrtabschnitt in die stürmische Biskaya aufbrechen  – zweimal: Wer findet’s?

Mindelo liegt hinter uns – Kurs Nord bedeutet: jede Meile bringt uns dem Ende der Reise näher. Acht Stationen sind noch auf dem Programm, eine davon als 24-h Station am sogenannten Cap Verde Ocean Observatorium (CVOO). Weiter passieren wir die Kanaren und dann Madeira – letzte Station Biskaya. Neptun ist gnädig – laue 5 Bft erwarten uns dort. Und dann heißt es: Packen und Putzen. Nach 9.326 Seemeilen: Bremerhaven ahoi!

Ein Dank an Kapitän Janßen und seine Mannschaft, dass wir diese Reise erfolgreich meistern konnten.