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  • M.Sc. Karl-Michael Werner
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in grönländische Gewässer

Expedition

Walther Herwig III, Seetagebuch der 410. Reise

Dauer der Reise: 6. Oktober bis 21. November 2017

Fahrtgebiet: Nordatlantik

Zweck der Reise: Bestandsuntersuchungen an grönländischen Grundfischbeständen und ozeanographisch/klimatologische Untersuchungen.

Forschungsziele und Karte

Seit 1982 wird die West- und Ostküste von Grönland jährlich nach einem standardisierten Fangprogramm beprobt. Das Untersuchungsgebiet ist in 14 Strata unterteilt. Die jeweils erste Nummer der Strata-Bezeichnungen gibt die geografische Lage an, die zweite Nummer die Fangtiefe (1 = 0-200 Meter; 2 = 201-400 Meter) (© Thünen-Institut)

Das Forschungsprogramm der 410. Reise umfasst fischereibiologische Untersuchungen der grönländischen Kabeljau- und Rotbarschbestände sowie anderer ökologisch wichtiger Grundfischarten. Dies dient als Grundlage für die Entwicklung verbesserter Management- und Nutzungsstrategien.

Bei den ergänzenden biologisch-ozeanographischen Untersuchungen werden Zooplankton-Proben vor Ostgrönland genommen und hydrografische Parameter an ausgewählten Fischereipositionen und Transekten bzw. internationalen Standardpositionen erfasst.

Fahrtleiter: Karl-Michael Werner, Thünen-Institut für Seefischerei

Die letzten Tage der ersten Reisewoche werden wieder von stürmischem Wetter dominiert. Nach ruhiger Nordseeüberfahrt müssen wir nun im Norden Schottlands, im nördlichsten Teil des Moray Firth, darauf warten, dass ein Sturmtief zwischen Island und Schottland vorüberzieht. Die Überfahrt nach Island, welche ca. 2 Tage dauert, wäre bei aktuellem Wetter aufgrund von Wellenhöhen von 9-10 m nicht möglich.

Glücklicherweise mangelt es uns nicht an sinnvollen Beschäftigungen. In einem Halbtagskurs führte Schiffsarzt und Notfallmediziner Dr. Norbert Jaeger eine wertvolle Erste-Hilfe-Übung durch, in der der praktische Umgang mit einer Notfallsituation geübt wurde. Berührungsängste konnten so genommen werden, und die gesamte wissenschaftliche Besatzung war sehr dankbar. Kapitän Stefan Meier gewährte den Wissenschaftlern einen geführten Rundgang auf der Brücke, bei dem alle spannende Einsichten in den Offiziersalltag an Board erhielten.

In der Zwischenzeit findet vor allem das Fein-Tuning der wissenschaftlichen Abläufe und Probennahmen statt, um einen reibungslosen Einstieg in die Laborarbeit zu gewährleisten. Trotz der Pause sind an Bord alle weiterhin guter Dinge und voller Vorfreude darauf, die ersten Fische zu untersuchen.

Nachdem Sturmtief „Xavier“ auch uns an Bord stürmische Anfangstage in der südlichen Nordsee beschert hat, bestimmen jetzt die Vorbereitungen für die Arbeiten im Labor das Tagesprogramm. Hierzu gehört vor allem das Beschriften, Befüllen und Sortieren sämtlicher Gefäße und Behälter, damit diese später im manchmal stressigen Laboralltag jederzeit einsatz- und griffbereit sind.

Zur weiteren Vorbereitung gehört natürlich auch die Sicherheitseinweisung für die Arbeit im Labor und das Handling von Chemikalien, wie Ethanol oder flüssigem Stickstoff. Von großer Bedeutung ist auch das Kennenlernen innerhalb der wissenschaftlichen Besatzung und die Organisation von Arbeitsroutinen für die spätere Laborarbeit. In wenigen Tagen werden die ersten Fänge in Ostgrönland an Bord kommen. Um dann einen möglichst sauberen und flüssigen Start in die ersten Probennahmen zu gewährleisten, wird das wissenschaftlichen Personal in kleine Gruppen eingeteilt, die sich auf ihre speziellen Aufgaben vorbereiten. Hierzu gehören unter anderem die Entnahme von Leber- und Gonadenproben für spätere Lipiduntersuchungen, von Flossenproben für die genetische Bestimmung der Fischherkunft oder von Fischmägen für trophische Untersuchungen.

Die Stimmung ist prächtig und alle freuen sich darauf, dass bald die ersten Fänge an Bord kommen.

Mit besten Grüßen
Karl-Michael Werner (wissenschaftlicher Fahrtleiter)