Flüchtlinge einstellen − Tipps von Unternehmern für Unternehmer

Ratgeber

Sie suchen Mitarbeiter und können sich vorstellen, einen geflüchteten Menschen einzustellen? Dann ist dieser Ratgeber der richtige Leitfaden für Sie. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über Einstellungsverfahren und Unterstützungsangebote.


21 Betriebe aus 5 Bundesländern von der Tischlerei über den Metallbau bis zum Handel haben ihre Erfahrungen beigetragen. Wir haben die Inhaber und die geflüchteten Menschen, seien sie fest angestellt oder in einer Ausbildung, über ihren Weg in die Beschäftigung befragt. Im Folgenden finden Sie Kernaussagen und Empfehlungen:

Mutmacher

In diese Aussagen lassen sich die Erfahrungen der Betriebe zusammenfassen. (© Hinz & Kunst)

Für die befragten Betriebe hat sich eine Einstellung gelohnt, obwohl die Sprachkenntnisse der Flüchtlinge nicht besonders gut waren. Nur 14 der 22 befragten Flüchtlinge hatten einen Intensivsprachkurs besucht.

Zu Beginn muss offensichtlich nicht alles perfekt sein, damit eine erfolg­reiche Beschäftigung gelingt. Auf die Frage, was den Ausschlag für die Festeinstellung gegeben hat, wurden folgende Eigenschaften genannt:

  • 21-mal „fleißig, engagiert, motiviert, eifrig“und „… sieht die Arbeit“
  • 10-mal „höflich, zuvorkommend und hat sich gut ins Team eingefügt“
  • 13-mal „geschickt und passt in den Beruf“

Was Sie vorher klären sollten

  1. Für welche Arbeiten möchten Sie die Person einstellen? Geht es um Helfertätigkeiten oder wollen Sie ausbilden?

  2. Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über Ihre Entscheidung.

  3. Klären Sie, welche Person oder welches Team den neuen Kollegen „unter seine Fittiche” nimmt.

Wie Sie in Kontakt kommen

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer
Deren Stärke: Sie sind in der Regel sehr engagiert, haben einen engen und oft längeren Kontakt zu geflüchteten Menschen und kennen sie am besten. Sprechen Sie Flüchtlingshelfer an und erfragen Sie, ob ein Flüchtling eine Arbeit oder Ausbildungsstelle sucht.

Caritas- und Diakonieeinrichtungen
Oft bieten auch die örtlichen Caritas- und Diakonieeinrichtungen Hilfe an. Über die Internetseiten www.diakonie.de und www.caritas.de finden Sie schnell die jeweiligen Ansprechpartner in Ihrer Region.

Willkommenslotsen
In den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern sowie manchen Innungen stehen Expertinnen und Experten für genau Ihren Fall zur Verfügung. Sie helfen bei der Vermittlung von geflüchteten Menschen ebenso wie bei den nötigen Formalitäten und können auf Unterstützungsmaßnahmen wie finanzielle Zuschüsse hinweisen.

Bundesagentur für Arbeit
Der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit steht als Arbeitsvermittler und Ratgeber zur Verfügung. Dort können Sie sich über die vielfältigen Unterstützungsangebote informieren. Die Service-Rufnummer für alle Arbeitgeber-Angelegenheiten lautet 0800 – 455 55 20.

Berufsschulen
In Berufsschulen gibt es häufig internationale Förderklassen für Geflüchtete. Die Lehrer kennen ihre Schüler meist recht gut. Vielleicht wollen Sie auch eine Betriebsbesichtigung anbieten, um Kontakt zu interessierten Bewerbern zu bekommen.

Integrationsbeauftragte/Mitarbeiter des Sozialamtes
Auch sie informieren Sie darüber, welche ehrenamtlichen Helfer oder Helferkreise vor Ort aktiv sind.

Das erste Gespräch

Da schriftliche Einstellungstests nur schwer möglich sind, ist das Gespräch zunächst entscheidend. Von allen befragten Betrieben wurde betont, wie wichtig es war, dass der Bewerber oder die Bewerberin in Begleitung einer Vertrauensperson zum Gespräch kam. Oft sind dies die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Die Vorteile:

  • Es kann zielführend miteinander kommuniziert werden.
  • Die Begleitperson kann eine Empfehlung aussprechen.
  • Die Begleitperson hilft als Brückenbauer bei Sprachproblemen und beim Kennenlernen.

Ein Praxistest ist ebenfalls hilfreich. Überlegen Sie sich, wie Sie die Qualifizierung des Flüchtlings prüfen wollen, z.B. wie fasst er ein Werkzeug an.

Zusätzlich zu den üblichen Inhalten eines Vorstellungsgespräches sollten Sie:

  • klären, wie ehrenamtliche Flüchtlingshelfer oderdie örtliche Caritas bzw. Diakonie den Einstellungsverlaufunterstützen können, z.B. wer die Behördengänge übernimmt;
  • fragen, wie der tägliche Arbeitsweg aussieht und bewältigt wird.

Das Einstellungsverfahren

Muster einer Aufenthaltserlaubnis. (© BMI)

Für das Einstellungsverfahren müssen Sie den Aufenthaltsstatus der geflüchteten Person kennen. Daran können Sie erkennen, ob und welche Behörden noch in das Einstellungsverfahren einbezogen werden müssen. Lesen Sie das Ausweisdokument:

Aufenthaltserlaubnis: Die Person ist als Flüchtling anerkannt. Entweder steht im Ausweis der Vermerk „Erwerbstätigkeit gestattet“ oder Sie finden die Information in einem Zusatzblatt. Personen mit Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Absatz 1 oder Absatz 2 Aufenthaltsgesetz haben uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt, das heißt es gibt keine weiteren speziellen Anforderungen.

Aufenthaltsgestattung: Die Person hat einen Asylantrag gestellt, der bisher noch nicht entschieden wurde.  Im Feld „Nebenbestimmungen“ sind die Auflagen aufgeführt, z. B. zur Zulässigkeit einer Beschäftigung oder Wohnsitzauflagen. Die Formulierungen können je nach zuständiger Ausländerbehörde voneinander abweichen. Geflüchtete mit Aufenthaltsgestattung dürfen in den meisten Fällen eine Arbeit oder eine Ausbildung aufnehmen. Dies bedarf einer Erlaubnis der Ausländerbehörde. Weil die Geflüchteten noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, kann es doch dazu kommen, dass sie ausreisen müssen. Falls sie eine Ausbildung machen, dürfen sie allerdings für die Dauer der Ausbildung und zwei weitere Jahre bleiben.

Duldung: Zwar wurde der Asylantrag dieser Person abgelehnt, aber es gibt wichtige Gründe dafür, dass eine Ausreise vorerst nicht möglich ist. Auch Geflüchtete mit Duldung dürfen in den meisten Fällen eine Arbeit oder eine Ausbildung aufnehmen. Es gelten dieselben Bedingungen wie bei der Aufenthaltsgestattung. Wenden Sie oder die ehren- bzw. hauptamtlichen Helfer sich am besten direkt an den Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit, um die erforderlichen Schritte einzuleiten.

Der Start in die Beschäftigung

Es hat sich bewährt, einen Geflüchteten in einem Praktikum kennenzulernen. Machen Sie dem Geflüchteten klar, dass dies für beide Seiten ein Test ist, ob man zueinander passt. Es gibt verschiedene Einstellungsmöglichkeiten – und vielfältige Unterstützungsangebote:

  1. Wenn Sie eine geflüchtete Person als Helfer oder Angelernte einstellen, ist der Einstieg in den Betriebsalltag unkompliziert. Bei einer Beschäftigung als Angelernte oder Helfer vereinbaren Sie eine Probezeit im Arbeitsvertrag.

     

  2. Eine Ausbildung stellt geflüchtete Personen vor große Herausforderungen. Sorgen Sie für Unterstützung, um diese zu bewältigen. Für fachliche Fragen und Probleme in der Berufsschule braucht Ihr Azubi kontinuierliche Unterstützung. Am besten ist es, wenn es einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin unter den Kollegen oder auch aus den vielfältigen Helferangeboten gibt. Auch der finanzielle Aspekt ist wichtig:

    • Klären Sie die Erwartungen und Bedürfnisse mit Ihrem neuen Azubi.
    • Reicht die Ausbildungsvergütung für den Lebensunterhalt und gegebenenfalls für die Miete einer Wohnung?
    • Eventuell ist eine Aufstockung möglich: Bei der Bundesagentur für Arbeit oder im Jobcenter erfahren Sie, welche finanzielle Unterstützung Sie beantragen können.

  3. In der Ausbildung sind die Anforderungen in der Berufsschule für Geflüchtete oft unerwartet hoch. Erscheint der Schritt direkt in eine Ausbildung noch zu schwer? Dann nutzen Sie die Möglichkeiten einer Einstiegsqualifizierung bis zum Start in die Ausbildung.

Nach Feierabend – was ist sonst noch wichtig?

Ein wichtiger Punkt ist die Wohnungsfrage. Die Wohnung muss nahe genug am Arbeitsplatz sein. Auszubildende brauchen Ruhe, um lernen zu können. Das ist in Gemeinschaftsunterkünften nur schlecht möglich.

Außerdem muss ein Konto eröffnet und eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Vielleicht sind noch ein paar Möbel und ein Fahrrad nötig. Darum muss sichjemand kümmern. Oft erledigen das die ehrenamtlichen Helfer.

Das Beste ist es, wenn der Wohnort für den Flüchtling zu seiner zweiten Heimat wird und er oder sie nicht vereinsamt. Am schnellsten geht es, wenn Geflüchtete sich in (Sport-)Vereinen engagieren und mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen.

Service zum Download

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