Wie wirkt Förderung?

Im Gespräch

Interview im Magazin "forschungsfelder" mit Barbara Fährmann, Wissenschaftlerin im Thünen-Institut für Ländliche Räume, über Stärken, Schwächen und Grenzen von Förderprogrammen zur Entwicklung des ländlichen Raums.


Im Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, kurz „ELER“, stellt die EU Finanzmittel zur Verfügung. Mit welchen Zielen?  

Mit diesem Fonds werden Förderprogramme für den ländlichen Raum aufgesetzt. An ihrer Ausgestaltung und Finanzierung wirken die Länder, der Bund und die EU mit. Die Programme sollen die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft fördern, die natürlichen Ressourcen schützen und die Lebensqualität und Wirtschaftsstruktur in ländlichen Räumen verbessern. Zielgruppen sind landwirtschaftliche Betriebe, Kommunen, Vereine und Privatpersonen. Die möglichen Fördermaßnahmen sind sehr vielfältig. Das reicht von Investitionsförderung für Stallbauten über Ökolandbauförderung bis zu Kooperationen, um Entwicklungen „von unten“ zu gestalten.  

In Ihrem Forschungsprojekt evaluieren Sie die Förderprogramme mehrerer Bundesländer. Was genau erforschen Sie?  

Wir erfassen, welchen Beitrag die Förderung zur ländlichen Entwicklung insgesamt leistet. Werden die öffentlichen Mittel effizient eingesetzt und werden die gesetzten Ziele der Programme erreicht? Auch die Ziele selbst werden kritisch hinterfragt. Als Forschungsinstitut nutzen wir einen großen Fundus an Fachdaten und Statistiken und wir bekommen viele Angaben zu den einzelnen Förderfällen. So lassen sich Vorher/Nachher- oder Mit/Ohne-Vergleiche durchführen und Effekte berechnen. Aber die nackten Zahlen lassen sich nicht ohne Vor-Ort-Kenntnisse interpretieren. Das heißt, wir befragen Betriebe und Akteure in den Regionen und führen Fallstudien in geförderten Dörfern durch. Eine besondere Herausforderung ist es, zu beurteilen, ob die beobachteten Entwicklungen tatsächlich mit der Förderung zusammenhängen.

„Wir bauen Zukunft“ (© Michael Welling/Thünen-Institut)

Wo sehen Sie Stärken der Programme?  

Förderung ist dann effektiv, wenn sie auf klare Ziele zugeschnitten ist und nicht mit der Gießkanne verteilt wird. Gut ist es, wenn Einzelprojekte in Konzepte eingebunden sind, wie in der integrierten Dorfentwicklung, und wenn mehr in Köpfe als in Beton investiert wird. Fördermaßnahmen können so neue Lösungswege anstoßen und nachhaltige Entwicklungen stärken. Der Erfolg von Förderung wird oft immer noch an der Höhe der ausgezahlten Mittel gemessen. Leider. Schwächen können in der Ausgestaltung von Maßnahmen liegen, etwa wenn Innovationen gewollt, aber der Stand der Technik gefördert wird. Zuweilen verführt Förderung auch zu Fehlentscheidungen. Es wird beispielsweise ein Veranstaltungszentrum gebaut, die Unterhaltungskosten aber nicht ausreichend bedacht.  

Wo liegen die Grenzen der Förderung?  

Die liegen auf der Hand: Es geht um bedeutende Zukunftsthemen, aber die Finanzmittel sind sehr begrenzt: rund 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU fließen über den ELER in die ländlichen Räume Europas. Damit kann nicht gegen wirtschaftliche Trends oder negative Entwicklungen im Umweltbereich angefördert werden.  

Wo sehen Sie Risiken für die Förderung?  

Eindeutig in dem Regelungsrahmen, der zu einem enormen Verwaltungs- und Kontrollaufwand führt. Es besteht die Gefahr, an Vorschriften zu ersticken.  

Was müsste für die neu beginnende Förderperiode ab 2020 geändert werden?  

Die Umsetzung muss einfacher werden. Es braucht einen Rahmen, der Kreativität und Gestaltungswillen in den Regionen Europas stärkt. Damit muss auch die Frage gestellt werden, auf welcher Ebene – EU, Bund oder Land – bestimmte Förderansätze am besten angesiedelt sind. In diese Diskussionen bringen wir unsere Forschungsergebnisse ein.  

Frau Fährmann, vielen Dank für das Gespräch.