Institut für

Ländliche Räume

Lebensverhältnisse

Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Das Foto zeigt eine Werbekampagne des Deutschen Feuerwehrverbandes. Neben der Abbildung eines Handfeuermelders ist zu lesen: „Stell dir vor, du drückst und alle drücken sich.“
Freiwillige Feuerwehren waren über Jahrzehnte ein selbstverständlich funktionierender Bestandteil der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen – doch auch das ehrenamtliche Engagement verändert sich (© Thünen-Institut/Annett Steinführer)

Auf dem Lande zu leben ist noch immer anders als in der Großstadt – und das, obwohl für alle Regionen in Deutschland die gleichen Rahmenbedingungen gelten. Oder doch nicht?

Über Jahrzehnte haben sich die Lebensbedingungen in ländlichen und städtischen Räumen in der Bundesrepublik angeglichen. Doch seit den 1990er-Jahren nimmt die regionale Ungleichheit wieder zu. Viele ländliche Räume sind ökonomisch gegenüber den Metropolräumen ins Hintertreffen geraten. Bevölkerungsrückgang und Alterung sind vielerorts die Folge. Und doch können die Veränderungen ländlicher Lebensverhältnisse, die wir untersuchen, nicht auf demographischen Wandel reduziert werden: Zum einen gibt es ebenso wirkmächtige ökonomische, technologische und soziale Prozesse, wie den anhaltenden Strukturwandel der Landwirtschaft, die digitale Revolution und die Zunahme sozialer Ungleichheit. Zum anderen sind ländliche Räume in ihrer sozialen und ökonomischen Struktur, ihren Ressourcen und Lagefaktoren so unterschiedlich, dass sie nicht nur einem Entwicklungstyp zugeordnet werden können.

Foto: Kleinstadtimpression Harz
Viele Dörfer und Kleinstädte wirken werktags nahezu menschenleer (© Thünen-Institut/Annett Steinführer)

All die genannten gesellschaftlichen Transformationen beeinflussen das Leben und die Lebensqualität in ländlichen Räumen. So führt der demographische Wandel zu einem ungekannten Anstieg der Lebenserwartung. Diese kollektive Alterung stellt soziale Unterstützungsnetzwerke und Pflegesysteme vor neue Herausforderungen. Mobilität wird zur Schlüsselressource, denn Wohnen und Arbeiten, aber auch Bildung, Erholung und Sich-Versorgen erfolgen zunehmend an verschiedenen Orten. Einrichtungen der Grundversorgung konzentrieren sich in größeren Siedlungen oder verschwinden ganz. Doch greift die Formel eines durchweg „Weniger“ an Daseinsvorsorge zu kurz. Denn schnelles Internet und Ganztagsschulen sind Faktoren guter Lebensqualität auch in ländlichen Räumen. Ohne sie entstehen neue sozialräumliche Disparitäten und verstärken sich bestehende Ungleichheiten zwischen unterschiedlichen Typen ländlicher Räume, aber auch zwischen ländlichen und städtischen Regionen.

Grundschulen sind ein zentraler Bestandteil lokaler Daseinsvorsorge und ein wichtiger Faktor in Wohnstandortentscheidungen für oder gegen ländliche Räume (© Thünen-Institut/Annett Steinführer)

Wie verändert sich das Leben in ländlichen Räumen?

In unseren Forschungen interessieren uns die Vielfalt ländlicher Lebensverhältnisse und ihr Wandel unter sich ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Wir untersuchen die Folgen sozialen und demographischen Wandels, mit einem Schwerpunkt auf den Veränderungen der Daseinsvorsorge, zum Beispiel in der medizinischen Versorgung oder im Brandschutz. Dabei berücksichtigen wir Entwicklungspfade unterschiedlicher ländlicher Räume und arbeiten Unterschiede und Abhängigkeiten zu verstädterten Räumen heraus. Fragen der politischen Steuerung (Governance) und der Ausgestaltung von Beteiligungsprozessen (Partizipation) analysieren wir aus der Perspektive unterschiedlicher Fragestellungen, etwa veränderter Kommunalstrukturen, öffentlicher Fördermittel, regionaler Schrumpfung oder der Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements in der Daseinsvorsorge.

Unsere Forschungsfragen sind beispielsweise:

  • Welche Auswirkungen haben demographische, wirtschaftliche, soziale, politische und ökologische Entwicklungen auf die Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen?
  • Welche Personengruppen nach sozialer Lage, Alter und Geschlecht sind von diesen Prozessen betroffen?
  • Wie nehmen die unterschiedlichen sozialen Gruppen den Wandel ländlicher Räume wahr? Wie reagieren sie darauf?
  • Welche Möglichkeiten haben politische und zivilgesellschaftliche Akteure, auf die Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen Einfluss zu nehmen?  

Wir wenden ein breites Spektrum sozialwissenschaftlicher Erhebungsmethoden an: leitfadengestützte Interviews, standardisierte Befragungen, teilnehmende Beobachtungen und Gruppendiskussionen. Für bestimmte Bereiche der Daseinsvorsorge (zum Beispiel Apotheken, Supermärkte und Pflegedienste) führen wir Erreichbarkeitsanalysen durch.

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