Aktuelle Ergebnisse – die Thünen-Baseline 2015–2025

Im Folgenden stellen wir Ihnen ausgewählte Ergebnisse der Thünen-Baseline 2015–2025 vor. Unsere Projektion des Zeitraums 2015–2025 beruht

  • auf den im Juli 2015 vorliegenden Daten und Informationen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung,
  • auf der Annahme, dass die derzeitige Agrarpolitik beibehalten wird bzw. bereits beschlossene Politikänderungen wie geplant umgesetzt werden.

Die Projektion der aktuellen Thünen-Baseline zeigt, dass die EU aufgrund der Umsetzung von Handelsabkommen sowie der makroökonomischen Entwicklungen ihre Agrarexporte in andere Länder von 67 Mrd. € auf 76 Mrd. € steigern kann. Auf der Importseite der EU zeigt sich eine deutliche Zunahme der Importe aus Zentral- und Südamerika.

Die Entwicklung der Erzeugerpreise in Deutschland wird in der Baseline durch den unterstellten Wechselkurs mit einem vergleichsweise schwachen Euro (1,15 $/€ in 2025) grundsätzlich positiv beeinflusst. Während Weizenpreise gestützt durch die Exportnachfrage fest notieren (knapp 210 €/t in 2025), wirken eine Reihe von Faktoren dämpfend auf die Entwicklung der Preise für Gerste, Mais und Raps. Die projizierten Rapspreise liegen deutlich unter dem Preishoch der Jahre 2010 bis 2012. Bei Milchprodukten erscheinen, trotz der momentanen Konsolidierungsphase nach Auslaufen der Quotenregelung, die Absatzaussichten auf den globalen Märkten langfristig günstig. Der Milcherzeugerpreis beträgt daher am Ende der Projektionsperiode knapp 38 €/100 kg Milch.

Der Energiemaisanbau für die Biogaserzeugung wird auf etwa 1,1 Mio. ha ausgedehnt. Die Milcherzeugung wird bis zum Jahr 2025 aufgrund steigender Milchpreise und dem Auslaufen der Milchquote auf rund 37 Mio. t ausgedehnt. Dies entspricht einem Anstieg der Milchproduktion gegenüber dem Zeitraum 2009 bis 2011 um rund 23 %. Eine deutlich überdurchschnittliche Ausdehnung der Milcherzeugung erfolgt in der Thünen-Baseline vor allem in den Küstenregionen, am Niederrhein, in wenigen Mittelgebirgslagen sowie im Allgäu und Voralpenland.

Das durchschnittliche Betriebseinkommen pro Arbeitskraft steigt leicht an und liegt damit über dem mittleren Niveau der letzten zehn Jahre. Die Einkommensentwicklung weist jedoch Unterschiede zwischen den Betriebsformen auf. In Ackerbaubetrieben stabilisiert sich das Einkommen auf dem Niveau des Basiszeitraums. Milchviehbetriebe profitieren bei deutlich steigenden Erzeugerpreisen für Milch von einer starken Zunahme der durchschnittlichen betrieblichen Milcherzeugung. Das Einkommen der Milchviehbetriebe steigt im Schnitt um 35 %. Auch Veredlungsbetriebe können Einkommenszuwächse realisieren (+16 %), allerdings sind derzeit diskutierte mögliche höhere Auflagen (z. B. in der Düngeverordnung), die zu steigenden Kosten insbesondere in Veredlungsbetrieben führen könnten, in der Baseline nicht berücksichtigt.

Nach den Modellanalysen sinkt der sektorale Flächenbilanzüberschuss für Stickstoff, der ein Indikator für das Belastungspotenzial für die Gewässer darstellt, bis zum Jahr um 8 % auf 64 kg/ha LF. Die Ammoniakemissionen hingegen liegen in der Baseline-Projektion um 149 Kilotonnen (kt) oberhalb der Vorgaben aus der Luftreinhalterichtlinie (NEC-Richtlinie, 2001/81/EG) von 550 kt. Emissionen aus Biogas-Gärresten pflanzlicher Herkunft sind dabei noch nicht einbezogen, müssen aber in der Zukunft berücksichtigt werden. Es sind daher weitere Maßnahmen zur Minderung der Ammoniak-Emissionen notwendig, damit die Obergrenzen eingehalten werden können.

Alle EU-Mitgliedstaaten außer Deutschland nutzen die Möglichkeit, einen Teil der Direktzahlungen als gekoppelte Stützzahlungen zu gestalten. Die Analysen zeigen, dass eine vollständige Entkopplung nur geringe Auswirkungen für die Landwirtschaft in Deutschland hätte. Die Reform der Direktzahlungen für Betriebe mit Mutterkuhhaltung und Rindermast in ausgewählten EU-Staaten zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Betrieben auf: Gerade in intensiver wirtschaftenden Betrieben können auch die teilweise neu eingeführten gekoppelten Prämien für Mutterkühe und sonstige Rinder den Verlust der Betriebsprämien nicht ausgleichen.

In der Thünen-Baseline 2015–2025 tragen günstige Aussichten auf dem Weltagrarmarkt in Kombination mit einem schwachen Euro dazu bei, dass sich die Einkommen vieler Betriebe in Deutschland bis 2025 positiv entwickeln. Jedoch zeigt eine Variationsrechnung, die eine Wiederaufwertung des Euro unterstellt, wie stark gerade die exportorientierten Sektoren (z. B. Milch) von der Entwicklung gesamtwirtschaftlicher Kennzahlen abhängig sind.


Publikationen:

Offermann F, Banse M, Deblitz C, Gocht A,Gonzalez-Mellado A, Kreins P, Marquardt S, Osterburg B, Janine Pelikan J, Rösemann C, Salamon P, Sanders J (2016) Thünen-Baseline 2015 – 2025: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland.
Braunschweig: Thünen-Institut, Thünen Rep 40